Kontrollen am Grenzübergang Kiefersfelden | dpa
Reportage

Kontrollen an Grenze zu Österreich Das große Chaos ist ausgeblieben

Stand: 02.08.2021 04:30 Uhr

Seit Sonntag greift eine strengere Testpflicht bei der Einreise nach Deutschland. Zumindest an der Grenze nach Österreich blieben Frust, Verstöße und Ärger weitgehend aus.

Von Martin Breitkopf, BR

Sonntagnachmittag, Grenzübergang Kiefersfelden: Gut eine halbe Stunde staut sich der Verkehr nach Österreich. Im Stau viele Urlaubsrückkehrer, unter ihnen Familie Fischer. Sie waren eine Woche zum Wandern in Südtirol und sind jetzt auf dem Heimweg nach Mühldorf am Inn.

Und sie erwischt es! Der Bundespolizist hebt die Kelle, winkt die Fischers heraus und lotst sie in ein großes Zelt wo bereits zahlreiche weitere Beamte warten: "Ausweis, Fahrzeugpapiere und Corona-Nachweis", fordert der Bundespolizist. Weitere Beamte stehen um das Fahrzeug. Die Fischers haben die gelben Impfpässe schon griffbereit, sie haben von der neuen Regel bereits im Urlaub gehört. Die beiden Eltern sind vollständig geimpft, die 18-jährige Tochter kann einen negativen Coronatest vorweisen. Sie war dafür noch vor der Rückfahrt extra in einer Apotheke in Südtirol und hat sich testen lassen.

Der Verstoß kann teuer werden

So soll es nach den neuen Regeln sein, denn ein Verstoß wird teuer. Yvonne Oppermann, Pressesprecherin der Bundespolizei, sagt, dass jeder ohne Impfung, ohne negativen Test oder den Nachweis einer durchgemachten Infektion mit erheblichen Konsequenzen rechnen muss. Die Daten werden an das Gesundheitsamt übersendet - dort werde dann je nach Bundesland eine Strafe fällig. Das Bußgeld belaufe sich schnell auf mehrere tausend Euro. Außerdem müsse umgehend bei der nächstmöglichen Teststation ein Coronatest absolviert werden, so Oppermann.

Die Fischers dürfen weiterfahren. Josef Fischer ist verständnisvoll. Als er das Seitenfenster wieder hochfährt meint er noch: Wer mit diesen Kontrollen ein Problem habe, solle halt daheim bleiben.

Die Bundespolizei ist mit vielen Kräften vor Ort. Stichprobenartig werden immer wieder Fahrzeuge herausgewunken. Nicht zu viele, aber immer wieder.  Der Verkehrsfluss soll nicht zu stark beeinträchtigt werden, heißt es. Außerdem erfolge vieles bereits im Rahmen der routinemäßigen Grenzkontrollen. Der Corona-Einreisecheck komme jetzt nur noch dazu, so Polizeisprecherin Oppermann.

Nur der Stau nervt ein bisschen

Ein Fahrzeug mit Münchener Kennzeichen wird jetzt von den Beamten ins Visier genommen. Darin vier junge Männer, auch sie waren übers Wochenende zum Wandern in Österreich. Der Fahrer Tobias Becker wirkt etwas eingeschüchtert. Man werde ja nicht jeden Tag von so vielen Beamten kontrolliert, gesteht er. Die Insassen holen ihre Ausweise hervor, auch sie sind bereits alle komplett durchgeimpft. Der Polizist ist zufrieden und lässt sie anstandslos weiterfahren. Fahrer Becker nickt freundlich. Er findet die Corona-Kontrollen sinnvoll, jedoch der Stau nerve, meint er noch, als die Autotür zufällt.

Auch Polizeisprecherin Oppermann zieht am Abend eine überraschend positive Bilanz: Nicht nur, dass der Großteil der Kontrollierten verständnisvoll war. Es gab auch so gut wie keine Beanstandung - und das, obwohl die neue Regel erst am Freitagabend bekannt geben wurde. Abschließend hat die Bundespolizistin noch einen wichtigen Tipp: "Jeder, der jetzt nach Deutschland zurückkehrt, sollte nicht nur Impfausweis oder negativen Coronatest dabei haben - sondern auch viel Geduld."

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 02. August 2021 um 06:37 Uhr.