Schülerdemo ''Fridays for Future'' in Berlin | Bildquelle: dpa

Schüler demonstrieren Fürs Klima vor das Kanzleramt

Stand: 25.01.2019 18:12 Uhr

Tausende Schüler lassen freitags ihren Unterricht ausfallen, um für den Klimaschutz zu werben. Auch heute wieder in Berlin.

Von Jan Koch & Male Stüssel, WDR

"Wir sind hier, wir sind laut, weil Ihr uns die Zukunft klaut." Laut sind sie, die mehreren tausend Schülerinnen und Schüler, die durch das Berliner Regierungsviertel ziehen. Vorne weg Luisa Neubauer - quasi die deutsche Greta Thunberg. Wenn es nach den beiden geht, dann würde die Politik radikal den Klimawandel stoppen.

Schüler stehen vor einem Reisebus in Berlin | Bildquelle: Jan Koch
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Etwa 80 Jugendliche fuhren im Bus nach Berlin. Dort demonstrierten sie ...

Luisa Neubauer | Bildquelle: Jan Koch
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... für den Klimaschutz - zusammen mit Luisa Neubauer.

"Unsere Jugend bekommt zu wenig Beachtung"

So haben sie es auch heute gefordert und waren nicht allein. Mit Bussen sind Schülerinnen und Schüler aus ganz Deutschland gekommen. Gestern Abend, 23 Uhr, trifft sich eine entschlossene Truppe in Köln. Sie haben einen Bus gechartert, auf eigene Kosten. 80 Jugendliche aus ganz Nordrhein-Westfalen haben sich angemeldet.

Auch Iven. Der 16 Jahre alte Schüler hat beschlossen, politisch aktiver zu werden, da ist der Klimastreik eine gute Gelegenheit. Dass er dafür die ganze Nacht durchfährt, damit hat er kein Problem: "Ich fahre mit dem Bus den weiten Weg von Köln nach Berlin, weil ich glaube, dass unsere Jugend zu wenig Beachtung bekommt und wir uns durch einen Schulstreik behaupten können."

Er ist damit nicht allein. Auch Yemina sitzt im Bus. Sie ist mit drei Freunden gekommen. Gemeinsam nehmen sie auf der Rückbank Platz. Mit Kissen und Decken wollen sie die Nacht überstehen, um heute lautstark bei der Demo mitlaufen zu können. Yeminas Plan: Der Kohlekommission, die im Bundeswirtschaftsministerium tagt, zeigen, dass sie viele sind: "Ich finde es wichtig, dass wir jungen Leute unsere Meinung zeigen. Wir müssen zeigen, wer wir sind und dass es uns nicht egal ist, wie unsere Zukunft aussieht!"

Schülerdemo ''Fridays for Future'' in Berlin | Bildquelle: ADAM BERRY/EPA-EFE/REX
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''Fridays for Future''. Das mobilisiert viele Schüler in ganz Deutschland.

Schwänzen fürs Klima

Dass sie dafür den Unterricht schwänzen, kümmert sie nicht. Yemina hat aber auch Glück. Ihre Mutter bestärkt sie, ist sich sicher, dass ihre Tochter das Richtige tue, erzählt die Schülerin aus Bonn. Währenddessen wird der Bus immer voller. Düsseldorf, Essen, Dortmund und Hagen. Überall steigen immer wieder neue Streikwillige zu. Letztendlich bahnt sich der Bus seinen Weg bis nach Berlin.

Kalt ist es dort. Es hat geschneit. Müde, nur ein wenig erholt, steigen die Jugendlichen aus. "Ich habe vier Stunden geschlafen," erzählt Yemina. "Aber ich bin entschlossen, dass das heute ein Erfolg wird." Ein letztes Erinnerungsfoto mit allen 80 Mitstreitern. Dann nimmt jeder sein Plakat in die Hand. Bunt sind sie und mit klaren Botschaften: "Wir haben nur eine Welt, es gibt keinen Planeten B."

Peter Altmaier bei der Schülerdemo ''Fridays for Future'' | Bildquelle: AFP
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Wirtschaftsminister Peter Altmaier mischte sich unter die demonstrierenden Schüler.

Schüler sprechen mit der Kohlekommission

Als sie nach kurzer Zeit am Bundeswirtschaftsministerium ankommen, ist es schon halb elf. Der Platz füllt sich. Einige hundert sind schon da. Viele schwören sich ein, rufen immer wieder: "Hopp, hopp, hopp! Kohleabbau stopp."

Auch Luisa, die deutsche Greta, ist schon da. Um 11:30 Uhr hat sie allerdings einen Termin. Sie darf bei der Kohlekommission vorsprechen. Nachher erzählt sie, dass sie überrascht war, dass es so viele waren bei der Kommission. "Auf der Bühne durften wir drei Minuten erklären. Wir haben Applaus bekommen beim Rein- und Rausgehen", sagt sie. Viele hätten gesagt, wie wichtig ihr Engagement sei, dass es um eine größere Bewegung gehe.

"Es ist ja für den höheren Zweck"

Und dass sie eigentlich schwänzen? "Es ist ja für den höheren Zweck." Der Deutsche Lehrerverband ist da zwiegespalten. Einerseits gibt es Lob für das Engagement, andererseits auch Kritik am Fehlen in der Schule. "Das Ziel unterstütze ich", sagt der Lehrerverband-Vorsitzende Hans-Peter Meidinger." Dass durch die Terminierung am Freitagvormittag das Thema Schulpflicht und Ordnungsmaßnahmen tangiert ist, sichert den Organisatoren zwar großes mediales Interesse, lenkt aber auch vom eigentlichen inhaltlichen Kernthema zusehends ab." Außerdem eröffne man damit Nebenkriegsschauplätze und hindere Kinder an der Teilnahme, wenn diese ihren Unterricht nicht versäumen wollen.

Letztendlich zieht die Gruppe vor das Bundeskanzleramt. "Ob Angela Merkel uns wohl hört?", fragen sich viele. Luisa ist entschlossen, als sie auf die Bühne tritt: "Unsere Aktion ist so effektiv. Sie wird gehört." Auch in den nächsten Wochen wollen sie wieder laut sein und sich für ihre Zukunft einsetzen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. Januar 2019 um 17:00 Uhr.

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