Wladimir Putin und Joe Biden geben sich die Hand. | AFP

Reaktionen auf Biden und Putin Handschlag weckt Hoffnungen

Stand: 17.06.2021 10:28 Uhr

Reden ist Gold: Die deutschen Reaktionen auf die Gespräche von US-Präsident Biden und Russlands Präsident Putin in Genf fallen weitgehend positiv aus.

 Von Kai Küstner, ARD-Hauptstadtstudio

Sie reden miteinander - und das ist aus Sicht deutscher Politiker schon mal ein Wert an sich. Eine Selbstverständlichkeit sei das Treffen des US-Präsidenten Joe Biden mit Russlands Präsident Wladimir Putin jedenfalls nicht gewesen, befand Außenminister Heiko Maas, "nach allem, was in den letzten Wochen so losgewesen ist", so Maas wörtlich.

Kai Küstner ARD-Hauptstadtstudio

Im ZDF verwies er darauf, dass es sich nicht nur um ein sehr positives Gespräch gehandelt zu haben schien, sondern auch Vereinbarungen getroffen wurden, dass man sich etwa über Rüstungskontrolle weiter unterhalten wolle. "Die Tatsache, dass man sich zu so einem Gespräch bereit erklärt hat, muss ja auch einen Grund haben. Und der Grund kann ja nur sein, dass man bereit ist, bestimmte Konflikte aufzulösen", meint Maas.

"Anfang von Rückkehr zur diplomatischen Normalität"

"Wir haben den Anfang von Rückkehr zur diplomatischen Normalität und ein bisschen eine persönliche Ebene." Auf diese vorsichtige Formulierung brachte es der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen. Mehr sei nicht zu erwarten gewesen, so der CDU-Politiker im WDR.

Lob für Biden

Der Transatlantikkoordinator der Bundesregierung, Peter Bayer, sieht US-Präsident Biden auf dem richtigen Kurs: Er spreche Missstände wie den Ukraine-Konflikt oder den Fall Nawalny offen an, lobte Bayer gegenüber der Funke-Mediengruppe. Das wirke, Putin nehme Biden ernst.

Mehr Entschlossenheit des Westens im Umgang mit dem Kreml-Chef wünscht sich der Vorsitzende der Konservativen im EU-Parlament, Manfred Weber: "Gemeinsam können die USA und die EU ihm seine Grenzen aufzeigen", sagte der CSU-Politiker der "Bild"-Zeitung.

Expertin wirbt für europäische Hilfe für Biden

Gestern hatten sich die Präsidenten der USA und Russlands in Genf zu einem ersten Gipfel getroffen. Sie hatten sich auf die Rückkehr ihrer zuvor jeweils abgezogenen Botschafter geeinigt und auch die Grundlage für Gespräche zur Rüstungskontrolle und zum Ukraine-Konflikt gelegt.

Der US-Präsident will, dass Russland nicht zu sehr in Richtung des Rivalen China driftet. Dabei sollen auch Deutschland und Europa helfen, meint die Außenpolitik-Expertin Constanze Stelzenmüller von der Brookings Institution im WDR. "Bei dem Punkt können die Europäer - durch die Übernahme von Sicherheitsaufgaben in ihrer eigenen Region - viel tun. Wir haben durchaus ein Interesse daran, dass der Kampf um die Demokratie in Amerika nicht verloren geht."

Dem US-Präsidenten so weit entgegenkommen, dass man auf die umstrittene Russland-Pipeline Nord Stream 2 verzichtet, will die Bundesregierung aber dann natürlich doch nicht. Das hatte sie zuletzt immer wieder klargestellt.

In Trump-Zeiten wurde der transatlantische Scherbenhaufen mit jedem Besuch des US-Präsident in Europa ein Stück höher. Die Biden-Reise hingegen dürfte als Signal in Erinnerung bleiben, dass jetzt nicht nur Scherben zusammengekehrt werden, sondern wieder zusammengearbeitet wird. Der US-Präsident, so sieht es Unions-Fraktionsvize Johann Wadephul, habe auch mit dem Putin-Gespräch gezeigt, dass er es ernst meint mit der europäischen Partnerschaft.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 17. Juni 2021 um 07:32 Uhr.