Ein Junge spielt in seinem Kinderzimmer auf einem Smartphone ein Computerspiel. | Bildquelle: dpa

Smartphone-Nutzung Kasse sieht negative Folgen für Kinder

Stand: 23.08.2018 15:37 Uhr

Im Minutentakt WhatsApp-Nachrichten schreiben, Bilder bei Instagram hochladen, spielen - viele Kinder nutzen Smartphones intensiv. Das kann ihre Entwicklung massiv stören, warnt nun die Krankenkasse KKH.

Eine häufige Nutzung von Smartphones kann teils extrem negative Folgen für Kinder und Jugendliche haben. Das geht aus einer Erhebung der Kaufmännischen Krankenkasse KKH hervor.

"Bei den Heranwachsenden sind Krankheiten auf dem Vormarsch, die früher eher untypisch waren", teilte die Krankenkasse in Hannover mit. In den Jahren 2006 bis 2016 gab es demnach unter anderem einen enormen Anstieg von Sprach- und Sprechstörungen und von motorischen Entwicklungsstörungen.

Ein Jugendlicher betrachtet Inhalte der Videoplattform YouTube' auf seinem Smartphone. | Bildquelle: picture alliance / Tobias Hase/d
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Viele Heranwachsende nutzen das Smartphone täglich mehrere Stunden lang - auch abends und nachts.

Anstieg ist deutlich

Laut der Erhebung nahmen Sprach- und Sprechstörungen um 64 Prozent zu - unter den 15- bis 18-Jährigen sogar um 200 Prozent. Bei motorischen Entwicklungsstörungen registrierte die Krankenkasse nach eigenen Angaben eine Zunahme von 76 Prozent. Außerdem gab es laut KKH gut ein Drittel mehr Fälle von Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Fettleibigkeit bei den Sechs- bis Zehnjährigen habe um ein Fünftel zugenommen.

Eine frühere Untersuchung der KKH war bereits zu dem Ergebnis gekommen, dass eine häufige Nutzung von Smartphones zu Schlafstörungen bei Kindern und Jugendlichen führen kann. Der Anteil der betroffenen 13- bis 19-Jährigen verdoppelte sich demnach von 2006 bis 2016. Wer die Smartphones mit ins Bett nehme, bleibe oft länger wach als geplant und schlafe schlechter durch, teilten die Autoren der Erhebung mit.

"Nicht von Technik abhängig machen"

Die Krankenkasse sieht den unkontrollierten Umgang mit digitalen Medien nicht als einzigen Grund, aber als bedeutenden Grund für diese Entwicklungen an - neben mangelnder Bewegung und unausgewogener Ernährung. "Durch starken Medienkonsum können Kinder und Jugendliche Entwicklungsmöglichkeiten verpassen, die wichtig sind für ein gesundes Heranwachsen." Jungen Menschen müsse deshalb stärker vermittelt werden, sich nicht von der Technik abhängig zu machen.

Die KKH hatte im Juli 1005 Väter und Mütter von Kindern und Jugendlichen zwischen sechs und 18 Jahren befragt. Danach nutzt fast jeder 15- bis 18-Jährige häufig oder sehr häufig das Smartphone - insgesamt 93 Prozent. Jeder vierte Jugendliche kommuniziert täglich mehr als drei Stunden über soziale Netzwerke, Messenger und ähnliche Angebote.

Über dieses Thema berichteten am 19. Juli 2018 Deutschlandfunk um 10:10 Uhr in der Sendung "Marktplatz" und am 22. August 2018 MDR Kultur "Spezial" um 18:05 Uhr.

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