Mecklenburg-Vorpommern, Neubukow: In seiner Hausarztpraxis impft Stefan Zutz eine  Patientin mit dem Corona-Impfstoff von AstraZeneca. | dpa

Corona-Pandemie Hausärzte bestellen 1,4 Mio. Impfdosen

Stand: 01.04.2021 14:11 Uhr

Die Impfungen in den Arztpraxen sollen nach Ostern beginnen - das kündigte Gesundheitsminister Spahn an. Für die erste Woche haben 35.000 Hausarztpraxen 1,4 Millionen Impfdosen bestellt. Gestartet werden soll mit dem Impfstoff von BioNTech/Pfizer.

Nach Ostern sollen die Impfungen in den Arztpraxen beginnen und allmählich hochgefahren werden. "Das wird noch kein großer Schritt sein, aber ein wichtiger", sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). 35.000 Hausärzte haben für die erste Woche demnach 1,4 Millionen Impfdosen bestellt. Geliefert werden könnten entsprechend der Planungen von Bund und Ländern zunächst 940.000 Dosen. Daneben sollen die Impfzentren der Länder 2,25 Millionen Dosen pro Woche bekommen. Ende April seien mehr als drei Millionen Dosen pro Woche für die Praxen vorgesehen.

Der Impfstoff gehe vom Bund an den Großhandel und dann über die Apotheken an die Praxen. Begonnen werden solle mit den Hausarztpraxen, dann sollten auch Fachärzte einbezogen werden.

Erst BioNTech/Pfizer, dann AstraZeneca und Johnson&Johnson

In den ersten beiden Wochen solle in den Praxen ausschließlich der Impfstoff von BioNTech/Pfizer eingesetzt werden. Ab der Woche vom 19. April seien BioNTech und AstraZeneca vorgesehen, danach BioNTech, AstraZeneca und Johnson & Johnson. Moderna solle vorerst ausschließlich in den Impfzentren verimpft werden, sagte Spahn. Bei diesem Vakzin sei es besser, wenn es nur einmal transportiert werde.

Für das zweite Quartal erwartet Deutschland nach Angaben von Spahn etwa 15 Millionen Impfdosen vom britisch-schwedischen Pharmakonzern AstraZeneca und rund 40 Millionen Dosen vom Mainzer Unternehmen BioNTech.

Spahn für schnelle Verimpfung aller AstraZeneca-Dosen

Derweil hat sich Spahn für eine schnellstmögliche Verabreichung des gesamten erwarteten Impfstoffs von AstraZeneca ausgesprochen. "Wenn jetzt 1,7 Millionen Dosen AstraZeneca am Wochenende geliefert werden mitten in der dritten Welle, macht es sehr viel Sinn für den Schutz des Einzelnen und für uns alle, wenn diese 1,7 Millionen Dosen auch schnellstmöglich verimpft werden", sagte Spahn. "Wir sind in der dritten Welle und sollten jeden schützen, den wir schützen können - schnellstmöglich."

Und Spahn weiter: "Wir haben 24, 25 Millionen Menschen in Deutschland über 60." Ausreichend Menschen würden den Impfschutz gerne annehmen. "Denn der Schutz ist gut." Er selbst würde sich grundsätzlich auch mit AstraZeneca impfen lassen, sagte Spahn.

AstraZeneca nur noch bei über 60-Jährigen

Nach einer Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) wird AstraZeneca in Deutschland in der Regel nur noch für Menschen ab 60 Jahre eingesetzt. Deshalb empfehle man den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, AstraZeneca in ihren Praxen nur noch bei Menschen über 60 Jahren zu verimpfen, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Stephan Hofmeister, dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland". Der Zeitbedarf für eine Beratung und intensive Aufklärung jüngerer Patienten stehe "einer schnellen Impfkampagne diametral entgegen", sagte er. Ähnlich äußerte sich demnach der Deutsche Hausärzteverband.

Unterdessen ist bei der Produktion des Impfstoffs des US-Herstellers Johnson & Johnson bei einer Charge ein Problem aufgetreten. In einer Produktionsstätte eines Partnerunternehmens habe ein Inhaltsstoff die Qualitätskontrolle nicht bestanden und sei daher nicht verwendet worden, teilte Johnson & Johnson mit.

Auswirkungen auf Lieferungen des Impfstoffs nach Deutschland sieht Spahn aber nicht. "Nach allem, was wir wissen, ist das kein EMA-zugelassener Produktionsstandort, spielt also für die Lieferungen in die EU - Stand jetzt - nicht die Rolle", sagte er. Nach einer Auflistung des Gesundheitsministeriums erwartet Deutschland im nun laufenden zweiten Quartal rund 10 Millionen Impfdosen von Johnson & Johnson.

Wer versorgt die Praxen?

Eine zentrale Rolle bei der Versorgung der Hausarztpraxen mit Impfstoffen spielen der pharmazeutische Großhandel und die Apotheken. Die Präsidentin der Bundesvereinigung der Deutscher Apothekerverbände, Gabriele Overwiening, sagte, die Apotheken vor Ort könnten jede zur Verfügung stehende Menge managen. Der stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbands des pharmazeutischen Großhandels, Marcus Freitag, versicherte, dass die Kapazitäten so ausgelegt seien, weitaus größere Mengen als zu Beginn zu verarbeiten.

Gassen: Noch 35.000 weitere Impfzentren

Mit dem Impfstart in den Praxen würden nun Abläufe etabliert, um die Zahlen in wenigen Wochen deutlich steigern zu können, meint Spahn. Der Gesundheitsminister rief Bürger, die schon Termine in Impfzentren haben, dazu auf, diese auch wahrzunehmen. Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, sagte: "Zu den 430 Impfzentren, die wir bisher haben, kommen nach Ostern 35.000 weitere hinzu, und das ist kein Aprilscherz."

Weitere Kapazitäten sichern

Spahn blickt auch in die Zukunft: Deutschland muss sich weitere Corona-Impfstoff-Kapazitäten sichern - notfalls auch im Alleingang. "Was wichtig ist, ist die Frage 2022. Wir müssen uns Kapazitäten sichern auch für mögliche Drittimpfungen oder Viertimpfungen. Wir wissen ja Stand heute noch nicht, wie lange ein Impfschutz hält", sagte der CDU-Politiker. Niemand könne ausschließen, dass nicht auch Folgeimpfungen zur Auffrischung nötig seien. "Dafür müssen und sollten wir uns Kapazitäten sichern als Europäische Union, wenn dort nicht zügig, dann national."

Das gelte auch für Mutationen des Coronavirus, durch die eine Anpassung der zugelassenen Covid-Impfstoffe nötig werden könnte, sagte Spahn. Auch für diesen Fall müsse sich Deutschland Kapazitäten sichern und habe damit auch schon begonnen, um hier schneller am Zug zu sein. "Wir wollen und werden uns auch über 2021 hinaus entsprechende Kapazitäten sichern", sagte Spahn.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. April 2021 um 12:00 Uhr.

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