Eine biologisch-technische Assistentin im Niedersächsischen Landesgesundheitsamt bereitet PCR-Tests auf das Corona-Virus von Patienten für die Analyse vor. | dpa

Corona-Pandemie Mehr als 55.000 Neuinfektionen

Stand: 08.01.2022 09:23 Uhr

Die Gesundheitsämter haben 55.889 Corona-Neuinfektionen verzeichnet. Die Inzidenz liegt nun bei 335,9 und ist damit wieder so hoch wie vor Weihnachten. Gesundheitsminister Lauterbach kündigte eine neue Impf-Infrastruktur an.

Die Zahl der Neuinfektionen steigt weiter stark an. Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete 55.889 von den Gesundheitsämtern neu erfasste Fälle, vor einer Woche waren es 26.392. Die Sieben-Tage Inzidenz gab das RKI mit 335,9 an. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 303,4 gelegen, vor einer Woche lag die bundesweite Inzidenz bei 220,3. Die Inzidenz liegt damit wieder so hoch wie zuletzt vor Weihnachten.

Es war bereits der vierte Tag in Folge mit mehr als 50.000 Neuinfektionen. Vor einer Woche waren es noch 26.392. Das RKI wies darauf hin, dass es weiter von einer Untererfassung der Neuinfektionen wegen weniger Tests und Meldungen im Zuge der Feiertage und der Ferien ausgeht.

Zahl der Todesfälle steigt auf 113.900

Die Gesundheitsämter registrierten laut dem RKI zudem 268 Todesfälle binnen 24 Stunden. Vor einer Woche waren es 184 Todesfälle. Die Zahl der Menschen, die im Zusammenhang mit einer nachgewiesenen Coronainfektion gestorben sind, stieg damit auf 113.900.

Insgesamt fielen in Deutschland bislang mehr als 7,47 Millionen Corona-Tests positiv aus. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 6.692.700 an. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das RKI am Freitag mit 3,15 (Donnerstag: 3,26) an.

Lauterbach will neue Impf-Infrastruktur

Die Bundesregierung will angesichts drohender weiterer Corona-Wellen die raschere Entwicklung von Impfstoffen ermöglichen. "Wenn wir eine Variante bekommen, die so ansteckend ist wie Omikron, aber deutlich tödlicher, müssten wir in allerkürzester Zeit in der Lage sein, einen neuen Impfstoff zu entwickeln und zu produzieren", sagte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach der "Welt am Sonntag". Darauf bereite sich die Bundesregierung "mit Hochdruck" vor. "Wir sind gerade dabei, eine Struktur dafür zu schaffen", sagte Lauterbach. "Wir brauchen eine stehende Infrastruktur."

Vernünftig wäre es, die Impf-Infrastruktur so zu gestalten, dass zu jedem Zeitpunkt möglichst umgehend die Bevölkerung geimpft werden kann, sagte der SPD-Politiker. "Deutschland ist derzeit in einer vulnerablen Phase. Es kann jederzeit zu einem weiteren schweren Ausbruch kommen", warnte er. "Wir dürfen nicht der naiven Annahme verfallen, es sei gleich vorbei. Es ist nicht vorbei."

Hoffnung auf Impfpflicht

Lauterbach sagte, er erwarte spürbare Effekte für den Kampf gegen die Pandemie durch die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht. "Man muss akzeptieren, dass man selbst mit der Pflicht niemals alle Menschen erreichen wird", sagte er. "Aber ich bin davon überzeugt, dass es eine große Gruppe von Ungeimpften gibt, die wir durch die Impfpflicht zu einer Impfung bewegen können."

Seine Hoffnung sei, dass die Gesellschaft durch die Impfpflicht relativ gut geschützt sein werde, erklärte der Minister. "Wir dürfen nicht mehr in eine Situation geraten, in der ein Sommer trügerisch gut ist, uns aber im Herbst neue Varianten überraschen - und das, ohne dass die breite Bevölkerungsmehrheit geimpft ist. Denn dann ginge alles wieder von vorne los."

Über eine Impfpflicht soll der Bundestag ohne Fraktionsvorgaben abstimmen. Eine schnelle Entscheidung wird es aber voraussichtlich nicht geben. Im Gespräch ist zunächst eine "Orientierungsdebatte" im Januar. Die SPD strebt den Abschluss eines Gesetzgebungsprozesses "im ersten Quartal" an, also bis Ende März. Lauterbach arbeitet nach eigenen Angaben "als Abgeordneter" an einem Vorschlag für eine allgemeine Impfpflicht für Über-18-Jährige.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. Januar 2022 um 08:55 Uhr.