Eine Frau wird im Hannoveraner "Testzentrum am Zoo" mit einem Schnelltest auf das neuartige Coronavirus getestet (Archivbild). | dpa

Corona in Deutschland Inzidenz erreicht neuen Höchstwert von 263,7

Stand: 12.11.2021 06:56 Uhr

Die Zahlen steigen weiter rasant: Das RKI meldet 48.640 Neuinfektionen und eine Inzidenz von 263,7. Kanzleramtschef Braun kritisiert die Ampel-Parteien dafür, dass sie die epidemische Notlage trotzdem auslaufen lassen wollen.

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz ist erneut angestiegen und hat den fünften Tag in Folge einen Höchstwert erreicht. Das Robert Koch-Institut (RKI) gab die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche mit 263,7 an. Bereits seit Montag hatte es Rekorde bei den tagesaktuell vom RKI berichteten Inzidenzen gegeben. Am Donnerstag lag der Wert bei 249,1. Vor einer Woche hatte der Wert bei 169,9 (Vormonat: 65,8) gelegen.

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 48.640 Corona-Neuinfektionen. Dies ist der zweithöchste Wert seit Beginn der Pandemie. Einen Rekordwert hatte die Zahl der Neuinfektionen am Vortag mit 50.196 erreicht. Vor genau einer Woche hatte der Wert bei 37.120 Ansteckungen gelegen.

Deutschlandweit wurden den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 191 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 154 Todesfälle. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 4.942.890 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Hinweis zur Grafik: Das RKI aktualisiert die Zahl der Neuinfektionen und damit auch die daraus abgeleitete 7-Tage-Inzidenz täglich auf Basis - und zwar auch rückwirkend auf Basis von Nachmeldungen. Das hat zur Folge, dass die aktuell angegebenen 7-Tage-Inzidenzwerte für Tage in der Vergangenheit in aller Regeln höher liegen als die Werte, die am entsprechenden Tag durch das RKI veröffentlicht wurden.

DIVI warnt vor Überlastung der Intensivstationen

Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen - den für eine mögliche Verschärfung der Corona-Beschränkungen wichtigsten Parameter - gab das RKI mit 4,65 an (Mittwoch: 4,61). Bei dem Indikator muss berücksichtigt werden, dass Krankenhausaufnahmen teils mit Verzug gemeldet werden. Ein bundesweiter Schwellenwert, ab wann die Lage kritisch zu sehen ist, ist für die Hospitalisierungs-Inzidenz unter anderem wegen großer regionaler Unterschiede nicht vorgesehen. Der bisherige Höchstwert lag um die Weihnachtszeit bei rund 15,5.

Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 4.450.200 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 97.389.

Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) warnte angesichts der steigenden Corona-Zahlen vor einer Überlastung der Intensivstationen durch Covid-Patienten. "Wenn sich diese Dynamik fortsetzt, können wir sehr bald nur noch Notfall- und Covid-Patienten behandeln. Das müssen wir dringend verhindern", sagte DIVI-Präsident Gernot Marx dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland". Derzeit werden laut dem DIVI-Register bundesweit 2828 Corona-Patienten intensivmedizinisch betreut.

Braun kritisiert Ampel-Parteien

Der geschäftsführende Kanzleramtschef Helge Braun kritisierte die Pläne der Ampel-Parteien zur Bekämpfung der Corona-Pandemie. "Die Zahlen steigen dynamisch, sie sind so hoch, wie sie in dieser Pandemie noch nie waren. Und die Ampel-Koalition sagt, wir machen jetzt ein Gesetz, was den Ländern weniger Möglichkeiten gibt, auf Corona zu reagieren", sagte der CDU-Politiker im ZDF. Das sei das falsche Signal.

Der bessere Weg wäre aus seiner Sicht die Verlängerung der epidemischen Lage nationaler Tragweite, die am 25. November ausläuft. Er sei "definitiv" für einen solchen Schritt, betonte Braun. SPD, Grüne und FDP wollen diese Rechtsgrundlage für Corona-Beschränkungen in den Ländern durch eine Neuregelung ersetzen, die einen kleineren Maßnahmenkatalog umfasst. Allerdings hatte sich auch der amtierende Gesundheitsminister Jens Spahn ursprünglich dafür ausgesprochen, die epidemische Lage nicht mehr zu verlängern.

Im "Spiegel" übte Spahn dafür nun Selbstkritik. Er habe zwar nur ausgesprochen, was jeder gewusst habe: Dass die Pandemie nicht vorbei sei, dass es aber keine parlamentarische Mehrheit mehr dafür gebe, den rechtlichen Ausnahmezustand zu verlängern, sagte er. "Selbstkritisch muss ich allerdings einräumen, dass bei manchen damit ein falscher Eindruck entstanden ist. Es war aber immer klar: Wir sind weiterhin in einer ernsten Lage. Es braucht weiterhin entschiedenes, staatliches Handeln."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. November 2021 u.a. um 05:30 Uhr.

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Moderation 12.11.2021 • 09:56 Uhr

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