Durch einen Durchgang sieht man durch einen Zaun auf ein offenes Gelände mit Gebäuden. | Bildquelle: dpa

Zentralrat der Juden KZ-Besuche als Integrationsmaßnahme?

Stand: 23.04.2017 11:47 Uhr

Antisemitische Einstellungen bei muslimischen Flüchtlingen müssen aus Sicht des Zentralrats der Juden gezielter bekämpft werden - zum Beispiel mit Besuchen in KZ-Gedenkstätten. Viele kämen aus Staaten, in denen "Judenhass und Israelfeindlichkeit zur Staatsräson" gehörten.

Schon häufiger hatte der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, vor einem wachsenden Antisemitismus durch die Einwanderung muslimischer Flüchtlinge gewarnt. In der "Welt am Sonntag" sprach er sich nun dafür aus, gezielter dagegen vorzugehen.

Viele jener Menschen, die nach Deutschland gekommen sind, stammten aus Staaten, in denen "Judenhass und Israelfeindlichkeit zur Staatsräson gehören". Es sei verständlich, "dass man solche Zerrbilder, die man jahrzehntelang vorgehalten bekam, nicht einfach an der Grenze zu Deutschland vergessen kann", so Schuster.

Josef Schuster | Bildquelle: dpa
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Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster.

"Integrationskurse können keine Wunder bewirken"

Gerade deshalb sei es wichtig, neben der Vermittlung der westlichen Werte wie der Gleichberechtigung zwischen Frau und Mann, "antisemitische Einstellungen in den Integrationskursen zu einem zentralen Thema zu machen". Zeitlich begrenzte Integrationskurse könnten keine Wunder bewirken. "Aber vielleicht ließe es sich einrichten, dass Kursteilnehmer eine KZ-Gedenkstätte oder ein jüdisches Museum besuchen", sagte Schuster.

Zudem sei es richtig, dass die Bundesregierung seit geraumer Zeit die Zahl der Zuwanderer begrenze. Auf dem Feld der Integration der Flüchtlinge habe die Bundesregierung "viel und Gutes" geleistet. "Wer aber glaubt, die Integration könne innerhalb von zwei Jahren gelingen, der irrt", sagte der Zentralratsvorsitzende mit Blick etwa auf die Integration der jüdischen Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion in den 90er-Jahren. "Eine vollständige Integration dauert eine, wenn nicht sogar zwei Generationen", sagte Schuster.

Wanka will Migrantenanteil in Schulklassen begrenzen

Mit Blick auf die Integration plädierte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka dafür, den Migrantenanteil in Schulklassen zu begrenzen. Nur so könne Integration gelingen. "Ich bin gegen eine starre Quote, denn die regionalen Unterschiede sind groß", sagte Wanka dem "Focus". "Klar ist aber, dass der Anteil von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund möglichst ausgewogen sein muss."

Es dürfe keine Klassen geben, in denen der hohe Migrantenanteil dazu führe, "dass die Schüler untereinander vorwiegend in ihrer Muttersprache sprechen und damit eine Integration erschwert wird", appellierte die Ministerin an die Bundesländer.

Über dieses Thema berichtet tagesschau24 am 23. April 2017 um 13:00 Uhr.

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