FDP-Chef Lindner | Bildquelle: dpa

ARD-Sommerinterview "Wir wollen keine Verzichtsgesellschaft"

Stand: 21.07.2019 17:29 Uhr

Selbstzweifel? "Na klar, hatte ich auch schon." Klimaschutz? "Ja, aber keine Verzichtsgesellschaft". Gefahr von rechts? "Lange unterschätzt". FDP-Chef Lindner spricht im ARD-Sommerinterview über Politik und Privates.

Es war ein Ritt durch viele politische Themen: Klima, AfD, von der Leyen in Brüssel, Kramp-Karrenbauer im Kabinett. Am ausführlichsten aber nahm FDP-Chef Christian Lindner zur aktuellen Klimapolitik Stellung. Mit seiner Kritik an der "Fridays for future"-Bewegung und hier vor allem seiner Äußerung, Klimaschutz sei etwas für Profis, hatte er viel Empörung ausgelöst.

Ein marktwirtschaftlicher Preis für CO2

Mit Blick auf die jüngst vorgelegten Gutachten zur CO2-Bepreisung sagte Lindner: "Wir fühlen uns dadurch bestätigt." Auch habe sich die FDP mitnichten gegen nationale Alleingänge in der Klimapolitik ausgesprochen. Seine Partei sei dafür, CO2 einen marktwirtschaftlichen Preis zu geben. Er schlug vor, eine Gesamtmenge an Kohlendioxid festzulegen, die bis zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft noch ausgestoßen werden kann. "Und jeder, der einen Anteil daran haben möchte, für Fliegen, Verbrennungsmotor, für Energie oder Fleisch, muss sich seinen Anteil an diesem Budget kaufen". Dann werde eine Start-up-Mentalität entstehen, weil die günstigsten Wege gesucht würden, CO2 zu vermeiden.

"Wir sind jedoch gegen planwirtschaftliche Einzelmaßnahmen", führte Lindner aus. Das Fliegen zu verteuern, wie Umweltministerin Svenja Schulze vorgeschlagen hatte, lehnte er denn auch ab. Vielmehr müsse man doch das Bahnfahren attraktiver machen, also pünktlicher, schneller und mit Wlan in allen Zügen.

ARD-Sommerinterview mit Christian Lindner, FDP
Bericht aus Berlin, 21.07.2019

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"Ich halte nichts von Weltuntergangsszenarien"

Ausdrücklich schloss sich der FDP-Chef der Forderung von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer nach einem nationalen Klimakonsens an. "Der Ansatz ist richtig." Was genau er darunter versteht, blieb unklar. Scharf kritisierte er jedoch die Politik der Grünen. Askese und Verbote seien der falsche Weg. "Ich halte auch nichts von Weltuntergangsszenarien." Lindner weiter: "Wir müssen technische Lösungen finden, etwa Fliegen mit Wasserstoff." Denn auf dem Weg in die Verzichtsgesellschaft würden die Leute nicht folgen, sagte er.

"Gefahr von rechts unterschätzt"

Mit Blick auf die drei Landtagswahlen im Herbst in Ostdeutschland zeigte sich Lindner überzeugt, potenzielle AfD-Wähler zurückgewinnen zu können. Und zwar mit einer "Politik der vernünftigen Mitte." Dafür sei ein Konsens in der Klima- und Migrationspolitik wichtig. Lindner räumte ein, die Gefahr von rechts unterschätzt zu haben. "Ja, wir waren auf dem rechten Auge blind." Der Flickenteppich bei den Verfassungsschutzämtern müsse ein Ende haben. Die Behörden müssten gestrafft werden, um besser zusammenarbeiten.

Und dass CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer nun doch ins Kabinett wechselt? "Die Schlangenlinien der letzten Wochen sind schon eine parteipolitische Hypothek", so Lindner. Aber ihre Forderung nach höheren Verteidigungsausgaben unterstütze die FDP. Und Ursula von der Leyen als EU-Kommissionspräsidentin? Die Liberalen hätten ihre Wahl unterstützt, aber "nun muss sie konkret werden".

"Wie wär's, wenn wir alle mal entspannter werden?"

Ob Lindner schon mal Selbstzweifel gehabt habe? "Na klar, hatte ich auch schon." Aber er sei kürzlich erst mit exzellentem Ergebnis als Parteichef wiedergewählt worden, konterte er die Frage nach dem Umgang mit parteiinterner Kritik, zuletzt geäußert von FDP-Urgestein Gerhart Baum.

Auf die Frage nach seiner Work-Life-Balance blieb Lindner vage. Nur so viel: Die FDP müsse sich breit aufstellen. Kritik an seiner jüngst gewählten Generalsekretärin Linda Teuteberg ließ er nicht gelten: Sie sei nicht einmal 100 Tage im Amt, erinnerte er. Der Berliner Politik warf er in diesem Zusammenhang eine "Atemlosigkeit" vor. "Wie wär's, wenn wir alle mal etwas entspannter werden?"

Im Anschluss an das Sommerinterview und den Fragen von ARD-Hauptstadtstudioleiterin Tina Hassel stellte sich Lindner noch im Format "Frag selbst" den Fragen der Zuschauer.

Über dieses Thema berichtete Bericht aus Berlin mit dem ARD-Sommerinterview am 21. Juli 2019 um 18:30 Uhr.

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