Lothar Wieler | SEAN GALLUP/POOL/EPA-EFE/Shutter

RKI-Chef Wieler "Verreisen Sie nicht!"

Stand: 22.12.2020 11:05 Uhr

Die Corona-Lage verschlechtert sich nach den Worten von RKI-Chef Wieler weiter. Eindringlich ruft er daher dazu auf, die Kontakte auch über Weihnachten auf das "absolute Minimum" zu reduzieren - und nicht zu verreisen.

Kurz vor den Feiertagen hat der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, an die Bevölkerung appelliert, auch über Weihnachten alles dafür zu tun, dass die Zahl der Neuinfektionen sinkt: "Ich bitte Sie eindringlich darum, die Tage zwischen den Jahren in Ruhe und wirklich nur im kleinsten Familienkreis zu verbringen. Bitte schränken Sie Ihre Kontakte auf das Nötigste ein. Verreisen Sie nicht!", sagte er auf einer Pressekonferenz.

Die Bürgerinnen und Bürger sollten nur so wenige Menschen wie nötig treffen, "und wenn dann nur immer dieselben Menschen. Und treffen Sie sich möglichst draußen."

RKI-Chef verweist auf Ausbrüche in Pflegeheimen

"Zur Zeit verschlechtert sich die Situation weiter", sagte Wieler. Es werde vermutlich noch mehrere Wochen dauern, bis die Fallzahlen zurückgehen. Es stünden schwere Wochen bevor. "Wir sollten sie nicht noch schwerer machen." Er verwies darauf, dass es nach wie vor viele Ausbrüche in Pflegeheimen gebe. "Die Pflegekräfte sind am Limit", sagte Wieler weiter.

Wenn die Zeit des Lockdowns optimal genutzt werde, könne die Zahl der Neuinfektionen schneller gesenkt werden. Die öffentlichen Einschränkungen wirkten dann am besten, wenn die eigenen Kontakte auf das "absolute Minimum" reduziert würden.

Mutiertes Virus zirkuliert wohl auch hierzulande

Das RKI geht davon aus, dass sich die in Großbritannien entdeckte Virus-Variante auch in Deutschland ausbreitet. Zwar sei es nach aktuellem Stand noch nicht nachgewiesen, sagte Wieler. Aber: "Die Wahrscheinlichkeit schätze ich als sehr, sehr hoch ein." Es sei unklar, ob solche mutierte Viren neben anderen Faktoren dazu beitrügen, dass die Infektionszahlen gestiegen seien.

Erfreut zeigte sich Wieler über die erste Zulassung eines Impfstoffes in der EU. Er gab aber zu bedenken, dass die Impfungen, die nach Weihnachten beginnen, in den nächsten Monaten nicht zu einer Änderung der Abstands- und Hygieneregeln führen dürften. Es werde dauern, bis ausreichend Menschen geimpft seien.

Sieben-Tage-Inzidenz auf Höchstwert

Die Gesundheitsämter meldeten 19.528 neue Fälle und 731 Todesfälle binnen eines Tages, wie das RKI am Morgen bekannt gab. Am Dienstag der Vorwoche waren 14.432 Neuinfektionen und 500 Todesfälle gemeldet worden - allerdings fehlten damals Daten aus Sachsen, die später nachgemeldet wurden.

Die Zahl der binnen sieben Tagen an die Gesundheitsämter gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) liegt laut RKI derzeit bei 197,6. Das ist der höchste Stand seit Beginn der Pandemie.

Den mit Abstand höchsten Wert erreicht Sachsen: Dort liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei 426,8, also mehr als doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt. Es folgen Thüringen mit einem Wert von 299,4 und Bayern mit 215,9. Der niedrigste Wert wird in Schleswig-Holstein mit 93,6 verzeichnet.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. Dezember 2020 um 12:00 Uhr.