Die Regierungsmaschine "Konrad Adenauer" steht wegen technischer Probleme auf dem Flughafen Nusa Dua in Indonesien | Bildquelle: dpa

Panne auf Merkels G20-Flug War es ein Fehler der Lufthansa?

Stand: 27.12.2018 13:28 Uhr

Ein Fehler der Lufthansa ist offenbar verantwortlich für die Panne auf dem G20-Flug von Kanzlerin Merkel. Der "Spiegel" berichtet, dass die Piloten über ein neu eingebautes Modul nicht informiert worden waren.

Die Flugbereitschaft der Bundesregierung war zuletzt immer häufiger in die Kritik geraten. Besondere Aufmerksamkeit erlangte eine Panne an der Regierungsmaschine "Konrad Adenauer" Ende November. Die Ursache scheint nun klar zu sein. Laut "Spiegel" verursachten Mitarbeiter der Lufthansa offenbar den Fehler, durch den das Funksystem versagte.

Der "Spiegel" berichtet über ein vertrauliches Schreiben des Generals der Flugsicherheit der Bundeswehr. Der vierseitige Bericht vom 15. Dezember beschreibt laut dem Magazin Versäumnisse der Lufthansa nach einer Wartung der Regierungsmaschine im Jahr 2010. Die Techniker bauten ein neues digitales Kommunikationsmodul ein. Sie versäumten den Angaben zufolge aber, die Piloten der Flugbereitschaft und den Hersteller Airbus darüber zu informieren. Deshalb konnten die Piloten das Modul nach einem Stromausfall in der Bordelektronik nicht korrekt bedienen.

Stromausfall in dem Flieger

Dem Bericht des Bundeswehrgenerals zufolge kam es auf dem G20-Flug zu einer "Kette von Vorfällen". Am Anfang stand ein Stromausfall in der Bordelektronik. Grund dafür war eine fehlerhafte Lötstelle an einem Transformator, der den Wechselstrom von den Turbinen in Gleichstrom umwandelt.

Normalerweise sei ein solcher Defekt kein großes Problem, da der Jet wie andere Verkehrsflugzeuge über mehrere Transformator-Einheiten verfüge. Bei einem Defekt springen diese sofort ein und sichern die Stromversorgung für die wichtigsten Bord-Geräte. Die Ersatzsysteme versagten jedoch an der gleichen fehlerhaften Lötstelle. Es habe "mehrere defekte Umschaltrelais" gegeben, so der Bericht, aus dem der "Spiegel" zitiert. Durch den Stromausfall versagte das Funksystem des Flugzeugs.

Die Regierungsmaschine in Köln | Bildquelle: CLEMENS BILAN/EPA-EFE/REX/Shutte
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Die Regierungsmaschine musste umkehren und auf dem Flughafen Köln-Bonn landen.

Von der Anleitung nichts gewusst

Laut "Spiegel" konnten die Piloten in dieser Situation nicht angemessen reagieren, da sie mit dem digitalen Kommunikationssystem des Flugzeugs nicht genügend vertraut waren. Bei der Wartung im Jahr 2010 hätten Lufthansa-Mitarbeiter eine analoge "Audio-Management-Unit" (AMU) durch ein digitales Modul ersetzt. Diese neue AMU habe jedoch die Besonderheit, dass sie nach einem Stromausfall nicht neu gestartet werden könne. Der Hersteller Airbus habe laut "Spiegel" seinen Kunden deshalb "bereits vor Jahren" eine Notfall-Anleitung übersandt, in der beschrieben wird, wie die Anlage wieder in Gang gesetzt werden kann. Doch die Piloten hätten von dieser Anleitung nichts gewusst. Sie tauchte in den aktuellen Notfallchecklisten offenbar nicht auf. Deshalb hätten die Piloten die ausgefallenen Funksysteme nicht mehr in Gang setzen können.

Um Kontakt mit den Kommandostand in Köln herzustellen, griffen die Piloten zum Satellitentelefon. Auf diese Weise war die Kommunikation mit dem Bodenpersonal wieder hergestellt.

Lufthansa weist Vorwürfe zurück

Der Flieger musste wegen des Vorfalls umdrehen und auf dem Flughafen Köln-Bonn landen. Merkel kam mit einem Tag Verspätung zum Gipfel, verpasste unter anderem das traditionelle Familienfoto mit den anderen Staats- und Regierungschefs. Die ganze Weltöffentlichkeit bekam den Zwischenfall mit. "Es war eine ernsthafte Störung", sagte die Kanzlerin.

Die Lufthansa dementierte den Vorwurf. Der Konzernsprecher der Unternehmenssparte "Lufthansa Technik", Jens Krüger, sagte der Nachrichtenagentur dpa, dass das Unternehmen "zu jedem Zeitpunkt sämtliche luftrechtlichen Vorgaben" eingehalten habe. "Das gilt auch für den Umgang mit den Dokumentationspflichten." Zu Einzelheiten äußerte er sich nicht.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Donald Trump auf dem G20-Gipfel in Buenos Aires | Bildquelle: REUTERS
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Kanzlerin Merkel kam einen Tag zu spät zum Gipfel.

Mehrere Pannen mit der "Konrad Adenauer"

Zuletzt war es vermehrt zu Zwischenfällen mit der "Konrad Adenauer" gekommen. Schon im Oktober strandete Finanzminister Olaf Scholz samt Delegation nach der Tagung des Internationalen Währungsfonds auf Bali, weil Nager Elektronikkabel des Regierungsfliegers angeknabbert hatten. Das Finanzministerium musste den Chef samt Sprecher, Staatssekretären und Leibwächtern auf einen Linienflug umbuchen - 20 Journalisten und weitere Delegationsmitglieder blieben in Indonesien zurück.

Auch auf einer Afrika-Reise von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte es unlängst Verzögerungen mit der "Konrad Adenauer" wegen eines technischen Defekts an einem Triebwerk gegeben.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 27. Dezember 2018 um 11:00 Uhr.

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