Handys an Schulen | Bildquelle: dpa

Schüler unter 14 Jahren Lehrerverband will Handyverbot

Stand: 07.09.2018 16:29 Uhr

Piepen, Klingeln, Vibrieren im Klassenzimmer - das soll künftig der Vergangenheit angehören, wenn es nach dem Deutschen Lehrerverband geht. Der stellt sich gegen die Politik und fordert ein Handyverbot an Schulen.

Das Handy gehört heute zum Alltag und gerade bei Jüngeren ist es überall dabei - auch im Klassenzimmer. Das soll sich aus Sicht des Deutschen Lehrerverbandes aber ändern. Dessen Präsident, Heinz-Peter Meidinger, hat sich im Interview mit der "Passauer Neuen Presse" für ein Handyverbot ausgesprochen, zumindest für jüngere Schüler unter 14 Jahren.

"Die Erfahrung zeigt, dass Handys im Unterricht fast nie ausgeschaltet werden. Die meisten sind nur stummgeschaltet. Das mindert die Aufmerksamkeit. Konzentrierter Unterricht ist da nur eingeschränkt möglich", begründete Meidinger seine Forderung. Ausnahmen sollten aber möglich sein, wenn das Handy etwa für den Unterricht eingesetzt werde.

Handy als Mobbing-Instrument

Doch nicht nur mangelnde Konzentration führte Meidinger als Argument dafür an, die Handys aus den jüngeren Klassenstufen zu verbannen. Das Handy spiele heute auch beim Thema Mobbing eine wichtige Rolle, sei sogar zu einem der hauptsächlichen Instrumente dafür geworden. "Fast jedes körperlich-direkte Mobbing wird überdies heute begleitet von Mobbing im Internet und den sozialen Netzwerken", führt der Verbandspräsident aus. Damit seien dem Mobbing keine örtlichen oder zeitlichen Grenzen mehr gesetzt, es könne jederzeit betrieben werden und bei den Opfern schwere Schäden anrichten - bis hin zum Suizid.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger hebt im Gespräch mit Journalisten die Hand in die Höhe. | Bildquelle: dpa
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Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger befürwortet ein weitgehendes Handyverbot an Schulen.

Daher sollten die Kultusminister der einzelnen Bundesländer klare Regeln für den Umgang mit dem Handy schaffen. Die Idee, das Handy an der Schule teils zu verbieten, war bei den Bildungsministern jedoch auf Widerspruch gestoßen. Und auch die Staatsministerin für Digitalisierung Dorothee Bär hält nicht viel von der Forderung. Statt "realitätsferne Verbote" zu verfolgen, sollten die Kinder gelehrt werden, richtig mit dem Handy umzugehen, sagte Bär der "Rhein-Necker-Zeitung". Handys gehörten zur Digitalisierung dazu und die sei "eine Chance, welche wir nicht nur nutzen sollten, sondern müssen".

Bayern will strenges Verbot lockern

Im Juli hatte das französische Parlament ein Handyverbot für Vorschulen, Grundschulen und weiterführenden Schulen beschlossen. Es betrifft Kinder und Schüler im Alter von drei bis 15 Jahren. Französische Gymnasien haben die Möglichkeit, ebenfalls ein Handyverbot einzuführen, sind aber nicht dazu verpflichtet. Damit hat Frankreich ein bestehendes Gesetz verschärft: Das Handy im Unterricht ist bereits seit 2010 tabu.

Doch Bayern war mit dem Konzept, kein Handy in den Schulen zu erlauben, schon wesentlich früher dran: Seit 2006 galt ein Verbot an allen bayerischen Schulen und zwar nicht nur im Klassenzimmer, sondern auf dem gesamten Schulgelände und für Schüler jeder Altersstufe. Doch künftig sollen die strikten Regeln gelockert werden. Schulen sollen selbst entscheiden können, welche Grenzen sie der Handynutzung setzen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 07. September 2018 um 16:03 Uhr.

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