Ditzingen: Eine Krankenschwester des Gesundheitszentrum des Laserspezialisten Trumpf führt in dem Gesundheitszentrum einen Corona-Schnelltest durch. | dpa

Infektionsgeschehen Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf 119

Stand: 26.03.2021 07:39 Uhr

Das RKI hat 21.573 neue Corona-Infektionen registriert. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg auf 119,1. Sorgen mit Blick auf mögliche Spätfolgen bereiten Experten die steigenden Infektionszahlen bei Kindern und Jugendlichen.

Die Sieben-Tage-Inzidenz auf 100.000 Einwohner steigt in Deutschland weiter: Am Freitag lag der Wert bei 119,1 - einen Tag zuvor noch bei 113,3. Nachdem sie im Februar zwischenzeitlich auf unter 60 gefallen war, hatte die Sieben-Tage-Inzidenz am vergangenen Wochenende die Marke von 100 überschritten.

Die Gesundheitsätmer übermittelten dem Robert Koch-Institut 21.573 neu registrierte Fälle in den vergangenen 24 Stunden. Das sind knapp 1100 Fälle weniger als am Vortag, aber rund 4000 mehr als am Freitag vergangener Woche. Das RKI meldete außerdem 183 weitere Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung. Die Gesamtzahl der verzeichneten Corona-Fälle in Deutschland seit Beginn der Pandemie erhöhte sich den Angaben zufolge auf 2.734.753. Insgesamt 75.623 Infizierte starben.

Angesichts der steigenden Infektionszahlen hatten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Regierungschefs der Länder bei ihrem Corona-Gipfel in der Nacht zu Dienstag auf die Verlängerung der geltenden Lockdown-Regeln bis zum 18. April geeinigt. Damit gilt auch weiterhin die Anfang März beschlossene Notbremse, die bei einem Inzidenzwert von über 100 greifen soll. 

Long Covid bei Kindern und Jugendlichen

Mit dem Anstieg der Infektionszahlen bei Kindern und Jugendlichen erwarten Experten auch eine Zunahme der möglichen Spätfolgen. "Wir rechnen durch die Lockerungen der Maßnahmen mit mehr Betroffenen mit meist diffusen, länger anhaltenden gesundheitlichen Problemen", sagte Markus Hufnagel vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsklinik Freiburg der Nachrichtenagentur dpa. "Darauf ist die Pädiatrie im Vergleich zur Versorgungssituation bei Erwachsenen nach überstandener Infektion noch nicht vorbereitet."

Akute Corona-Infektionen laufen bei Kindern oft symptomlos ab, schwere Krankheitsverläufe sind auch noch bei Jugendlichen eher selten. Von Spätfolgen wird dennoch auch bei Minderjährigen berichtet: Diese setzten manchmal auch erst Monate nach der Corona-Infektion ein oder verschlechterten sich, schildert Hufnagel. Für Ärzte gelte es in solchen Fällen zum Beispiel, das Vorliegen anderer Infektionen durch Tests auszuschließen. Um den Betroffenen ambulante Angebote machen zu können, gebe es Überlegungen zum Aufbau von Spezialambulanzen für Kinder und Jugendliche.

In der Fachsprache ist bei dem Phänomen von Long Covid (Langes Covid-19) oder Post Covid (Nach Covid-19) die Rede. Mit den Lockerungen der Corona-Maßnahmen mit Schul- und Kita-Öffnungen rücken mögliche Spätfolgen der Infektion in diesen Gruppen in den Fokus.

Variables Krankheitsbild

"Das Krankheitsbild ist sehr variabel", erläutert Hufnagel und zählt mögliche Folgen auf, die auch in Kombination auftreten könnten: Darunter sind chronische Erschöpfung, generelle Leistungsminderung und Gelenk- und Muskelschmerzen. Aber auch Hautveränderungen, ähnlich Frostbeulen an den Zehen. Anhaltender Geruchs- und Geschmacksverlust spiele hingegen im Vergleich zu Erwachsenen bei Kindern und Jugendlichen eine untergeordnete Rolle. "Generell sind die Symptome nicht Sars-CoV-2-spezifisch. Das heißt, wir kennen solche anhaltenden gesundheitlichen Einschränkungen auch von anderen Virusinfektionen wie dem Pfeifferschem Drüsenfieber", betonte Hufnagel.

Das Problem dürfe nicht unterschätzt werden: Je höher die Fallzahlen insgesamt sind, desto größer werden auch die Zahlen der Lange-Leidenden. "Das Problem wird derzeit eher größer als kleiner, wir sehen schon jetzt deutlich mehr Post-Covid-Fälle", sagte Hufnagel. "Das sind eher Patienten im Jugendalter; Fälle in den ersten zehn Lebensjahren sind deutlich seltener." In der Regel hätten Eltern den Verdacht auf einen Zusammenhang mit einer Corona-Infektion, teils gebe es auch schon einen Antikörpernachweis.

Daten aus Deutschland zu dem Thema gebe es bislang nicht, sagte Hufnagel, der mit Kollegen der Dresdner Universitätskinderklinik ein Register zu Krankheitsverläufen aller stationär behandelten Kinder und Jugendlichen mit Sars-CoV-2-Infektion der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie etabliert hat. Eine Studie, bei der Haushalte mit Corona-Fällen über längere Zeit begleitet wurden, habe gezeigt, dass fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 14 Jahren drei Monate nach der Infektion noch mindestens ein Symptom aufwiesen. Bei Erwachsenen betreffe es hingegen bis zu jeden Dritten, schilderte Hufnagel.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. März 2021 um 08:00 Uhr in den Nachrichten.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

avatar
Weltraumhausmeister 26.03.2021 • 11:04 Uhr

Beinahe zum Lachen, wenn es nicht so traurig wäre

Was wurde ich kritisiert, als ich es für unverantwortlich bezeichnete letztes Jahr, um jeden Preis die Schulen auf zu lassen. Kinder wären ja keine Infektionstreiber usw. Und jetzt? Haben sogar Eltern Angst bekommen und plötzlich machen sich sogar Experten Sorgen um Long Covid usw bei Kindern. "Nein! Doch! Ohhh!". Als wäre das nicht absehbar gewesen. Ich wünschte allerdings, ich hätte mich damals geirrt. Es wird an Details rum gedoktort, Fingerzeig auf die EU (dabei kam der Auftrag für Impfbeschaffung durch die Mitgliedsländer!), Hausärzte sollen impfen (haha womit denn? Noch so ne Lüge, es geht denen ums Geld). Statt das große Ganze im Blick zu behalten: Staat sollte sich um Impfstoffbeschaffung kümmern und wir um Einhaltung der Regeln. Man steckt sich ja nicht in Isolation oder mit Maske und Abstand draußen an. Kriege aber immer mehr mit, wie Leute es damit nicht mehr genau nehmen. Unsereins darf sich deswegen noch laaange weiter isolieren. Nicht die Politik versagt da, sondern wir