CSU-Chef Söder | Bildquelle: AFP

CSU-Chef Söder sieht Grüne als Hauptgegner

Stand: 03.11.2019 02:42 Uhr

CSU-Chef Söder hat die Union davor gewarnt, sich nur mit der AfD zu beschäftigen. Hauptkonkurrent im Bund seien die Grünen, sagte er der "Welt am Sonntag". Außerdem müsse die "ständige Selbstbespiegelung" ein Ende haben.

Nach dem schlechten Wahlergebnis für die CDU bei der Landtagswahl in Thüringen hat CSU-Chef Markus Söder die Union aufgefordert, sich nicht nur mit der AfD zu beschäftigen. "Man kann im Osten zwar Wahlen verlieren, aber gewinnen muss man sie vor allem im Westen", sagte er der "Welt am Sonntag". Wer in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen keine Mehrheit bekomme, könne keine führende Kraft in Deutschland sein.

"Wir müssen klar sehen, wer hier unser Herausforderer ist. Daher: Keine einseitige Fixierung nach Rechtsaußen! Der Hauptkonkurrent um Platz eins sind die Grünen. Sie müssen wir stärker in den Fokus nehmen", sagte der bayerische Ministerpräsident.

Die Grünen seien zwar nach wie vor eine monothematische Partei, aber sie seien im Begriff, die SPD als die neue linke Volkspartei zu ersetzen. "Heute geht es um Grün-Rot-Rot, nicht um Rot-Rot-Grün. Deswegen müssen wir uns gezielter mit ihnen auseinandersetzen", forderte Söder. Es gehe auch "nicht um die Frage schwarz und grün, sondern um schwarz oder grün. Die Grünen werden der Hauptkonkurrent um den Kanzler. Das muss jeder wissen."

Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann wird von seinem bayerischen Amtskollegen Söder empfangen. | Bildquelle: REUTERS
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Bei der Jahrestagung der Ministerpräsidenten im Oktober empfing Söder den ersten grünen Landeschef Kretschmann.

"Wer nur jammert, bekommt auf Dauer keinen Besuch"

Söder warnte die Schwesterpartei CDU außerdem vor den Schäden, die weitere interne Angriffe auf Bundeskanzlerin Angela Merkel verursachen würden. Das Problem sei nicht die Politik der Großen Koalition, "sondern die ständige Selbstbespiegelung". Diese habe begonnen mit dem Streit zwischen CDU und CSU und gehe durch das Hadern der SPD mit sich und der gesamten Regierungsfähigkeit weiter. 

Sowohl der ehemalige Fraktionsvorsitzende der Union im Bundestag, Friedrich Merz, wie auch der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch hatten in der vergangenen Woche den Führungskurs der Bundeskanzlerin kritisiert.

Entscheidend sei, nicht alles schlecht zu reden, sagte Söder. "Wer nur jammert, bekommt auf Dauer keinen Besuch." Die Union dürfe sich "von der SPD nicht anstecken lassen". Den "Prozess des eigenen Herunterziehens" habe die Sozialdemokratie "geradezu perfektioniert". 

Absage an Urwahl

Die Union werde nach 2021 nur dann die Nummer eins bleiben, wenn es gelinge, neue Akzente zu setzen und Konzepte zu entwickeln, ohne gleichzeitig mit der erfolgreichen Vergangenheit zu brechen.

Einer in der CDU diskutierten Urwahl des nächsten Kanzlerkandidaten erteilte Söder erneut eine Absage: "Urwahlprozesse bringen nichts. Das kann man bei der SPD gut sehen." Er selbst habe kein Interesse an einer Kanzlerkandidatur. "Ich werde meine ganze Kraft Bayern als Ministerpräsident widmen."

Über dieses Thema berichtete Bayern 2 am 03. November 2019 um 06:00 Uhr in den Nachrichten.

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