Kippen und anderer Müll | Bildquelle: picture alliance / zb

Vorstoß der Umweltministerin Tabakindustrie soll für Kippenmüll zahlen

Stand: 18.12.2018 09:18 Uhr

Umweltministerin Schulze will Geld von der Tabakindustrie. Damit möchte sie Reinigungsarbeiten wegen weggeworfener Zigaretten bezahlen. Kippen entwickeln sich zunehmend zu einem Umweltproblem.

Zigaretten sind nicht nur während des Rauchens gefährlich, sondern auch danach. Weltweit werden jedes Jahr rund 5,6 Billionen Kippen konsumiert - der dabei anfallende Müll wird laut Umweltschützern zu einem Problem für die Meere. Denn die weggeworfenen Stummel enthalten Nikotin und vergiften die Umwelt. Außerdem sind die Filter ein Problem: Sie enthalten Chemikalien und Plastikpartikel.

Svenja Schulze | Bildquelle: imago/photothek
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Umweltministerin Svenja Schulze will sich in Brüssel dafür einsetzen, dass die Tabakindustrie für die Kippenbeseitigung zahlt.

Müssen die Hersteller für Reinigung zahlen?

Bundesumweltministerin Svenja Schulze will deshalb nun die Tabakindustrie an den Kosten für Reinigungsarbeiten wegen weggeworfener Zigaretten beteiligen. In einem Interview brachte sie ins Gespräch, die Hersteller an der Reinigung von Stränden oder Parks zu beteiligen. Wer Wegwerfartikel wie Zigaretten herstelle, werde künftig mehr Verantwortung für den Müll übernehmen müssen, sagte die SPD-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Schulze will sich für ihre Pläne bei der EU einsetzen. Das Europaparlament hatte zuerst eine Kostenbeteiligung der Tabakbranche als verschärfende Maßnahme zur geplanten Einweg-Plastik-Richtlinie gefordert. Über die Richtlinie diskutieren die EU-Kommission, das Europaparlament und der Ministerrat. Schulze äußerte die Hoffnung, dass "noch in diesem Jahr ein europaweites Verbot von überflüssigem Einweg-Plastik auf den Weg" gebracht werde. Dabei sei Europa nicht alleine gefordert. Laut der Umweltministerin müsse man "weltweit zu drastischeren Mitteln greifen als bisher".

Das schwebt auch US-Forschern vor. Ein Team um Professor Thomas Novotny von der Universität San Diego hat die Umweltschäden durch Zigarettenkippen untersucht. Sie fordern, den Einsatz von Zigarettenfiltern generell zu verbieten. Dies würde die Umwelt schonen.

Hofreiter wirft Schulze "doppeltes Spiel" vor

Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Anton Hofreiter warf Schulze beim Thema Plastik ein "doppeltes Spiel" vor: "Während Umweltministerin Schulze in Berlin die Plastik-Trendwende verspricht, verwässert sie in Brüssel die dafür notwendigen Gesetze", sagte Hofreiter den Funke-Zeitungen. Notwendig seien ein Stopp von Mikroplastik in Kosmetik oder eine Abgabe auf Plastiktüten, Einweg-Verpackungen und Einwegkaffeebecher.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 18. Dezember 2018 um 09:00 Uhr.

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