Polizisten der Spurensicherung in weißen Schutzanzügen arbeiten an einem Imbiss in Nürnberg, dessen Besitzer im Juni 2005 erschossen wurde.

Behörden korrigieren Statistik Mehr Opfer rechtsextremer Gewalt

Stand: 18.06.2018 12:56 Uhr

Wieviele Menschen wurden Opfer rechtsextremer Gewalt? Wissenschaftler haben zahlreiche Todesfälle der vergangenen Jahre überprüft - jetzt hat die Bundesregierung die Zahl nach oben korrigiert.

Die Bundesregierung hat in ihre Statistik über Todesopfer rechtsextremer Gewalt neue Fälle aufgenommen. Darin sind nun 76 Tötungsdelikte mit 83 Todesopfern seit der Wiedervereinigung 1990 erfasst, wie das Innenministerium laut "Tagesspiegel" auf eine Anfrage der Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau und ihrer Fraktion Die Linke mitteilte. Zuletzt hatte eine Bilanz der Regierung vom März 2017 insgesamt 70 Fälle aufgeführt, bei denen Neonazis und andere Rechte 76 Menschen getötet hatten. Grund für die Zunahme ist eine Überprüfung von mutmaßlich rechts motivierten Gewalttaten in Berlin.

Das Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin hatte im Auftrag des Landeskriminalamts (LKA) mehrere Altfälle aufwendig geprüft und im Mai die Nachmeldung von sechs Verbrechen mit sieben Todesopfern als rechte Delikte empfohlen. Das LKA übernahm das Ergebnis und unterrichtete das Bundeskriminalamt, das die Regierung informierte.

Offizielle Bilanz korrigiert

Anlass der wissenschaftlichen Untersuchung in Berlin war eine im Jahr 2000 begonnene Langzeitrecherche des "Tagesspiegels", die eine bundesweit erheblich höhere Zahl der Todesopfer seit der Wiedervereinigung registrierte als die offizielle Bilanz. Die Zeitung kommt auf mindestens 150 Tote seit dem 3. Oktober 1990.

In den ersten vier Monaten 2018 haben Neonazis und andere Rechtsextreme nach vorläufigen Erkenntnissen der Polizei 3714 Straftaten begangen - darunter 174 Gewaltdelikte, schreibt die Zeitung. Die Zahlen ergeben sich aus den Antworten der Regierung auf die regelmäßige Anfragen von Pau. Die Bilanz der Polizei werde noch deutlich wachsen, da üblicherweise viele Verbrechen nachgemeldet werden, heißt es in dem Zeitungsbericht.

Bei den Gewalttaten seien 132 Menschen verletzt worden. Die Polizei habe insgesamt 1526 Tatverdächtige festgestellt, 27 seien vorläufig festgenommen worden. Zwei seien in Untersuchungshaft gekommen, berichtet die Zeitung.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 18. Juni 2018 um 00:00 Uhr.

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