Lothar Wieler | REUTERS

Pressekonferenz von RKI und Spahn Mahnung trotz "leicht positivem Trend"

Stand: 22.01.2021 11:08 Uhr

Positive Zahlen - aber überhaupt kein Grund für Entwarnung: Das war die Kernbotschaft auf der Pressekonferenz von RKI-Chef Wieler und Gesundheitsminister Spahn. Über die Mutationen gibt es noch wenige Erkenntnisse.

Der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, sieht in Deutschland einen "leicht positiven Trend" bei der Entwicklung der Corona-Pandemie. Derzeit sänken die Zahlen der Neuinfektionen in den meisten Bundesländern, sagte er auf einem gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Dies seien Erfolge des Lockdowns.

Nach wie vor seien die Fallzahlen aber zu hoch, mahnte Wieler: "Wir dürfen jetzt nicht nachlassen." Zu einem "halbwegs normalen Alltag" könne das Land nur zurückkehren, wenn die Fallzahlen massiv und auf Dauer kleiner würden.

Wieler nannte die hohen Todeszahlen "eine bedrückende, für mich schier unfassbare Zahl". Bislang sind laut RKI 50.642 gemeldet Corona-Infizierte gestorben. Nach Angaben Wielers gab es in Deutschland 900 Corona-Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen.

"Es gibt Hoffnung"

Auch Spahn mahnte: "Die Zahlen entwickeln sich in die richtige Richtung, aber sie sind noch auf einem zu hohen Niveau." Er verwies darauf, dass die Lage in anderen Ländern, wo zu früh gelockert worden sei, "ganz schnell wieder entflammt". Spahn verteidigte die Verlängerung und Verschärfung des Lockdowns bis Mitte Februar und forderte eine konsequente Einhaltung der Regeln: "Es ist noch nicht vorbei." Auch wenn die Infektionszahlen sinken, müsse es noch Einschränkungen geben. Die Verbreitung der Mutationen müsse minimiert werden.

Das Gesundheitssystem stehe noch immer unter Druck, sagte Spahn. Knapp 5000 Covid-19 Patienten seien unter Anspannung machbar, aber dies könne kein Dauerzustand sein.

Warnung vor Mutation

Der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, Gernot Marx, warnte, sollte sich die mutierte britische Virusform weiter ausbreiten, führe dies zu einer "extremen Belastung der Intensivmedizin". Weihnachten und Silvester hätten die Lage allerdings nicht verschärft. Dies sei dem Verhalten der Bevölkerung zu verdanken. 

Spahn betonte: "Es gibt Hoffnung." Er bezog sich dabei auf die Impfkampagne, mit der man sich auf dem Weg aus der Pandemie bewege. 60 Prozent der Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohner habe eine erste Impfung erhalten, die ersten hätten eine Zweitimpfung erhalten. Auch ein großer Teil des Personals sei geimpft. Man dürfe annehmen, dass die Impfteams bis Mitte Februar in allen Pflegeheimen ein Impfangebot machen könnten.

Kaum Informationen über britische Mutation

Über die zuerst in England entdeckte Mutante des Coronavirus gibt es nach Aussage des Direktors des Instituts für Virologie der Charité Berlin, Christian Drosten, in Deutschland nach wie vor keine gesicherte Datenlage. "Ob es jetzt zunimmt, das ist schwer zu sagen", sagt er. Klar sei allerdings, dass die Mutante über die Weihnachtstage nach Deutschland eingeschleppt worden sei, nicht nur aus Großbritannien. Hierzulande sei sie aber trotz einzelner Ausbrüche noch nicht flächendeckend verbreitet. Nach neuesten Studien sei die Mutante wohl 22 bis 35 Prozent ansteckender.

Das Robert Koch-Institut meldet heute 17.862 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages. Vor genau einer Woche waren es 22.368. Der Höchststand von 33.777 registrierten Neuinfektionen binnen 24 Stunden war am 18. Dezember gemeldet worden - darin waren jedoch 3500 Nachmeldungen enthalten.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 22. Januar 2021 um 11:00 Uhr.