Motorräder mit der Aufschrift der "Bandidos" | dpa

Durchsuchungen in fünf Ländern Großrazzia gegen "Bandidos"-Rocker

Stand: 01.07.2021 14:51 Uhr

Wegen des "dringenden Verdachts" auf Straftaten ist die Polizei in fünf Bundesländern mit Razzien gegen die Rockergruppe "Bandidos" vorgegangen. Fast 1800 Beamte waren im Einsatz. Sie fanden unter anderem Waffen und Munition.

Mit fast 1800 Beamten ist die Polizei in fünf Bundesländern gegen die Rockervereinigung "Bandidos" vorgegangen. Sie hätten insgesamt 104 Objekte durchsucht und dabei Waffen, Munition und "größere Mengen Bargeld" sichergestellt, teilte das Bundesinnenministerium mit. Innenminister Horst Seehofer habe die Razzien wegen des "dringenden Verdachts" auf Straftaten angeordnet.

Der Verein strebe "einen territorialen und finanziellen Machtzuwachs gegenüber konkurrierenden rockerähnlichen Gruppierungen an und setzt entsprechende Ansprüche auch mit Gewalt durch", erklärte das Ministerium. Schwerpunkt der Razzien sei Nordrhein-Westfalen gewesen, Durchsuchungen fanden aber auch in Niedersachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen statt. 

Vereinshäuser und Wohnungen durchsucht

"Bund und Länder gehen mit allen Mitteln des Rechtsstaats gegen jede Form der Kriminalität vor", erklärte Seehofer. Die Einsätze richteten sich gegen die Gruppierung "Bandidos MC Federation West Central". Sie seien "störungsfrei" verlaufen.

Schwerpunkt NRW

Allein in Nordrhein-Westfalen durchsuchten 1300 Polizeikräfte seit den frühen Morgenstunden mehr als 86 Vereinshäuser und Wohnungen. Laut Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) wurden auch Drogen und Motorräder sichergestellt. "Wir vermuten, dass die Rockermitglieder gegen Recht und Gesetz verstoßen und schwerwiegende Straftaten begehen", sagte der Minister. Das Gewaltmonopol habe der Rechtsstaat, "nicht irgendwelche Rocker-Clubs", betonte er.

In Deutschland seit 1999

Dem Bundesinnenministerium zufolge wurde der "Bandidos MC" 1966 im US-amerikanischen Texas gegründet und ist in Deutschland seit 1999 vertreten. Der Vereinszweck sehe eigentlich allein die Förderung des gemeinsamen Motorradfahrens vor.

Schießereien auf offener Straße

Im vergangenen April hatte die Polizei im Ruhrgebiet das Verbot eines Ortsverbandes der berüchtigten Rockergruppe durchgesetzt. "Auf das Konto dieser Mitglieder gehen versuchter Mord, gefährliche Körperverletzung und Verstöße gegen das Waffengesetz. Es gab Schießereien auf offener Straße", sagte Reul damals. Das Bandidos-Chapter "Witten/Hohenlimburg" und die dazu gehörende Teilorganisation "Los Compadres Hagen" seien verboten und aufgelöst worden, "weil es sich um eine kriminelle Vereinigung handelt". Gegen das Verbot ging später eine Klage beim Oberverwaltungsgericht in Nordrhein-Westfalen ein. Im März war in Baden-Württemberg die Rockervereinigung "Gremium MC Southgate" verboten worden.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 01. Juli 2021 um 14:45 Uhr.