Helge Braun | Bildquelle: ANDREAS GORA/POOL/EPA-EFE/Shutte

Kanzleramtschef Braun Gelassener Krisenmanager

Stand: 21.05.2020 08:06 Uhr

Bei Kanzleramtschef Braun laufen in der Corona-Krise die Fäden zusammen. Er gilt als fleißig, verschwiegen - und manchmal zu risikoscheu. Porträt eines gelassenen Krisenmanagers.

Von Sabine Müller, ARD-Hauptstadtstudio

Wenn Kanzleramtschef Helge Braun über die Corona-Krise redet, dann hört man einerseits, was das für eine Riesen-Herausforderung ist: "Diese Krise ist völlig unvergleichlich mit anderen, die wir zuvor erlebt haben, wie die Finanzkrise oder die Flüchtlingskrise, weil jetzt ist wirklich jeder in Deutschland betroffen."

Andererseits wirkt der 47-Jährige so tiefenentspannt und gut gelaunt, dass man glatt glauben könnte, es sei gerade gar nicht Besonderes los.

Einer der härtesten Jobs in der Regierung

Dabei hat Braun einen der härtesten Jobs in Berlin, denn beim "Chef BK" laufen alle Fäden des Regierens zusammen, er muss Ministerien genauso koordinieren wie die Zusammenarbeit mit den Bundesländern. Braun ist ziemlich verschwiegen, versucht allerdings nicht so zu tun, als laufe immer alles glatt. Manchmal gebe es "auch mal richtig Streit".

Aber der Kanzleramtschef bleibe immer gelassen und freundlich, sagen Menschen, die ihn in diesen Wochen regelmäßig erleben. Vielleicht ist es seine Vergangenheit als Narkosearzt, die ihn gestählt hat. Er hat mal gesagt, das Kanzleramt sei wie Intensivstation. Vermutlich hilft auch, dass er am Wochenende immer zuhause bei seiner Frau in Gießen auftankt: "Es ist dann immer so, dass man dann trotzdem zwischen Rasen mähen und Essen kochen viele Telefonate führen muss, aber zuhause sein ist einfach schön."

Überzeugt vom Corona-Kurs

Und Braun ist wohl auch deshalb so gelassen, weil er den festen Glauben ausstrahlt, dass der bisherige Corona-Kurs der Regierung richtig war. In den vergangenen Wochen habe er viel mit befreundeten Medizinern gesprochen, die er noch aus Studium und früherem Job kenne: "Das hat mir auch nochmal sehr viel Sicherheit gegeben, ob wir mit unseren Entscheidungen richtig liegen."

"Unsere Entscheidungen", sagt Braun - er meint damit die Regierung, aber auch sich und Kanzlerin Angela Merkel: "Wir versuchen - und das ist glaube ich einer Physikerin und einem Mediziner einfach eigen - sehr gut auf einer wissenschaftlich fundierten Basis zu entscheiden."

Lob für den Aktenfresser

Braun sei ein Aktenfresser, pussele gern mit seinen Excel-Tabellen vor sich hin, erzählt ein Augenzeuge. Der Chef des Kanzleramts steht nicht im Vordergrund und vergleichsweise selten in der Öffentlichkeit - genau wie der Anästhesist hinter dem Chirurgen zurücktritt. Aber für Braun ist klar: "Wenn Kommunikation von mir erforderlich ist, dann mach ich’s auch."

Zuletzt gab er vermehrt Interviews, weil er den Corona-Verschwörungsmythen, die gerade sprießen, etwas entgegensetzen wollte. Wer sich in Berlin umhört, stößt auf viel Lob für Braun, unter anderem, weil er als fair und extrem gut organisiert gilt.

Aber es gibt auch leise Kritik: Braun sei zu risikoscheu, sei maßgeblich mitverantwortlich für den vorsichtigen Kurs der Kanzlerin. Im Moment macht Corona 80 Prozent von Brauns Arbeit aus, aber die anderen 20 haben es auch in sich, zum Beispiel muss die EU-Ratspräsidentschaft vorbereitet werden.

80 Prozent Corona - wie lange wohl noch? Er sei da optimistisch, dass das nicht mehr lange so viel Zeit in Anspruch nehmen werde, sagt Braun.

Sorgenvoller Blick auf den Sommer

Aber der Blick Richtung Sommer macht dem Kanzleramtschef Sorgen: Wie wird sich die Urlaubszeit auswirken, falls wir tatsächlich wieder nach Mallorca fliegen und dort vielleicht die Clubs aufhaben? Dann könnte es nochmal heftig werden, glaubt Braun. Deshalb ist schon klar: Er wird in diesem Sommer keinen Urlaub machen, sondern durcharbeiten.

Helge Braun - Der Narkosearzt, der die Corona-Krise managt
Sabine Müller, ARD Berlin
20.05.2020 12:14 Uhr

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