Schüler einer 13.Klasse der Oberstufe der Stadtteilschule Niendorf in Hamburg sitzen mit Mund-Nasen-Bedeckungen im Deutsch-Unterricht. | dpa

Corona-Pandemie Schulstart ins Ungewisse

Stand: 03.08.2021 11:45 Uhr

In einigen Bundesländern hat das neue Schuljahr begonnen. Kritiker befürchten, dass es ohne klare Konzepte, mehr Tests und Luftfilter im Herbst zu erneuten Schließungen kommt. Dabei gibt es bereits massive Lernrückstände.

Von Nina Amin, ARD-Hauptstadtstudio

Ein neues Schuljahr - und wieder blicken Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte mit Sorge auf die kommenden Monate. Sind die Schulen diesen Herbst besser vorbereitet auf steigende Corona-Zahlen? Oder heißt es eventuell wieder: Lernen allein zu Hause? Allen Zweifeln zum Trotz blickt Bundesbildungsministerin Anja Karliczek optimistisch auf das neue Schuljahr. Dem ARD-Hauptstadtstudio sagte die CDU-Politikerin: "Präsenzunterricht - das ist für alle das Ziel. Und wir haben natürlich heute viel mehr Möglichkeiten als wir sie im letzten Jahr hatten."

Nina Amin ARD-Hauptstadtstudio

Viele Lehrkräfte seien schon geimpft. Möglichst alle Erwachsenen sollten sich solidarisch zeigen und sich impfen lassen, fordert sie. So erhöhe sich der Schutz für jüngere Kinder. Denn für sie ist noch gar kein Impfstoff zugelassen. Für zwölf- bis 17-Jährige schon, aber die Ständige Impfkommission (STIKO) gibt für sie noch keine generelle Impfempfehlung.

In Anbetracht der wieder steigenden Zahl der Neuinfektionen und der Ausbreitung der ansteckenderen Delta-Variante haben die Gesundheitsminister von Bund und Ländern aber nun beschlossen, das Impfangebot für Kinder und Jugendliche auszuweiten. Dies ist nun auch in allen Impfzentren oder auf andere niedrigschwellige Weise möglich. Für Karliczek bleibt aber weiterhin zentral: Regelmäßig testen und Masken aufsetzen, wo kein Abstand möglich ist.

Kritik der Bundesschülerkonferenz

Kritik an den Vorbereitungen für das neue Schuljahr kommt vom Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz. Die vierte Corona-Welle zeichne sich deutlich ab, sagte Dario Schramm im phoenix-Interview: "Viele Kinder und Jugendliche sind eben noch nicht geimpft und dadurch wirklich auch voll empfänglich für dieses Virus. Da hätte man erwarten können, dass man sich jetzt einfach vorbereitet."

Dies sei aber schlichtweg nicht geschehen: "Wir starten jetzt wieder in den Unterricht in den Bundesländern mit dem Credo 'Das wird schon gutgehen - toi, toi, toi', aber ohne sich tatsächlich ausnahmsweise mal einen Plan gemacht zu haben."

Zu spät, zu zaghaft

Ein Beispiel sind mobile Luftfilter für Klassenräume, die sich schlecht belüften lassen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) meint, hier sei viel Zeit verschwendet worden. 200 Millionen Euro sind für mobile Luftfilter in Schulen eingeplant. Dies wurde von der Bundesregierung erst Mitte Juli beschlossen - im Jahr 2021 wohlgemerkt.

Das Geld komme zu spät, kritisiert die Bildungsgewerkschaft. Die GEW-Vorsitzende Maike Finnern betont gegenüber dem ARD-Hauptstadtstudio: "Das hätte man auch schon vor einem Jahr angehen können. Mit Finanzen hinterlegt, mit entsprechenden Ausschreibungszeiten, mit Lieferzeiten. Dann hätten wir jetzt nicht das Problem, das wir haben. Dass es im Herbst vermutlich längst nicht überall da, wo es notwendig ist, Luftfiltergeräte geben wird."

Kritik richtet sich nicht nur gegen den Bund, sondern auch gegen die Bundesländer, die Hoheit beim Thema Bildung haben - und im Endeffekt die Luftfilter beschaffen müssen.

Bereits jetzt Lernrückstände

Wenn der Unterricht in den Bundesländern jetzt nach und nach wieder startet, sind nicht nur Hygiene- und Schutzmaßnahmen gegen Corona im Fokus. Viele Schüler und Schülerinnen müssen auch noch Lernstoff vom vergangenen Schuljahr nachholen. 20 bis 25 Prozent haben laut Lehrerverband größere Lücken. Das Aufholprogramm des Bundes in Höhe von einer Milliarde Euro für dieses und nächstes Jahr soll helfen, Lernrückstände aufzufangen.

Dabei setzt Bundesbildungsministerin Karliczek auf zusätzliche Angebote: "Es soll quasi von außerschulischen Kräften oder zum Beispiel auch von Studierenden oder pensionierten Lehrkräften, also durch zusätzliche Kapazitäten, geleistet werden." Dennoch sollten die Angebote möglichst schulnah und möglichst auch mit Bezug auf den Schulalltag stattfinden. "Das ist schon wichtig."

Auch über diesen Ansatz ist die GEW nicht glücklich. Besser sei es, das Geld direkt in die Schulen zu stecken, in mehr Personal und kleinere Klassen. Schließlich wüssten die Lehrkräfte an den Schulen am besten, wo ihre Schüler und Schülerinnen Nachholbedarf haben, betont Finnern.

Niemand weiß, wie sich die Corona-Infektionslage an den Schulen entwickeln wird, ob Testkonzepte funktionieren oder genügend Luftfilter da sein werden. Sicher ist, für alle dürfte es - erneut - ein anstrengendes Schuljahr werden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. August 2021 um 05:18 Uhr.