Fußgänger laufen mit Masken zum Schutz gegen das Coronavirus an den Landungsbrücken in Hamburg entlang. | dpa

Corona in Deutschland Inzidenz erstmals seit Oktober unter 50

Stand: 26.05.2021 08:57 Uhr

Laut RKI liegt die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei 46,8 - und damit erstmals seit Oktober wieder unter 50. Experten sehen mehrere Gründe für diesen Trend und warnen: Eine allzu frühe Entwarnung könnte zu einem "Jojo-Effekt" führen.

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz hat erstmals seit Oktober vergangenen Jahres wieder den Wert von 50 unterschritten. Nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) lag die Zahl binnen sieben Tagen gemeldeter Neuinfektionen je 100.000 Einwohner bundesweit bei 46,8 (Vortag: 58,4; Vorwoche: 72,8).

Zwar hatte sich die Sieben-Tage-Inzidenz Mitte Februar kurzzeitig schon einmal im Bereich knapp über 50 bewegt. Doch dann kam die dritte Welle. Zuletzt unterhalb der 50er-Schwelle hatte der Wert im Herbst gelegen: bei 48,6 am 20. Oktober 2020.

2626 Corona-Neuinfektionen

Innerhalb der vergangenen 24 Stunden meldeten die Gesundheitsämter dem RKI 2626 Corona-Neuinfektionen. Zum Vergleich: Vor einer Woche hatte der Wert bei 11.040 Ansteckungen gelegen. Allerdings suchen an Feiertagen wie Pfingstmontag weniger Menschen einen Arzt auf, wodurch auch weniger Proben genommen werden und es weniger Laboruntersuchungen gibt. Daher werden weniger Neuinfektionen gemeldet.

Auch Christi Himmelfahrt und der Brückentag danach etwa trugen - neben einer vermuteten Zunahme bei der Nutzung von Schnelltests - zu einem Rückgang der PCR-Tests um rund 160.000 im Vergleich zur Vorwoche bei.

Deutschlandweit wurden binnen 24 Stunden 270 neue Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 284 Tote gewesen. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie insgesamt 3.656.177 nachgewiesene Infektionen und 87.726 Sars-CoV-2-Tote. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 3.438.800 an.

Wie ist der Rückgang zu erklären?

Der aktuell verzeichnete Rückgang bei Neuinfektionen hat Wissenschaftlern zufolge nicht einen, sondern mehrere Gründe. Der Mobilitätsforscher Kai Nagel von der TU Berlin erklärte, laut dem Modell seines Teams sei die Kombination vieler Elemente ausschlaggebend: stark erhöhte Impfgeschwindigkeit, wärmere Temperaturen, Schnelltests bei Schule, Arbeit und Freizeit, Immunisierung durch durchgemachte Infektionen, eine weiterhin reduzierte Öffnung der Schulen, weiterhin geschlossene Unis und ein anhaltend eingeschränktes Niveau von Aktivitäten außer Haus.

Wie Nagel anhand einer Überschlagsrechnung verdeutlicht, senkt eine Quote an Erstimpfungen von 35 Prozent die Reproduktionszahl um etwa ein Viertel. Aktuell liegt diese Quote in Deutschland bereits bei mehr als 40 Prozent. Das RKI hält zudem einen größeren unmittelbaren Effekt der Impfungen für sehr wahrscheinlich, wie eine Sprecherin auf Anfrage mitteilte: In Großbritannien sei beobachtet worden, dass viele Menschen mit einem Impftermin in der Zeit davor alles tun, um eine Infektion zu vermeiden und Kontakte entsprechend herunterfahren.

Virologen: Zu früh für Entwarnung

Für eine Entwarnung ist es jedoch noch zu früh, warnen Experten. Sie mahnen langsame, schrittweise Öffnungen an. Die Sorge vor einem Wiederanstieg der Zahlen, einer vierten Welle noch vor dem Herbst, halte er für berechtigt, erklärte der Virologe Friedemann Weber von der Universität Gießen. "Eine allzu frühe Entwarnung kann dazu führen, dass Corona nicht mehr ernst genommen wird und die Zahlen wieder ansteigen." Mit einer Welle im Sinne eines exponentiellen Anstiegs rechne er aber zunächst nicht, "eher könnte es zu einem Jojo-Effekt kommen". Insgesamt, so Weber, sei er aber optimistisch, dass die Zahlen weiter sinken.

Der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb teilt diese Einschätzung: Lokal könnten sogar Werte von unter 20 möglich sein. Der Epidemiologe Rafael Mikolajczyk vom Uniklinikum Halle betonte, das hänge vom Verhalten der Gesellschaft und den Entscheidungen der Politik ab.

Wie sich die Pandemie in Deutschland weiter entwickelt, hängt auch mit der Verbreitung der Varianten des Coronavirus zusammen. Vor allem die Mutation aus Indien steht beim RKI unter besonderer Beobachtung. Manche Wissenschaftler sehen bei ihr das Potenzial zum Auslösen einer neuen Welle. Bisherige Zahlen aus Deutschland deuten jedoch auf eine noch recht geringe Verbreitung hin, aber das könnte sich schnell ändern. Auch weitere besorgniserregende Mutanten aus Südafrika und Brasilien könnten womöglich stärker zum Zuge kommen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. Mai 2021 um 09:00 Uhr.

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Moderation 26.05.2021 • 18:10 Uhr

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