Lothar Wieler und Karl Lauterbach | AP

Lauterbach und Wieler "Omikron-Welle gut unter Kontrolle"

Stand: 28.01.2022 10:57 Uhr

Täglich steigende Infektionszahlen und viele Unklarheiten, was das tatsächliche Pandemie-Geschehen angeht: Gesundheitsminister Lauterbach und RKI-Chef Wieler haben sich trotzdem vorsichtig zuversichtlich geäußert.

Die Bundesregierung hat die Omikron-Welle nach den Worten von Gesundheitsminister Karl Lauterbach bislang "gut unter Kontrolle". Das sagte der SPD-Politiker bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Präsidenten des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler.

Die pandemische Welle selbst lasse sich zwar nicht kontrollieren, wohl aber die Folgen: Ziel sei es, "mit so wenigen schweren Verläufen und Todesfällen wie möglich" durch die Welle zu kommen. Er rechne damit, dass die Zahl der Neuinfektionen auf bis zu 400.000 steigen könnte, sagt Lauterbach.

"Das ist keine Kleinigkeit"

Es gehe jetzt vor allem darum, die älteren Ungeimpften so zu schützen, dass Erkrankte nicht auf der Intensivstation landeten. Deutschland habe eine vergleichsweise hohe Zahl an ungeimpften Älteren, vier Mal so viele wie England und drei Mal so viele wie Italien, sagte Lauterbach. "Das ist keine Kleinigkeit", betonte der Minister, auch wenn eine Infektion mit der Omikron-Variante oft leichter verlaufe.

Es müsse damit gerechnet werden, dass viele ungeimpfte ältere Menschen wegen Covid-19 auf die Intensivstation müssten und auch sterben könnten.

Neue Testverordnung in Abstimmung

Ein "schwerer Rückfall" im Herbst solle durch die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht abgewendet werden, erklärte Lauterbach. Die Impflücke bei den Älteren schließe sich nicht von alleine. 

Außerdem will Lauterbach in der kommenden Woche eine neue Testverordnung vorstellen. Die sei gerade in der Abstimmung mit den Ländern.

Die PCR-Tests würden danach vorrangig für zwei Gruppen reserviert, sagt der SPD-Politiker. Dies sei zum einen das Pflegepersonal, zum anderen Risikopatienten wie alte Menschen. Hier sei eine frühe Diagnose wichtig, um neue Medikamente anzuwenden, die frühzeitig eingesetzt werden müssten.

Wieler: Sehr schwere Fälle relativ gering

Das RKI will in der Omikron-Welle in erster Linie auf die Krankheitslast des Virus achten. Zwar steige die Zahl der Infektionen, die sehr schweren Fälle seien aber relativ gering, sagte RKI-Chef Lothar Wieler. "Wir gewinnen mit jedem Tag Zeit", sagt er mit Blick auf zusätzliche Impfungen.

Allerdings steige die Zahl der Krankenhauseinweisungen. Man steuere nun auf den Höhepunkt der Welle zu. Jetzt müsse noch stärker der Schutz der Risikogruppen in den Mittelpunkt rücken.

Die Eindämmung könne sich nur noch auf wichtigste Bereiche konzentrieren. "Wir müssen mit Blick auf hohe Fallzahlen den Schutz auf vulnerable Gruppen richten." Wer geimpft sei, sei in der Regel auch vor schweren Verläufen mit Omikron geschützt, so Wieler.

"Omikron-Effekt" auf Intensivstationen

Der Leiter des DIVI-Intensivregisters, Christian Karagiannidis, bezeichnete die Lage auf den Intensivstationen in Deutschland als "akzeptabel". Derzeit seien bundesweit etwas mehr als 2000 Menschen betroffen, sagte das Mitglied des Expertenrats der Bundesregierung in Berlin. Es sei zu beobachten, dass die Zahl der Delta-Patienten abnehme.

Der "Omikron-Effekt" komme allerdings mittlerweile auf den Intensivstationen an. Seit sieben bis zehn Tagen gehe die Zahl der Neuaufnahmen in den Krankenhäusern wieder leicht nach oben. Dies sei klar auf die Omikron-Variante zurückzuführen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 28. Januar 2022 um 10:00 Uhr.