Schriftzug am Eingang einer Arbeitsagentur

Folgen der Corona-Krise 81.100 Selbstständige benötigten Grundsicherung

Stand: 14.11.2020 12:12 Uhr

Die Corona-Auflagen treffen besonders Selbstständige hart. In den Monaten April bis September bezogen 81.100 von ihnen vorübergehend Grundsicherung. Die Linkspartei pocht auf Reformen bei der Arbeitslosenversicherung.

Die Zahl der Selbstständigen, die wegen der Corona-Beschränkungen zwischenzeitlich Grundsicherung beziehen mussten, ist seit dem Frühjahr massiv in die Höhe geschossen. Insgesamt haben sich einem Bericht der "Neuen Osnabrücker Zeitung" zufolge in den Monaten April bis September 81.100 Selbstständige neu arbeitssuchend gemeldet und zumindest vorübergehend Grundsicherung bezogen.

Das seien 73.104 mehr als im Vorjahreszeitraum, eine Zunahme um mehr als 1000 Prozent. Die Zahlen gehen laut der Zeitung aus Daten der Bundesagentur für Arbeit hervor, die die Linksfraktion abgefragt hat. Die meisten der betroffenen Selbstständigen arbeiten in Lebensmittel- und Gastgewerbeberufen, sozialen und kulturellen Dienstleistungsberufen (jeweils rund ein Fünftel) sowie in Gesundheitsberufen (rund 16 Prozent).

Einbußen schutzlos ausgesetzt

"Inhaberinnen und Inhaber kleiner Unternehmen und Solo-Selbstständige waren schon vor Corona häufig arm. Die Corona-Pandemie trifft sie zusätzlich sehr hart, besonders im Kultur- und Gaststättenbereich", sagte Linken-Sozialexpertin Sabine Zimmermann der Zeitung. Die bisherigen Unterstützungsleistungen reichten nicht aus. "Nötig wäre vor allem ein fiktiver Unternehmerlohn in Höhe von 1200 Euro, der den Lebensunterhalt sichert, ohne dass die betroffenen Selbstständigen Hartz IV beziehen müssen", forderte Zimmermann.

Mittelfristig brauche es eine Lösung innerhalb des Sozialversicherungssystems. Die Pandemie habe gezeigt, "dass Selbstständige wirtschaftlichen Einbrüchen schutzlos ausgesetzt sind, weil die meisten nicht arbeitslosenversichert sind", sagte die Linken-Abgeordnete. "Sie müssen zu vernünftigen Bedingungen in die gesetzliche Arbeitslosenversicherung einbezogen werden."

Mehr Corona-Hilfen

Am Freitag hatte die Bundesregierung angekündigt, Solo-Selbstständigen etwa aus dem Kunst- und Kulturbereich in der Corona-Krise verstärkt helfen zu wollen. Unter anderem sei eine einmalige Betriebskostenpauschale von bis zu 5000 Euro geplant, teilten Finanz- und Wirtschaftsministerium mit.

Die "Neustarthilfe" soll für die Zeit von Dezember 2020 bis Ende Juni 2021 als eine einmalige Pauschale als steuerbarer Zuschuss gezahlt werden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. November 2020 um 12:00 Uhr.

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