Abgeordnete sitzen im Landtag in Sachsen im Plenum. | Bildquelle: dpa

Landtagswahl in Sachsen CDU kämpft gegen die "blaue Wende"

Stand: 05.08.2019 13:16 Uhr

In knapp vier Wochen wird in Sachsen ein neuer Landtag gewählt. Die CDU muss fürchten, der AfD den ersten Platz in der Wählergunst abtreten zu müssen. Im Wahlkampf im Dresden verraten die Christdemokraten, wie sie das verhindern wollen.

Von Daniela Kahls, MDR

In einem Vorort von Dresden brutzeln die Bratwürste auf dem Grill, der Bierzapfhahn läuft auf Hochtouren. Der Direktkandidat der CDU in diesem Wahlkreis hat zum Grillfest eingeladen.  Auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer, Spitzenkandidat der CDU, ist angekündigt.

Grund genug für diesen Langebrücker die Wahlveranstaltung zu besuchen:

"Die CDU muss schon ganz schön unter Druck sein, wenn sie so etwas veranstaltet. Also so was gab es hier noch nie, ich lebe schon lange hier, da wollte ich einfach mal schauen."

CDU unter Druck

Entspannt stehen rund 200 Menschen bei Gratis-Bratwurst und Freibier an kleinen Stehtischen. Die Politiker auf Wahlkampftour können ihre Botschaften vor einem eher wohlwollenden Publikum verkünden. Doch der Druck, unter dem Kretschmer und seine CDU stehen, ist zwischen den Worten zu spüren.

Der Ministerpräsident spricht beispielsweise von einer Richtungswahl für Sachsen:

"Diese Landtagswahl ist eine Sachsenwahl. Es geht nicht um Berlin, es geht nicht um Brüssel und es kann eigentlich auch nicht um Protest gehen. Weil Protestwähler wählen Protestparteien und Protestparteien kommen in keine Regierung. Es sind letzten Endes verlorene Stimmen."

Auch wenn Kretschmer es nicht ausdrücklich sagt, ist klar, dass er mit Protestpartei die AfD meint. Bei der Bundestagswahl lag sie in Sachsen vor der CDU, in Umfragen liegen beide Parteien bei ungefähr 25 Prozent, also mehr oder weniger gleichauf.

Unterschiedliche Wirklichkeiten

In der AfD sieht man sich deshalb bereits als Mehrheitspartei. Die Mitglieder reden davon, dass die CDU sich der AfD unterordnen müsse. Wieder und wieder wird von der "blauen Wende" gesprochen, die die Landtagswahl Deutschland bescheren werde.

Der AfD-Landtagsabgeordnete Rolf Weigand aus dem Erzgebirge formuliert es so:

"Lasst uns im September ein blaues Wunder schaffen. Lasst uns alle ein großer Teil der größten Rettungsaktion von Sachsen und unseres Vaterlands werden. Es wird unsere Zeit als AfD. Glück auf."

In Sachsen stehen sich unterschiedliche Wirklichkeiten gegenüber. Das wird immer deutlicher. Die sächsische CDU versucht, dem mit Bürgerdialog, dem Versprechen von mehr innerer Sicherheit und dem Eingestehen von Fehlern zu begegnen.

Kretschmer sammelt mit seinem Kurs durchaus Sympathiepunkte - zum Beispiel bei diesem Wähler:

"Wenn ich Herrn Kretschmer sehe, sehe ich jemanden, der mir sehr sympathisch ist. Bodenständig. Er ist das, was man sich von einem Politiker wünschen kann."

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer steigt aus seinem Dienstwagen aus. | Bildquelle: dpa
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Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer, Spitzenkandidat der CDU, wirbt vor der Landtagswahl unter anderem in Dresden für sich und seine Partei.

Trotzdem: Auch beim CDU-Grillfest glaubt man nicht, dass Sympathie alleine reichen wird. Man müsse das große Ganze sehen - die Politik in Berlin habe immer auch Auswirkungen auf die Landtagsparteien, bekräftigt der Festbesucher.

Zudem wird sich die Regierungsbildung nach der Wahl schwierig gestalten. Denn die CDU hat eine Koalition mit AfD und Linken ausgeschlossen. Laut Umfragen käme dann nur noch eine Vierer-Koalition von CDU, FDP, SPD und Grünen in Betracht. Oder es werden ganz neue Wege gegangen, wie eine Minderheitenregierung. Dies sind allesamt ungewohnte Vorstellungen.

Keine Frage: Der Sommer 2019 ist in Sachsen politisch. Und er ist noch lange nicht zu Ende.

Schicksalswahl in Sachsen - Stimmung vier Wochen davor
Daniela Kahls, MDR
05.08.2019 11:57 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. August 2019 um 11:05 Uhr.

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