Auf einer Werbeanzeige der Stadt Köln wird für das Abstand halten im öffentlichen Raum geworben.  | Bildquelle: dpa

Corona-Pandemie Weitere Städte über kritischer Schwelle

Stand: 11.10.2020 17:43 Uhr

Die Zahl der Corona-Hotspots in Deutschland steigt weiter rapide an. Auch Mainz und Essen meldeten das Überschreiten des kritischen Warnwertes. Stuttgart bat die Bundeswehr um Hilfe bei der Kontaktnachverfolgung.

In großen Städten steigen die Corona-Fallzahlen rasant an. Nachdem am Wochendende bereits Köln, Stuttgart und Essen die wichtigen Warnstufe von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen überschritten hatten, gilt nun auch Mainz als Hotspot.

Der Wert lag am Sonntagnachmittag bei 57, wie das Sozialministerium in Rheinland-Pfalz mitteilte. Weitere Beschränkungen des öffentlichen Lebens wurden nicht angekündigt. Es werde jedoch eine lokale Task Force geben, die zeitnah zusammentrete. Die Stadt hatte in den vergangenen Tagen bereits Maßnahmen wie ein nächtliches Alkoholverbot beschlossen.

Mehrere Ministerpräsidenten mahnen zu Vorsicht
tagesschau 20:00 Uhr, 11.10.2020, Kristin Schwietzer, ARD Berlin

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Städte steuern gegen

Andere Großstädte wie Berlin, Frankfurt und Bremen waren bereits im Laufe der vergangenen Woche über die 50er-Marke gestiegen. München liegt nur noch knapp darunter. In Berlin trat am Wochenende eine nächtliche Sperrstunde in Kraft, Stuttgart und Köln schränken unter anderem das Trinken von Alkohol in der Öffentlichkeit stark ein und verschärfen die Maskenpflicht.

Allein in Nordrhein-Westfalen liegen derzeit neun Kreise und kreisfreie Städte über der Warnstufe. Ministerpräsident Armin Laschet kündigte landesweit einheitliche Regeln für die Einschränkung des öffentlichen Lebens in Corona-Hotspots an.

Stuttgart bittet Bundeswehr um Hilfe

Auch Stuttgart versucht nun, schnell gegenzusteuern. Ab Mittwoch sind bei privaten Feiern nur noch zehn Teilnehmer erlaubt, bei Feiern in öffentlichen und angemieteten Räumen nur noch 25. "Die Zahlen steigen auf besorgniserregende Weise an, und zwar so stark, dass das Gesundheitsamt die für die Kontrolle der Pandemie so wichtige Kontaktpersonennachverfolgung nicht mehr gewährleisten kann", erklärte Stefan Ehehalt, Leiter des Stuttgarter Gesundheitsamts. Deswegen sollen für die Nachverfolgung nun die gesamte Stadtverwaltung mobilisiert und die Unterstützung der Bundeswehr angefordert werden.

Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn sagte nach einer Telefonkonferenz zur Lagebesprechung, es müsse entschieden gehandelt werden, um die Zahlen wieder zu drücken. "Nur so können wir Schulen, Kitas, Wirtschaft und Handel offen halten. Nur so kann es gelingen, dass wieder alle Fälle durch das Gesundheitsamt nachvollzogen werden können."

Bundesweit stieg die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Menschen am Sonntag um 3483 an, wie das Robert-Koch-Institut mitteilte. Von Mittwoch auf Donnerstag war der Wert von 2828 auf 4058 erheblich gestiegen, von Donnerstag auf Freitag lag die Zahl bei 4516. Am Samstagmorgen waren es 4721 neue Fälle. An Sonntagen wie auch an Montagen sind die erfassten Fallzahlen erfahrungsgemäß meist niedriger, auch weil am Wochenende nicht alle Gesundheitsämter Daten an das RKI melden.

Ministerpräsidenten warnen

Angesichts der deutlich steigenden Zahlen riefen mehrere Ministerpräsidenten die Bürger zu Disziplin auf. "Die Lage ist ernst. Ernster, als diejenigen glauben, die sich nicht an die Schutzmaßnahmen halten", sagte die rheinland-pfälzische Regierungschefin Malu Dreyer. Nur wenn man die Kontakte reduziere und die Regeln befolgen, könne man das Virus "aushungern".

Bayerns Regierungschef Markus Söder plädierte in der "Bild am Sonntag" für ein bundesweit einheitliches Bußgeld von 250 Euro für Maskenverweigerer. Es sei Zeit für konsequentes Handeln, sagte Söder weiter. "Wenn wir zu lange zögern, besteht die Gefahr eines zweiten Lockdowns." Söder nannte Sperrstunden und das Verbot größerer Partys und Feiern für eine gewisse Zeit. 

Sein baden-württembergischer Kollege Winfried Kretschmann forderte die Menschen auf, nicht mehr alles zu machen, "was sie noch dürfen". Der Grünen-Politiker fügte hinzu: "Man muss gerade keine Party bei sich zu Hause oder in der Gaststätte feiern."

Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer appellierte in der "Welt am Sonntag" ebenfalls an die junge Generation: "Jetzt sind nicht volle Partys gefragt, sondern Vorsichtsmaßnahmen - und Kontrolle." Der CDU-Politiker verteidigte schärfere Regeln. "Wir brauchen jetzt gewisse Instrumente, um der Lage Herr zu werden. Wir wollen unser gesellschaftliches und wirtschaftliches Leben weitgehend erhalten."

Ministerpräsidenten mahnen zur Vorsicht
Nina Barth, ARD Berlin
11.10.2020 13:59 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 11. Oktober 2020 Deutschlandfunk um 14:00 Uhr in den Nachrichten und tagesschau24 um 16:00 Uhr.

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