Blick in das Treppenhaus einer Grundschule in Berlin | Bildquelle: dpa

Milliardenschwerer Investitionsstau Baustelle Schule

Stand: 24.09.2016 15:19 Uhr

Von kleineren Mängeln bis hin zu regelrecht baufällig - es bröckelt in Tausenden deutschen Schulen. Laut einer neuen Studie der KfW wären 34 Milliarden Euro nötig, um die Gebäude auf einen modernen Stand zu bringen - doch davon ist Deutschland weit entfernt.

Bröckelnde Fassaden, defekte Toiletten, Heizungen, die nicht funktionieren, baufällige Treppenhäuser - quer durch Deutschland klagen Schüler und Eltern über solche Missstände in den Schulen. Von der Grundschule an bis hin zur Berufsschule. Nur wie kommt es, dass bundesweit Schulen regelrecht vor sich hinrotten? Der Grund: Das nötige Geld wird nicht aufgebracht, die Kommunen kriegen die Sanierung und Instandhaltung der Gebäude einfach nicht gestemmt.

Wie umfassend das Ausmaß der Mängel ist, zeigt eine Studie der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Demnach müssten 34 Milliarden Euro in die Modernisierung von rund 53.000 Schulen gesteckt werden. Doch von diesem Pensum ist Deutschland weit entfernt. Im Vergleich mit anderen Ländern, die der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) angehören, steckt die Bundesrepublik unterdurchschnittlich viel Geld in seine Schulgebäude, heißt es in der Studie.

Gerade schwächelnde Länder sparen

Im vergangenen Jahr gaben Städte, Gemeinden und Landkreise rund 2,9 Milliarden Euro für ihre allgemeinbildenden und beruflichen Schulen aus. Immerhin, im Vergleich zu 2014, ein Plus von 115 Millionen Euro. Dehnt man den Vergleichszeitraum jedoch aus, wird deutlich, dass die Investitionen deutlich zurückgegangen sind: 1995 flossen noch 45 Prozent der kommunalen Gesamtausgaben in die Schulen - heute machen die Investitionen gerade einmal 25 Prozent aus.

"Der Investitionsrückstand zeigt, wie weit wir von einer idealen Schulinfrastruktur entfernt sind", sagt KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. Und gerade die Bundesländer mit einem höheren Anteil an förderbedürftigen Schülern setzen bei den Investitionen den Rotstift an. Aus Sicht von Zeuner genau der falsche Weg, denn gerade Länder, die wirtschaftlich und sozial aufholen müssten, schwächen mit dem Sparkurs bei den Bildungseinrichtungen die Chancen, mit anderen besser abschneidenden Bundesländern gleichzuziehen.

Und was man bei den ganzen Zahlen nicht aus dem Blick verlieren darf, sind die Schüler. Das Lernen in einem sanierungsbedürftigen Klassenzimmer kann laut Zeuner etwa durch schlechte Licht- oder Akustikverhältnisse deutlich schwerer fallen.

Kooperationsverbot verhindert Zuschuss vom Bund

Doch was tun, um das Finanzloch zu stopfen? Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Hubertus Heil fordert dafür klar, das Kooperationsverbot zu kippen. Bildung ist bislang Sache der Bundesländer und damit auch der Bau und die Instandhaltung von Schulen. Doch die Länder und Kommunen könnten diese Aufgabe allein nicht stemmen, betont Heil. Stattdessen müsste die Modernisierung von Schulen durch eine gemeinsame Bildungsallianz von Bund, Ländern und Kommunen ermöglicht werden.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 24. September 2016 um 07:04 Uhr.

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