Mitarbeiter vom Gesundheitsamt in Berlin stehen auf dem zentralen Festplatz in der ambulanten Corona-Test-Einrichtung | Bildquelle: dpa

Bericht des RKI Ansteckungsrate wieder bei 0,9

Stand: 28.04.2020 16:59 Uhr

Gestern hatte das RKI einen Anstieg der Corona-Ansteckungsrate auf 1 gemeldet. Jetzt liegt der R-Wert wieder bei 0,9. Entwarnung gibt es trotzdem nicht - allerdings Diskussionen über die Statistik.

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat zu anhaltender Disziplin in der Corona-Pandemie aufgerufen. Die Menschen sollten sich weiter an die gültigen Regeln halten, sagte Präsident Lothar Wieler.

Deutschland habe das Virus anders als andere Länder bisher sehr erfolgreich in Schach halten können. "Wir wollen diesen Erfolg verteidigen", sagte Wieler. "Wir wollen nicht, dass die Fallzahlen wieder zunehmen." Das gelte gerade vor dem Hintergrund der ersten Lockerungen.

Ein schwierig zu interpretierender Wert

Die sogenannte Reproduktionszahl ist demnach mit Datenstand 28. April 2020, 0.00 Uhr wieder auf 0,9 gesunken, nachdem sie zuvor laut einem am Montagabend veröffentlichten Bericht auf 1 gestiegen war. Vom Wert 1 hatte RKI-Chef Lothar Wieler am Dienstagvormittag auch in einer Pressekonferenz berichtet. Er betonte dabei, die Reproduktionszahl dürfe bei der Bewertung des Epidemieverlaufs nicht isoliert betrachtet werden.

Lob und Mahnung vom RKI für Deutschlands Corona-Verhinderungsmaßnahmen
tagesschau 20:00 Uhr, 28.04.2020, André Kartschall, RBB

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Die Reproduktionszahl gibt an, wie viele Menschen im Schnitt von einem Infizierten angesteckt werden. Es handelt sich um einen laufend aktualisierten bundesweiten Durchschnittswert, der nach einem mathematischen Verfahren vom RKI immer wieder neu berechnet wird. Nur ein Teil wird dadurch festgelegt, wie leicht sich ein Erreger von Natur aus ausbreiten kann. Der andere Teil wird durch die Gegenmaßnahmen bestimmt. Strikte Kontaktbeschränkungen etwa reduzieren die Zahl der Menschen, die ein Infizierter ansteckt.

In einem Bericht zur Methodik gibt das RKI zudem zu bedenken, dass auch die deutliche Erhöhung der Testkapazitäten - und dadurch vermehrt sichtbare Infektionen - dazu führen könnten, "dass der aktuelle R-Wert das reale Geschehen etwas überschätzt".

Experten hatten vor einem Wiederansteigen des Werts über 1 gewarnt. Auch das RKI schreibt: "Gelingt das dauerhafte Niedrighalten der Reproduktionszahl unter 1 nicht, so setzt sich der anfängliche exponentielle Anstieg wieder fort." 

Kubicki übt heftige Kritik an RKI

Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki kritisierte das RKI und Wieler wegen der regelmäßig verbreiteten Corona-Zahlen scharf: Diese "vermitteln eher den Eindruck, politisch motivierte Zahlen zu sein als wissenschaftlich fundiert", sagte Kubicki. Während Ministerpräsident Markus Söder für Bayern, das Land mit den meisten Infektionen, einen R-Wert von 0,57 verkünde, melde das RKI bundesweit einen Wert von 1, sagte Kubicki. "Woher dieser Wert bei sinkenden Infektionsraten kommen soll, erschließt sich nicht einmal mehr den Wohlmeinendsten."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 28. April 2020 um 11:00 und 17:00 Uhr.

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