Ein Feuerwerk entlädt sich über der Oberbaumbrücke in Berlin während der Neujahrsfeier 2020. | Bildquelle: dpa

Feinstaub zu Silvester Umwelthilfe pocht auf mehr Verbote

Stand: 08.01.2020 17:04 Uhr

Die Silvester-Knallerei hinterlässt Unmengen Feinstaub in der Luft. Dieses Jahr war es wegen des Wetters besonders viel. Die Umwelthilfe erneuert deshalb ihre Forderung, Verbote für Kommunen zu erleichtern.

Von Vera Wolfskämpf, ARD-Hauptstadtstudio

Schlechte Luft - die gab es diesmal nach Silvester an besonders vielen Orten. Die Karte des Umweltbundesamtes zeigt Bayern, Baden-Württemberg und Hessen fast komplett rot. Rot heißt: EU-Grenzwert für Feinstaub überschritten. Rot leuchten auch große Teile Mittel- und Norddeutschlands. Besser war die Luft nur ganz im Osten und in Mecklenburg-Vorpommern.

An Neujahr war der Feinstaubwert laut Umweltbundesamt an jeder zweiten Messstation zu hoch, im Vorjahr war es nur an etwa jeder achten. "Das ist wirklich dramatisch", sagt Jürgen Resch von der Deutschen Umwelthilfe.

Soviel Feinstaub wie sonst in zwei Monaten

Das lag auch am Wetter dieses Jahr: kein Wind, kein Regen, die Luftschichten haben sich nicht ausgetauscht und so konnten sich die Schadstoffe anreichern. Das ist schlecht für die Umwelt und die Gesundheit, sagt Resch: "Das führt bei Menschen, die sehr sensibel auf Luftschadstoffe reagieren, zum Beispiel Asthmatiker, zu Atemnot und zu teilweise schweren gesundheitlichen Komplikationen."Aufs ganze Jahr gesehen produziert die Böllerei zwar nur zwei Prozent der Feinstaubemission in Deutschland. Aber zu Silvester entsteht etwa so viel Feinstaub wie sonst in zwei Monaten im Straßenverkehr.

Die Deutsche Umwelthilfe will deshalb mehr Verbote. Einige Städte verbieten bereits Feuerwerk, müssen das aber mit einer konkreten Gefahr begründen, zum Beispiel in Wohnvierteln oder vor Krankenhäusern. Verbote erleichtern, das wäre im Sprengstoffrecht möglich.

Das Bundesinnenministerium will es sowieso überarbeiten. Es dauert aber noch, sagt Sprecher Daniil Kushnerovich. Es sei ein langer Prozess, an dem viele Akteure beteiligt seien. Der werde auch noch einige Zeit noch in Anspruch nehmen. "Wir planen derzeit, dass wir zu Beginn der nächsten Legislaturperiode einen konkreten Vorschlag einbringen werden", sagt der Sprecher.

Lasershows statt Raketen

2021 sei viel zu spät, findet die Umwelthilfe. Dann solle eben das Bundesumweltministerium aktiv werden, so Geschäftsführer Resch, und das im Immissionsschutzgesetz regeln: "Kommunen sollten das Recht haben, aus Gesundheits- und Umweltvorsorge-Gründen eine großflächige, die ganze Gemeinde umfassende Verbotszone auszuweisen", sagt er. Allein diese Möglichkeit wäre für die Kommunen hilfreich.

Doch das Umweltministerium hat bisher immer ans Innenministerium verwiesen. Die Umwelthilfe will deshalb selbst etwas tun: mit Petitionen lokale Verbote erreichen, mit dem Handel sprechen, der weniger Raketen und Böller verkaufen soll. Der Verein will auch für Laser- und Lichtshows werben, damit schon beim nächsten Silvester weniger geböllert wird und die Luft wieder besser ist.

Mehr Feinstaub zu Silvester - Umwelthilfe für mehr Verbote
Vera Wolskämpf, ARD Berlin
08.01.2020 15:54 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 08. Januar 2020 um 13:21 Uhr.

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