Prozessauftakt in Stuttgart | Bildquelle: dpa

Prozessauftakt in Stuttgart Anschlagsplan oder Missverständnis?

Stand: 12.11.2018 13:07 Uhr

In Stuttgart hat der Prozess gegen einen Mann begonnen, der 2017 einen Terroranschlag in Karlsruhe geplant haben soll. Er bestreitet das. Eine Schlüsselrolle im Verfahren hat ein Polizeispitzel.

Von Holger Schmidt, ARD-Terrorismusexperte

Die Positionen könnten nicht unterschiedlicher sein: Der Generalbundesanwalt wirft dem 29-jährigen Dasbar W. aus Freiburg vor, Mitglied in der Terrormiliz "Islamischer Staat" zu sein und in der Weihnachtszeit 2017 einen Anschlag auf dem Karlsruher Schlossplatz geplant zu haben.

Dasbar W. hingegen sagt, er gehöre nicht zum IS, sondern habe ganz im Gegenteil Sympathien für die kurdischen Peschmerga. Außerdem hatte er kurz vor seiner Festnahme im Dezember 2017 einen Türken bei der Polizei in Karlsruhe angezeigt, weil ihn dieser angeblich zu einem Anschlag anstiften wolle.

Polizist steht vor einer Absperrung auf dem Karlsruher Schlossplatz | Bildquelle: picture alliance / Thomas Riedel
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Großeinsatz der Polizei auf dem Schlossplatz im Dezember 2017

Polizeispitzel der eigentliche Kriminelle?

Pikant ist dabei, dass dieser Türke ein Polizeispitzel war. Unter anderem auf seinen Angaben beruht die Anklage des Generalbundesanwalts. Geschickt hatten die Ermittler ihren Spitzel in die Nähe von Dasbar W. gebracht. Während eines Kurses für den Gabelstapler-Führerschein kamen die beiden Männer in Kontakt.

Mit dabei war auch der völlig unbeteiligte Karlheinz H. aus Karlsruhe Oberreut. Er erzählt im SWR, wie sich gleich am ersten Tag des Kurses ein Streit über den Fastenmonat Ramadan entwickelt habe. So seien sich Dasbar W. und der Polizeispitzel nahegekommen.

Spaziergänge im Park

Der Kontakt zwischen den Männern wurde im Laufe des Jahres 2017 immer intensiver. Die Polizei erfuhr so von den angeblichen Anschlagsplänen. Bei Spaziergängen über den Schlossplatz in Karlsruhe schilderte Dasbar W. angeblich seine Pläne.

Die Polizei observierte diese Spaziergänge. Entscheidende Sätze des mutmaßlichen Terroristen hörte aber nur der Polizeispitzel. Vor dem Oberlandesgericht Stuttgart dürfte seine Glaubhaftigkeit deshalb eine wichtige Frage werden. Doch bislang weigert sich das Innenministerium in Stuttgart offenbar, die Identität des Mannes preiszugeben.

Ordner für Pierre Vogel

Ist alles also ein Missverständnis oder sogar eine Falle? In diese Richtung wird wohl die Verteidigung vor Gericht argumentieren. Die Familie von Dasbar W. soll den kurdischen Peschmerga nahestehen und mit Islamisten oder Salafisten nichts am Hut haben.

Doch nach SWR-Recherchen war Dasbar W. zumindest im Jahr 2014 in der deutschen Salafistenszene sehr aktiv. Foto- und Videoaufnahmen zeigen ihn bei einer Koran-Verteilungsaktion und sogar als Ordner mit Warnweste bei einer Veranstaltung des radikalen Predigers Pierre Vogel auf dem Kartoffelmarkt in Freiburg. Drei Jahre später kontrollierte die Bundespolizei Dasbar W. just in dem Moment, als er mit dem Zug aus Hildesheim von einem Salafistentreffen kam.

Taten noch schlimmer, als gedacht?

Der Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Stuttgart unter dem Vorsitz von Richter Herbert Anderer wird nun in den kommenden Wochen klären müssen, wer die Wahrheit sagt und wie groß die Gefahr eines Anschlags in Karlsruhe war.

Einen Hinweis auf seine Sichtweise hat Herbert Anderer schon mit seinem Eröffnungsbeschluss gegeben. Er teilte Dasbar W. mit, dass es auch um die Straftat des Sichbereiterklärens zum Mord an vielen Menschen gehen könne - und damit um einen schwereren Vorwurf, als ihn der Generalbundesanwalt zunächst erhoben hatte.

Angeklagter soll Anschlag auf Karlsruher Eislaufbahn geplant haben
tagesschau 12:00 Uhr, 12.11.2018, Kolja Schwartz, SWR

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Über dieses Thema berichtete B5 akutell am 12. November 2018 um 06:36 Uhr.

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