Bayerns Ministerpräsident Markus Söder spricht auf einer Pressekonferenz. | LUKAS BARTH-TUTTAS/EPA-EFE/Shutt

CSU-Chef Söder für Frauenquote in DAX-Vorständen

Stand: 11.11.2020 12:37 Uhr

Beim Thema Frauenquote in Führungsetagen bremste die Union bisher eher - doch nun spricht sich CSU-Chef Söder dafür aus. Man müsse ein Signal setzen, sagt er. Die SPD reagierte erfreut, fordert aber auch Taten.

In der Debatte über mehr Gleichberechtigung in Führungsetagen hat sich der bayerische Ministerpräsident Markus Söder für eine Frauenquote in Vorständen von Dax-Unternehmen ausgesprochen. "Ich bin für die Frauenquote. Ich bin übrigens auch dafür - das sage ich hier sehr deutlich - dass wir bei den Gesetzen, die jetzt in Berlin gemacht werden mit Vorständen, dass wir uns da jetzt noch mal einen Ruck geben und das dann auch vernünftig umsetzen müssen", sagte er nach Angaben der "Zeit" bei einer digitalen Veranstaltung der Wochenzeitung.

Das Argument, man könne "nicht vorschreiben, ob in einem Dax-Vorstand eine Frau ist", überzeuge ihn nicht, so Söder weiter. "Es gibt hoch qualifizierte Männer und Frauen in unserem Land und genauso viele Frauen wie Männer, die diese Jobs locker machen können. Ich denke, wir müssen ein Signal setzen, weil es auch eine Vorbildfunktion für die vielen jungen Frauen in unserem Land hat."

Gesetzentwurf vorgelegt - Union bremst

Union und SPD hatten im Koalitionsvertrag Verbesserungen beim Gesetz zu Frauen in Führungspositionen verabredet. Nach Differenzen beschlossen die Spitzen der Koalition im Sommer, eine Arbeitsgruppe einzusetzen. Anfang des Jahres hatten Bundesfrauenministerin Franziska Giffey und Justizministerin Christine Lambrecht von der SPD einen Gesetzentwurf vorgelegt. Demnach ist die Ausweitung der Frauenquote für Aufsichtsräte geplant und eine Vorgabe, dass in rein männliche Unternehmens-Vorstände mit mindestens vier Mitgliedern künftig eine Frau nachrücken soll, wenn ein Platz frei wird. Laut Giffey hatten die unionsgeführten Ministerien dem aber nicht zugestimmt.

SPD: "Den Worten müssen Taten folgen"

Lambrecht zeigte sich nun erfreut über Söders Aussagen - sie mahnte aber zugleich: "Wohlfeile Lippenbekenntnisse reichen aber nicht aus." Nicht nur Söder, sondern auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hätten sich inzwischen offen für eine Frauenquote in Vorständen gezeigt - und trotzdem komme das von den SPD-Ministerinnen vorgelegte Gesetz nicht voran. "Wenn Söder und Merkel es ernst meinen, müssen den Worten jetzt endlich auch Taten folgen: Die Union darf hier nicht länger auf der Bremse stehen", forderte die SPD-Politikerin.

Auch SPD-Fraktionsvize Katja Mast begrüßte die Äußerungen: "Endlich hat auch CSU-Chef Markus Söder eingesehen, dass sich in den Aufsichtsräten und Vorständen freiwillig nichts bewegt", erklärte sie. Bei dem Thema liege Deutschland im internationalen Vergleich weit hinten. "Unsere Vorschläge liegen auf dem Tisch", sagte Mast und appellierte an Söder, nun "Nägel mit Köpfen" zu machen.

Rund 90 Prozent der Vorstände sind Männer

Knapp jeder dritte Aufsichtsratsposten in den 188 größten börsennotierten deutschen Unternehmen war nach einer Auswertung der Organisation "Frauen in die Aufsichtsräte" (Stand Mitte Januar 2020, aktualisiert Ende April 2020) zuletzt mit einer Frau besetzt. In den Vorständen dominierten die Männer mit fast 90 Prozent. Der Dax gibt die Wertentwicklung der 30 größten und liquidesten Unternehmen des deutschen Aktienmarktes wieder und repräsentiert den Großteil der Marktkapitalisierung börsennotierter Aktiengesellschaften in Deutschland.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 11. November 2020 um 13:36 Uhr.