Demo gegen Polizeigesetz in Hannover | Bildquelle: dpa

Hannover und Düsseldorf Demos gegen mehr Befugnisse für Polizei

Stand: 08.12.2018 20:20 Uhr

Bayern hat schon ein neues Polizeigesetz, in NRW und Niedersachsen soll es kommen - und überall gibt es Protest. In Düsseldorf und Hannover gingen Tausende auf die Straße. Ihre Sorge: Einschränkung der Bürgerrechte.

Mehrere Tausend Menschen haben in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen gegen geplante Verschärfungen der jeweiligen Landespolizeigesetze demonstriert. In der NRW-Landeshauptstadt Düsseldorf gingen nach Polizeischätzung knapp 3000 Menschen auf die Straße, die Veranstalter sprachen von 5000 Teilnehmern. In der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover waren es laut Polizei etwa 2000, laut Veranstalter 6000 Demonstranten.

Mehr Befugnisse zur Terrorabwehr

Mit den Gesetzesverschärfungen wollen die beiden Landesregierungen der Polizei mehr Befugnisse zur Terrorabwehr und gegen die Alltagskriminalität geben. In Niedersachsen etwa ist eine bis zu 74-tägige Präventionshaft für Gefährder und der Einsatz von Schadsoftware zum Ausspähen von Verdächtigen vorgesehen.

Thilo Weichert, ehemaliger Datenschutzbeauftragter von Schleswig-Holstein, sagte auf einer Kundgebung in Hannover: "Wir haben sehr viel gegen die totale Durchleuchtung des gesamten Lebens der Bevölkerung." Die derzeitigen Instrumente der Polizei seien völlig ausreichend.

Demo gegen Polizeigesetz in Hannover | Bildquelle: dpa
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In Hannover hatte ein breites Bündnis zu der Kundgebung aufgerufen.

"Schritt auf dem Weg in einen autoritären Polizeistaat"

Eine Sprecherin vom Bündnis "#NoNPOG" in Hannover sagte, das geplante Gesetz wäre ein weiterer Schritt auf dem Weg in einen autoritären Polizeistaat, der die Bürgerrechte einschränke. Dort hatte ein Bündnis aus rund 150 Partnern zu den Protesten aufgerufen, darunter Gewerkschaften, Umweltgruppen, antifaschistische Initiativen, Parteien wie die Linke und die Grünen und deren Jugendorganisationen.

In Niedersachsen gehört die Erneuerung des Polizeigesetzes zu den zentralen Vorhaben der rot-schwarzen Regierungskoalition. SPD und CDU hatten in ihrem Koalitionsvertrag angekündigt, das Gesetz bis zum Ende des Jahres zu verabschieden.

Warnung vor "Kriminalisierung von Protesten"

In Nordrhein-Westfalen wollen CDU und FDP mit ihrer Regierungsmehrheit den inzwischen mehrfach veränderten Gesetzentwurf schon in der kommenden Woche durch den Landtag bringen. Bei der Kundgebung in Düsseldorf warnten Sprecher des veranstaltenden "Komitees für Grundrechte und Demokratie" vor einer künftigen "Kriminalisierung von Protesten". Die Demonstranten warfen der NRW-Landesregierung vor, mit den vorgelegten Änderungen am geplanten Gesetz nur Augenwischerei zu betreiben.

Das neue Polizeigesetz soll die Befugnisse der Polizei etwa bei der Überwachung von digitaler Kommunikation und dem Umgang mit Gefährdern deutlich ausweiten. Die NRW-Landesregierung hatte nach Kritik am Entwurf bereits die ursprüngliche Verabschiedung im Landtag verschoben und Änderungen im Oktober vorgelegt.

In Bayern war bereits im Mai ein neues Polizeigesetz beschlossen worden. Auch dagegen hatte es massive Proteste gegeben. In München waren Zehntausende auf die Straße gegangen. Die Bundestagsfraktionen von Grünen, Linkspartei und FDP reichten Verfassungsklage gegen das bayerische Gesetz ein, weil sie in ihm einen "Angriff auf die Grundrechte" sehen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. Dezember 2018 um 19:00 Uhr.

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