Blick von der Raumstation ISS auf die Erde  | Bildquelle: dpa

Raumfahrtkontrollzentrum Nach den Sternen greifen - seit 50 Jahren

Stand: 01.03.2018 04:59 Uhr

Sobald ein Satellit in die Erdumlaufbahn startet, muss er von Spezialisten am Boden betreut werden. In Deutschland ist dafür das Raumfahrtkontrollzentrum zuständig. Vor 50 Jahren eröffnete es.

Von David Globig, BR

Wenn Dieter Sabath eine spektakuläre Aussicht haben will, wie sie sonst nur Astronauten vorbehalten ist, dann zieht es ihn auf die Besucherbrücke des Deutschen Raumfahrtkontrollzentrums in Oberpfaffenhofen. Von der verglasten Galerie aus kann er in die einzelnen Kontrollräume sehen. Im Kontrollraum K4 laufen auf einer riesigen Projektionswand rund um die Uhr Live-Bilder von der Internationalen Raumstation ISS. Der Projektleiter für den Betrieb des europäischen Forschungsmoduls "Columbus" gerät beim Anblick der Erde ins Schwärmen: "Das sind natürlich die schönsten Bilder, die man sonst nicht sieht. Das genieße ich, wenn ich hier vorbeigehe."

Seit zehn Jahren kreist "Columbus" als Teil der ISS um die Erde. Und genauso lange ist das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR mit dem German Space Operations Center (GSOC), wie das Raumfahrtkontrollzentrum auf Englisch heißt, für das Weltraumlabor zuständig.

In drei Schichten, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Das Team in Oberpfaffenhofen koordiniert das wissenschaftliche Programm im Weltraumlabor und sorgt dafür, dass die Ressourcen für die Versuche ausreichen. "Wir sind dafür verantwortlich, dass das Columbus-System funktioniert", erklärt Sabath. "Wir sind diejenigen, die Strom und Kühlung für die Experimente zur Verfügung stellen, die Messdaten zur Erde leiten und an die Wissenschaftler weiterverteilen."

Weltraumlabor "Columbus" | Bildquelle: picture-alliance/ dpa
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Das Weltraumlabor "Columbus" gilt als "Außenposten der Menschheit im All" und wird vom Raumfahrtkontrollzentrum betreut.

Start unter Zeitdruck

Vor 50 Jahren war allerdings nicht absehbar, dass das Kontrollzentrum einmal so intensiv mit bemannter Raumfahrt beschäftigt sein würde. Als am 1. März 1968 das erste Team aus fünf Physikern und Ingenieuren seine Arbeit aufnahm, ging es erst einmal darum, in kürzester Zeit ein Satelliten-Kontrollzentrum zu planen und einzurichten. Knapp ein Jahr später stand bereits der Rohbau. Und ab November 1969 hatte die inzwischen mehr als 50-köpfige Mannschaft ihre erste Bewährungsprobe zu bestehen: Acht Monate lang steuerte sie "AZUR", den ersten deutschen Forschungssatelliten. Es folgten immer anspruchsvollere Missionen, darunter die Sonnensonden "Helios 1" und "Helios 2".

Doch ab Mitte der 1970er-Jahre blieben neue Projekte aus, und das Deutsche Raumfahrtkontrollzentrum geriet in eine Krise. Bis es in das "Spacelab"-Programm eingebunden wurde.

Kontrollzentrum überzeugt die NASA

Ulf Merbold | Bildquelle: picture-alliance / dpa/dpaweb
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Ulf Merbold war der erste Nicht-Amerikaner, der 1986 an einer Weltraum-Mission der NASA teilnahm.

Beim Jungfernflug des europäischen Raumlabors "Spacelab" mit dem deutschen Astronauten Ulf Merbold Ende 1983 betreute das GSOC von Oberpfaffenhofen aus die Experimente europäischer Materialwissenschaftler. Damit überzeugte man offenbar auch die Verantwortlichen der NASA. Zwei Jahre später, bei der ersten Spacelab-Mission unter deutscher Federführung, durfte das GSOC alle Experimente kontrollieren. Ein großer Vertrauensbeweis, wie Astronaut Reinhold Ewald betont, der mehrere Jahre für das Raumfahrtkontrollzentrum gearbeitet hat: "Das war das erste Mal, dass die NASA das aus der Hand gegeben hat. Und das war natürlich auf die gute Vorarbeit mit den anderen Missionen zurückzuführen."

Auch bei der zweiten deutschen Spacelab-Mission "D 2" herrschte Hochbetrieb in Oberpfaffenhofen. Zusätzlich zur Betriebsmannschaft waren die Wissenschaftler vor Ort, deren Experimente im Raumlabor liefen.

Wie ein Formel-1-Rennen

Parallel zu den ersten Astronauten-Missionen begann das Deutsche Raumfahrtkontrollzentrum ab Mitte der 1980er-Jahre auch wieder verstärkt Satelliten und Sonden zu betreuen. Darunter das Röntgenteleskop ROSAT, das mehr als 100.000 neue Röntgenquellen im All entdeckte. Über ein eigenes Kontrollzentrum in Köln war das GSOC auch für die Kometen-Landesonde "Philae" zuständig.

Im Moment steuert das Kontrollzentrum neben "Columbus" sechs Satellitenmissionen, darunter das Satelliten-Paar "TerraSAR-X" und "TanDEM-X". Die beiden Radarsatelliten erstellen ein digitales Höhenmodell unseres Planeten. Dazu rasen sie im engen Formationsflug um die Erde. Gleichzeitig schrauben sich ihre Bahnen umeinander.

Zwillingssatelliten TanDEM-X und TerraSAR-X | Bildquelle: dapd
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Die Zwillingssatelliten TanDEM-X und TerraSAR-X machen während ihres Formationsflugs Aufnahmen desselben Gebiets. Ziel der Mission ist die Erstellung eines dreidimensionalen Höhenmodells der gesamten Erdoberfläche.

Dr. Martin Wickler, den stellvertretenden Leiter im Missionsbetrieb des GSOC, erinnert das an ein Formel-1-Rennen: "Die Satelliten fliegen in 200 Meter Abstand mit 27.000 Kilometer pro Stunde. Es ist fast so, als wenn Vettel in Monaco durch die Straßen fetzt. Man sollte schauen, dass die Satelliten nicht irgendwie zusammenstoßen."

Denn das wäre das Ende der Mission. Entspannt zurücklehnen kann sich die Mannschaft des Deutschen Raumfahrtkontrollzentrums auch nach 50 Jahren und mehr als 70 Missionen also nicht.

50 Jahre Deutsches Raumfahrtkontrollzentrum GSOC
David Globig, BR
01.03.2018 13:53 Uhr

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Über dieses Thema berichtete BR2 Radio am 01. März 2018 um 11:45 Uhr.

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