Schüler im KLassenzimmer mit Tablets | dpa

Digitale Schule in NRW Lange Leitung, schlechte Ausstattung

Stand: 11.08.2020 12:59 Uhr

Ein digitales Gerät für bis zu 30 Schüler, nur jede dritte Schule mit Glasfasernetz: Eine WDR-Umfrage zeigt, dass die Schulen in NRW weit von der Digitalisierung entfernt sind. In anderen Ländern sieht es besser aus.

Von Jens Eberl, Peter Schneider und Melissa Faust

Wenn Vivianne Vanczura Vokabeln lernt, dann benutzt sie kein Papier mehr oder Karteikarten. Sie sitzt vor einem Tablet. Das Lernprogramm spuckt die Wörter nach Zufallsprinzip aus.

Jens Eberl

"Dass man spielerisch die Vokabeln lernen kann, dass man zum Beispiel die Vokabeln zuordnen muss zur Übersetzung - dadurch habe ich sehr viel schneller gelernt, weil es halt sehr viel mehr Möglichkeiten gab", sagt die Schülerin. Dadurch komme sie im Unterricht viel schneller mit.

1000 Rechner für 1500 Schüler - eine positive Ausnahme

Und es macht mehr Spaß. Die Gesamtschule Buir-Mitte in Gelsenkirchen ist bei der Digitalisierung gut aufgestellt: 1000 Rechner gibt es hier für 1500 Schülerinnen und Schüler. Das ist aber eine Ausnahme.

Denn eine WDR-Umfrage unter knapp 4000 Schulen in Nordrhein-Westfalen zeigt ein düsteres Bild: Demnach müssen sich im Durchschnitt 9,6 Schülerinnen und Schüler einen Desktop teilen. Auf ein Tablet kommen sogar 12,8 Personen.

Am wenigsten sind Laptops vorhanden. Hier kommt ein Gerät auf 30,3 Personen. Gerade in Zeiten von Corona, wo Fernunterricht eine große Rolle spielt, ein Problem. Auch interaktive Tafeln für den Unterricht gibt es kaum.

Infografik: Digitale Ausstattung Schulen NRW |

Bildungsforscher schlagen Alarm

Bildungsforscher alarmieren diese Zahlen. "Wenn wir ernsthaft von Digitalisierung sprechen möchten, braucht jeder in der Schule ein Gerät", sagt Klaus Klemm, emeritierter Professor für Bildungswissenschaften an der Universität Duisburg Essen. Dann reiche es nicht, wenn sie sich eins teilen müssten. Und wenn sie damit von zu Hause arbeiteten, müsse der Internetzugang gesichert sein: "Wir wissen, dass ein großer Anteil an Schülern und Schülerinnen beim Homeschooling gar nicht erreichbar ist."

Der Blick auf die Verteilung der Geräte nach Schulformen zeigt, dass die Sekundarschulen als "jüngste" Schulform bei der Ausstattung mit Laptops, Tablets und interaktiven Whiteboards führend sind. Zwischen Stadt und Land gibt es keine großen Unterschiede. Die Ausstattung ist weitgehend gleich.

Keine Vergleichszahlen aus anderen Bundesländern

Vergleiche mit anderen Bundesländern sind schwierig. Denn staatliche Erhebungen über den Stand der Digitalisierung an den Schulen gibt es kaum. Die Kultusministerien verweisen auf die Kommunen als Schulträger: Diese organisierten die Ausstattung in Eigenregie.

Niedersachsen sieht sich allerdings auf einem guten Weg bei der Ausstattung der Schulen. Das Kultusministerium schreibt, das Bundesland gehöre zu den Ländern mit den höchsten Fördersummen. Das bewilligte Fördervolumen liege derzeit in Niedersachsen bei insgesamt rund 40 Millionen Euro.

Eine ähnliche Antwort kommt aus dem Kultusministerium in Sachsen. Angaben über die genaue Ausstattung habe man nicht. Aber Geld werde bereitgestellt. 181,1 Millionen Euro seien bereits bewilligt. Gefördert werde vorrangig die digitale Infrastruktur in Schulen wie Verkabelung, Schulserver oder WLAN-Netzwerke. Aber auch die Anschaffung von interaktiven Tafeln, Displays oder von Laptops, Notebooks und Tablets werde unterstützt.

Aus Bayern gibt es die Schätzung, dass es dort zusammen ungefähr 500.000 PCs, Tablets und Laptops vorhanden seien. Zudem gebe es knapp 34.000 digitale Klassenzimmer. Sie bestünden aus einem Lehrerarbeitsplatz mit einer digitalen Präsentationseinrichtung und der Möglichkeit für Schülerinnen und Schüler, digitale Geräte wie Notebooks, Tablets und Smartphones zu nutzen.

NRW schlechter ausgestattet als Bayern

Im Vergleich zu Bayern steht NRW schlechter da. Die WDR-Umfrage kommt hier auf etwa 300.000 Geräte - bei einer höheren Schülerzahl. Das Verhältnis von Gerät zu Schüler ist in NRW somit deutlich schlechter als in Bayern.

Auch bei der Netzversorgung sieht es in Nordrhein-Westfalen schlecht aus: Nur jede dritte Schule ist mit einem Glasfaseranschluss ausgestattet. Diese Zahlen zeigen, dass NRW die eigenen Ziele verfehlt hat. 2018 hatte die Landesregierung angekündigt, bis Ende 2020 mindestens 60 Prozent aller Schulen mit Glasfaser auszustatten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. August 2020 um 12:00 Uhr.