Schalkes Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies | Bildquelle: dpa

Entscheidung des Ehrenrats Tönnies lässt Amt vorübergehend ruhen

Stand: 07.08.2019 11:54 Uhr

Für drei Monate lässt der Schalker Aufsichtsratschef Tönnies sein Amt ruhen, nachdem Äußerungen von ihm als rassistisch kritisiert worden waren. Merkels Afrika-Beauftragter hält diese jedoch grundsätzlich für "diskussionswürdig".

Nach seinen umstrittenen Äußerungen lässt der Aufsichtsratschef von Schalke 04, Clemens Tönnies, sein Amt für drei Monate ruhen. Das ist das Ergebnis einer mehrstündigen Sitzung des Ehrenrates des Fußball-Bundesligisten.

Der erhobene Vorwurf des Rassismus sei unbegründet, heißt es auf der Homepage des Clubs. Vorzuwerfen sei dem 63-Jährigen allerdings, "gegen das in der Vereinssatzung und im Leitbild verankerte Diskriminierungsverbot verstoßen zu haben". Dies habe er eingeräumt und "ein weiteres Mal sein Bedauern zum Ausdruck gebracht", teilte der Verein aus Gelsenkirchen weiter mit. Nach Ablauf der drei Monate wolle Tönnies seine Tätigkeit im Schalke-Aufsichtsrat wieder aufnehmen.

Schalke-Chef Tönnies lässt Amt ruhen
tagesschau 12:00 Uhr, 07.08.2019, Jan Koch, WDR

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"Solche Entgleisungen sind ein Tabubruch ohne Skrupel"

Kritik an der Entscheidung des Schalker Ehrenrats kam von der Vorsitzenden des Sportausschusses im Bundestag, Dagmar Freitag: "Wenn ich einen ganzen Kontinent und seine Bevölkerung letztlich in eine Ecke stelle, dann erfüllt das für mich schon eher den Tatbestand des Rassismus als 'nur' den der Diskriminierung", so Freitag bei NDR Info.

Tönnies hatte kürzlich beim "Tag des Handwerks" in Paderborn Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel kritisiert. Stattdessen solle man lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren. "Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren", hatte Tönnies gesagt.

Freitag warnte vor den Folgen derartiger Aussagen. "Solche Entgleisungen sind ein Tabubruch ohne Skrupel". Ihre Wirkung in die Gesellschaft, die sie haben, sei insbesondere in diesen Zeiten "verheerend", sagte sie. Der Deutsche Fußball-Bund müsse eine "klarere Haltung" zu der Thematik finden.

Die DFB-Ethikkommission wird sich mit den Aussagen von Tönnies am 15. August beschäftigen. Der Fall stehe weiterhin auf der Agenda für die kommende Sitzung, bestätigte der Vorsitzende des Gremiums, Nikolaus Schneider, der Nachrichtenagentur dpa.

"Eindeutig rassistischer Ressentiments bedient"

Auch der kommissarische Leiter der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Bernhard Franke, kritisierte Tönnies Äußerungen. In seiner Rede habe er "eindeutig rassistischer Ressentiments bedient und sich herabsetzend über afrikanische Menschen geäußert", sagte Franke dem "Tagesspiegel".

Das sei "sowohl rassistisch als auch diskriminierend für die Betroffenen - und hätte deshalb klar angesprochen und deutlich zurückgewiesen werden müssen. Nur von Diskriminierung zu sprechen, unterschlägt gerade den rassistisch diskriminierenden Gehalt der Äußerung und trägt eher zu deren Verharmlosung bei."

Afrikabeauftragter fordert ehrliche Debatte über Aussagen

Dagegen hält der Afrikabeauftragte der Bundeskanzlerin, Günter Nooke, Tönnies Äußerungen grundsätzlich für diskussionswürdig. So seien die angesprochenen Probleme wie das Verschwinden des Regenwalds und das Bevölkerungswachstum auf dem afrikanischen Kontinent real. "Darüber muss gesprochen und gegebenenfalls kontrovers diskutiert werden", sagte Nooke dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Doch leider würden "Sätze wie die von Herrn Tönnies jede konstruktive Diskussion" erschweren, so der Afrikabeauftragte. "Wir müssen uns alle um eine angemessene Sprache bemühen. Jeder sollte sich mit Respekt behandelt fühlen."

Nooke war in der Vergangenheit selbst für Äußerungen zu Afrika kritisiert worden. Vergangenes Jahr etwa warfen ihm die Grünen wegen einer Wortmeldung zur Kolonialzeit Rassismus vor. Nooke hatte damals zu den Folgen der Kolonialzeit in Afrika gesagt: "Es gibt schon Nachwirkungen. Schlimm waren die Sklaventransporte nach Nordamerika. Auf der anderen Seite hat die Kolonialzeit dazu beigetragen, den Kontinent aus archaischen Strukturen zu lösen. Experten, auch Afrikaner, sagen: Der Kalte Krieg hat Afrika mehr geschadet als die Kolonialzeit."

Forderungen nach Rücktritt werden lauter
Jan Wochner, WDR
07.08.2019 06:18 Uhr

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