Ein Zaun gegen die Schweinepest wird an der deutsch-polnischen Grenze aufgestellt. | Bildquelle: dpa

Brandenburg Mit Zäunen gegen die Schweinepest

Stand: 26.09.2020 15:33 Uhr

Das Land Brandenburg kämpft gegen die Afrikanische Schweinepest. Jetzt geht es nur noch darum, die Ausbreitung möglichst zu verhindern. Aber ist die Seuche überhaupt noch zu stoppen?

Von Kerstin Breinig, rbb

Der Hof von Christoph Schulz liegt mitten im Seuchensperrgebiet - acht Kilometer entfernt vom Fundort des ersten mit Afrikanischer Schweinepest infizierten Wildschweins in Deutschland. Seit zwei Wochen herrscht bei ihm Katastrophenstimmung. Er hat nicht nur Angst um seine 250 Schweine, sondern um seine Existenz. Einen Teil der Äcker durfte er zuletzt nicht mehr betreten. Die Gerste konnte er nicht aussäen, den Mais nicht ernten - eine Anordnung des Landkreises.

Über die Grenze gebracht

Vor gut zwei Wochen haben vermutlich Wildschweine die Afrikanische Schweinepest über die deutsch-polnische Grenze gebracht. Bei mehr als 30 toten Wildschweinen ist die Seuche inzwischen nachgewiesen worden.

Mit Elektrozäunen hatte zuvor das Land Brandenburg versucht, die Grenze zu sichern und ist damit gescheitert. Jetzt sollen feste Zäune rund um die Sperrzone gebaut werden.

Die Rechtsgrundlage fehlte

Im Süden Brandenburgs wurde inzwischen damit begonnen - zwei Wochen nach dem ersten Nachweis, zwei Monate nach der ersten Ankündigung im Juli. Die Rechtsgrundlage hatte gefehlt. Außerdem musste erst nach Munition gesucht werden, bevor ein fester Zaun "in den Boden gerammt" werden konnte, erklärte Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen. "Eine gewisse Verzögerung hat sich ergeben, weil es sich sowohl an der Neiße als auch an der Oder durchweg um ehemalige Frontlinien handelt."

Doch jetzt sollen innerhalb einer Woche die ersten Kilometer Zaun stehen: übersprungsicher und im Erdreich verankert. Die ersten 60 Kilometer sollen rund 900.000 Euro kosten.

Beteiligung von Bund und Ländern

Die Agrarministerkonferenz hat Brandenburg Unterstützung zugesichert. Bund und Länder müssen nach Ansicht des Vorsitzenden der Agrarministerkonferenz, Reinhold Jost, an einem Strang ziehen. "Wir müssen auch darüber reden, ob und inwieweit aufgrund der nationalen Tragweite auch eine nationale, unter Beteiligung des Bundes, vorgenommene Finanzierung von festen Zäunen" möglich sei.

Bundesagrarministerin Julia Klöckner sagt, das Ziel müsse sein, die Ausbreitung in andere Bundesländer und in den Haustierbestand zu verhindern und sie wieder rauszubekommen. Brandenburg soll dabei eine Koordinierungsfunktion übernehmen.  

Kein Zaun in Märkisch-Oderland

Doch nicht einmal alle Brandenburger Landkreise in der Grenzregion kämpfen gemeinsam. Der Landkreis Märkisch-Oderland weigert sich, einen festen Zaun aufzustellen. Schon aufgrund der hohen Kosten und des zweifelhaften Nutzens, sagt Vizelandrat Friedemann Hanke. Man müsse sich vor Aktionismus hüten.

Zudem würden mit der Maßnahme die Deichanlagen an der Oder zerstört. Falls auch im Landkreis tote Tiere gefunden werden, sollen mobile Wildzäune aufgestellt werden. Bisher ist das nicht der Fall. Das Kerngebiet liegt weiter südlich.                                                      

Am Boden und in der Luft

Am äußeren Rand des Gebietes suchen Spürhunde seit Tagen nach toten Wildschweinen. Sie wurden extra aus Rheinland-Pfalz und Schleswig- Holstein geholt und sind speziell für die Kadaversuche ausgebildet. Bisher wurden die Tiere nur innerhalb des Kerngebietes fündig.

Zumindest das macht Hoffnung, dass sich die Seuche nicht schon längst weiter ausgebreitet hat. Auch Drohnen steigen jeden Tag auf, um tote Tiere zu suchen. Das Land Brandenburg hat außerdem eine Prämie für jede Meldung von Fallwild ausgelobt.

Christoph Schulz | Bildquelle: Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb)
galerie

Schweinebauer Christoph Schulz: Ärger - und dann doch noch eine gute Nachricht.

Ärger beim Schweinebauer

Schweinebauer Schulz ärgert sich darüber: "Im Moment darf jeder Otto-Normal-Bürger quasi über den Acker laufen und darf eine Fallwildsuche selber machen. Bei jedem Stück Schwarzwild, das gefunden wird, kassiert er 100 Euro."

Wenn er seine Felder nicht bewirtschaften dürfe, müsse er für seine zwölf Beschäftigten Kurzarbeit beantragen, sagt er. Der Landwirt wünscht sich, dass das Land schneller handelt.

Doch wenig später kommt dann doch eine gute Nachricht für ihn: Der Landeskrisenstab lockert die Beschränkungen. Flächen, die außerhalb der Kernzone liegen, können wieder bewirtschaftet werden, wenn dort keine Wildschweinkadaver gefunden werden.

Über dieses Thema berichtete das nachtmagazin am 25. September 2020 um 00:35 Uhr.

Darstellung: