Bundesaußenminister Heiko Maas spricht bei einer Pressekonferenz | Bildquelle: MARTIN DIVISEK/EPA-EFE/REX

Reaktionen auf Angriff in Halle "Das trifft uns ins Herz"

Stand: 09.10.2019 19:55 Uhr

Bestürzung über die Schüsse vor einer Synagoge in Halle mit zwei Toten: Der Angriff treffe laut Außenminister Maas "ins Herz". UN-Generalsekretär Guterres sprach von einer tragischen Demonstration von Antisemitismus.

Bundesaußenminister Heiko Maas hat sich über die Schüsse mit zwei Toten vor einer Synagoge in Halle erschüttert gezeigt. Dass am jüdischen Versöhnungsfest Jom Kippur "auf eine Synagoge geschossen wird, trifft uns ins Herz", schrieb Maas auf Twitter. "Wir alle müssen gegen den Antisemitismus in unserem Land vorgehen", betonte er.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff sagte nach der Tat. "Es wurden durch sie nicht nur Menschen aus unserer Mitte gerissen, sie ist auch ein feiger Anschlag auf das friedliche Zusammenleben in unserem Land". Er kehrte von einer Konferenz in Brüssel vorzeitig zurück.

Josef Schuster, der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, erhob Vorwürfe gegen die Polizei: Dass die Synagoge an einem Feiertag wie Jom Kippur nicht durch die Polizei geschützt war, sei "skandalös". "Wie durch ein Wunder ist nicht noch mehr Unheil geschehen", so Schuster. "Die Brutalität des Angriffs übersteigt alles bisher Dagewesene der vergangenen Jahre und ist für alle Juden in Deutschland ein tiefer Schock." Die jüdische Gemeinschaft sei "aufs Tiefste in Sorge versetzt und verängstigt", so Schuster.

Kirchen entsetzt über Angriff

Die Attacke sei "abscheulich und unerträglich", sagte der Bischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Friedrich Kramer. Sein katholischer Amtskollege Gerhard Feige übermittelte von einer Konferenz in Bosnien-Herzegowina aus ebenfalls Bestürzung: "Es ist eine menschliche Katastrophe, dass Juden in Deutschland nicht in Frieden leben und Jom Kippur feiern können."

Spurensicherung am Tatort in Halle | Bildquelle: REUTERS
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Spurensicherung am Tatort in Halle

Parteien bekunden Solidarität mit Opfern

Bundeskanzlerin Merkel sprach den Angehörigen der Opfer ihr tiefes Beileid aus. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, die Bundesregierung hoffe, dass der Täter oder die Täter schnell gefasst würden. Die Gedanken gingen "an die Freunde und die Familien der Todesopfer".

Auch Vize-Kanzler Olaf Scholz äußerte sich bestürzt am Rande des Treffens der Euro-Finanzminister in Luxemburg: "Das sind sehr erschütternde Nachrichten, die wir aus Halle bekommen haben." Ganz klar sei, "dass auch die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes jüdischen Glaubens sicher sein können, dass wir mit unseren Herzen bei ihnen sind und wir ihnen die ganze Solidarität übermitteln, die uns überhaupt möglich ist", so Scholz. Der CSU-Vorsitzende Markus Söder betonte ebenfalls, dass das Land an der Seite der jüdischen Gemeinden stehe.

Der Grünen-Politiker Cem Özdemir twitterte: "Schreckliche Nachrichten aus Halle, heute am jüdischen Versöhnungstag Jom Kippur. Ich bin erschüttert und traurig." Allen Verletzten und Angehörigen wünschte er viel Kraft und dankte den Einsatzkräften.

Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch schrieb auf Twitter: "Am höchsten jüdischen Feiertag ein Anschlag auf jüdisches Leben in Deutschland - ekelhaft! Antisemitismus darf in unserer Gesellschaft keinen Millimeter Platz haben."

AfD-Fraktionschefin Alice Weidel schrieb auf Twitter: "Meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien. Ich hoffe, die Polizei fasst den oder die Täter schnell, ohne dass weitere Menschen zu Schaden kommen."

Schweigeminute im Europaparlament

Auch aus dem Ausland kamen bestürzte Reaktionen. UN-Generalsekretär António Guterres bewertete den Vorfall als "eine weitere tragische Demonstration von Antisemitismus", teilte ein UN-Sprecher mit. Er bekundete sein "tiefstes Beileid" für Betroffene.

Das Europaparlament legte eine Schweigeminute für die Opfer ein. In Gedanken sei man bei Deutschland, der deutschen Polizei und bei der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland, sagte Parlamentspräsident David Sassoli.

Auch der Chef der größten britischen Oppositionspartei, Jeremy Corbyn, verurteilte den Angriff: "Das ist eine schockierende Attacke während Jom Kippur, einem der heiligsten Tage im Jahr des jüdischen Kalenders", schrieb der Labour-Chef auf Twitter. Seine Gedanken seien bei den Verletzten, Trauernden und bei den jüdischen Gemeinschaften in Halle sowie überall auf der Welt.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 09. Oktober 2019 um 19:15 Uhr.

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