Eine Labormitarbeiterin bereitet im Bioscientia MVZ Labor Mittelhessen Teströhrchen für einen PCR-Test vor.  | dpa

Corona-Pandemie Inzidenz wieder bei mehr als 300

Stand: 07.01.2022 07:19 Uhr

Die Corona-Zahlen in Deutschland steigen weiter: Den dritten Tag in Folge wurden mehr als 50.000 Neuinfektionen verzeichnet, die Inzidenz stieg auf 303,4. Mittlerweile gibt es Warnungen, dass die Testkapazitäten knapp werden könnten.

Die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland ist erneut sprunghaft gestiegen. Das Robert Koch-Institut gab den Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen mit 303,4 an. Die Inzidenz liegt damit wieder so hoch wie zuletzt vor Weihnachten. Am Vortag lag sie noch bei 285,9, vor einer Woche bei 214,9.

Wie das RKI unter Berufung auf die Daten der Gesundheitsämter weiter mitteilt, wurden innerhalb von 24 Stunden 56.335 Neuinfektionen verzeichnet. Es war bereits der dritte Tag in Folge mit mehr als 50.000 Neuinfektionen. Vor einer Woche waren es noch 41.270. Auch wenn die Zahlen zuletzt von Tag zu Tag stiegen, geht das RKI weiter von einer Untererfassung der Neuinfektionen wegen weniger Tests und Meldungen im Zuge der Feiertage und der Ferien aus.

Die Gesundheitsämter registrierten laut dem RKI zudem 264 neue Todesfälle innerhalb von 24 Stunden. Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das das Institut am Donnerstag mit 3,26 (Mittwoch: 3,20) an.

Angesichts der steigenden Infektionszahlen gibt es Warnungen, dass die Testkapazitäten überlastet werden könnten. "Die Omikron-Variante wird auch zu mehr Infektionen bei Beschäftigten in den Laboren führen", sagte die Vorsitzende des Marburger Bunds, Susanne Johna, den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Es sei also damit zu rechnen, dass die PCR-Testkapazitäten in Deutschland bald nur noch eingeschränkt zur Verfügung stünden.

Auch das Bundesgesundheitsministerium hält Engpässe für möglich. "Bei sehr hohen Fallzahlen wird man gegebenenfalls dazu übergehen müssen, eine Diagnose rein symptom- beziehungsweise antigenschnelltest-basiert zu stellen, also auf eine PCR-Diagnostik bei bestimmten Personengruppen zu verzichten", teilte das Ministerium gegenüber "ZDFheute.de" mit. Deutschland werde aber nicht im Chaos landen, hieß es aus dem Ministerium. Demnach gibt es derzeit eine Kapazität für 2,4 Millionen PCR-Tests pro Woche.

Lauterbach verteidigt 2G-Plus in Gaststätten

Vor der für den heutigen Nachmittag anberaumten Bund-Länder-Konferenz über neue Corona-Maßnahmen verteidigte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach die geplanten Zugangsbeschränkungen für Gaststätten. "Die Gastronomie ist ein Problembereich, da sitzt man ohne Maske oft für Stunden", sagte Lauterbach dem Sender RTL. "Wir müssen noch einmal die Kontakte beschränken", warb der SPD-Politiker nachdrücklich. Es sei insbesondere angedacht, in den Innenräumen der Gastronomie noch mehr Sicherheit zu schaffen. Gäste sollten nur noch eintreten dürfen, wenn sie zwei Mal geimpft und getestet oder geboostert sind.

Die Gaststätten-Lobby hatte den Vorstoß kritisiert. Die Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), Ingrid Hartges, sagte der "Bild"-Zeitung: "Flächendeckend 2G-Plus wäre eine Katastrophe für Kneipen und Restaurants." Hartges warnte, Wirte dürften nicht die Leidtragenden sein, wenn die Regierung "offenbar Anreize für die dritte Impfung" schaffen wolle. Stattdessen müssten Bund und Länder die Impf- und Testkapazitäten sofort ausbauen, "damit diese zermürbende Situation schnellstmöglich beendet wird", forderte Hartges.

Kretschmer für einheitliche Regeln

Rückendeckung für 2G-Plus in der Gastronomie kam von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer: "Für Gastronomie und Kultureinrichtungen halte ich 2G-Plus für eine gute Lösung. Und wer geboostert ist, kann auf den Test verzichten", sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Eine Ausweitung der Regel auf Geschäfte der Grundversorgung lehnte der Regierungschef ab.

Kretschmer warb jedoch für bundesweit einheitliche Einschränkungen. "Wir brauchen vergleichbare Regelungen in der gesamten Bundesrepublik. Keine großen Veranstaltungen, keine Besucher in den Stadien - und ein Maß an Kontaktbeschränkungen, das diese Omikron-Welle abflacht", sagte der CDU-Politiker. Auch Geimpfte müssten sich auf weitere Einschränkungen einstellen. "Wir sind gemeinsam in einem Boot. Wären alle geimpft, würde uns diese Omikron-Variante wenig Sorgen machen. Die Realität ist natürlich, dass auch Geimpfte andere anstecken können."

Weiter Debatte über Impfpflicht

Angesichts der ungenügenden Impfquote und der Diskussion über die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht sprach sich der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung, Andreas Gassen, erneut dagegen aus. "Impfen ist das wirksamste Instrument im Kampf gegen das Virus. Trotzdem halte ich nach wie vor nicht viel von einer Impfpflicht", erklärte Gassen der "Rheinischen Post".

"Es gibt allein schon zu viele organisatorische Hindernisse, um dieses Vorhaben in kurzer Zeit starten zu können. Das fängt bereits beim Impfregister an. Wer soll das unter Wahrung des Datenschutzes erstellen, wo soll es gepflegt werden?" Auch die nachlassende Wirksamkeit des Impfstoffes sei ein Problem.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst mahnte Bundeskanzler Olaf Scholz dagegen, sein Wort bei der Impfpflicht zu halten. "Der Bundeskanzler hat die Impfpflicht für Februar angekündigt - dieses Wort muss gelten", sagt Wüst. "Die Menschen brauchen Verlässlichkeit und Vertrauen in die Politik. Das Gefühl, dass bei einem solch sensiblen Thema wie der Impfpflicht taktiert und auf Zeit gespielt wird, darf nicht entstehen." Die Impfung sei und bleibe der zentrale Weg aus der Pandemie, betont der CDU-Politiker.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. Januar 2022 um 05:30 Uhr.