Träger mit Bakterien | dpa

Paul-Ehrlich-Preis für Mikrobiologen Wie Bakterien sich verständigen

Stand: 27.01.2021 18:38 Uhr

Die Arbeit von zwei US-Mikrobiologen könnte helfen, Antibiotika zu vermeiden. Denn sie haben entdeckt, wie Bakterien miteinander kommunizieren. Dafür erhalten sie den Paul-Ehrlich- und Ludwig-Darmstaedter-Preis.

Bakterien sind keine Einzelkämpfer. Angriffe auf den Wirt gelingen ihnen nur im Team, aber dafür müssen sie miteinander kommunizieren. Zwei amerikanische Mikrobiologen haben entdeckt, wie sich Bakterien verständigen. Dafür erhalten sie den mit 120.000 Euro dotierten Paul-Ehrlich- und Ludwig-Darmstaedter-Preis. Die Arbeit von Bonnie L. Bassler und Michael R. Silverman könnte helfen, Antibiotika zu vermeiden, wie die Paul-Ehrlich-Stiftung berichtete.

Kommunikation der Bakterien stören

Die beiden haben gezeigt, "dass kollektives Verhalten nicht nur die Regel unter vielzelligen Organismen ist, sondern auch unter Bakterien", wie es in der Begründung der Jury heißt. Die Kommunikation zwischen Bakterien sei "eine Achillesferse", die neue Ansätze liefere, Mikroben zu bekämpfen: "Statt Bakterien mit Antibiotika zu töten, können nun Substanzen entwickelt werden, die die bakterielle Kommunikation unterbinden. Die Forschung der Preisträger hat damit eine erhebliche Relevanz für die Medizin."

Silverman und Bassler haben herausgefunden, dass Bakterien Signale senden und empfangen. Die Mikroorganismen wollen wissen, ob sie allein oder mit vielen Artgenossen vor Ort sind. Für diese Kommunikation wurde der Begriff "Quorum Sensing" geprägt. Um die Zahl an Bakterien zu messen, analysieren sie bestimmte Sprachmoleküle. Überschreitet die Konzentration einen bestimmten Schwellenwert, setzt ein gruppenspezifisches Verhalten ein.

Bonnie L. Bassler | dpa

Die US-amerikanischen Mikrobiologen Bonnie Bassler und ... Bild: dpa

Michael Silverman | dpa

... Michael Silverman haben herausgefunden, dass Bakterien Signale senden und empfangen. Bild: dpa

Erstmals bei Zwergtintenfischen entdeckt

Silverman hatte das Phänomen erstmals in den 1980er-Jahren bei Zwergtintenfischen entdeckt, die nachts blau-grün leuchten - dank eines Bakteriums. Bassler entdeckte Anfang der 1990er-Jahre, dass es noch andere Sprachmoleküle gibt. Sie informieren die Bakterien, ob auch andere Arten vor Ort sind und wer in der Überzahl ist. Bakterien sind also nicht nur äußerst kommunikativ, so der Stiftungsrat, sie beherrschen sogar mehrere Sprachen.

Wichtig für die Antibiotika-Forschung

Die Bedeutung dieser Erkenntnisse sei "erst kürzlich in ihrer ganzen Tragweite erkannt worden", sagte der Vorsitzende des Stiftungsrats, Thomas Boehm. Inzwischen sei bekannt, dass alle Bakterien auf diese Weise kommunizieren. "Das hat nicht nur zu einem fundamentalen Perspektivenwechsel in der Bakteriologie geführt, sondern ebenso zu gänzlich neuen Ansätzen in der Antibiotika-Forschung."

Bassler lehrt an der Princeton University und dem Howard Hughes Medical Institute (New Jersey), Silverman arbeitete vor seiner Emeritierung am Agouron Institute in La Jolla (Kalifornien).

Wegen der Corona-Pandemie wird die Preisverleihung erst am 14. März 2022 stattfinden - zusammen mit der Ehrung der Preisträger des nächsten Jahres.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. Januar 2021 um 20:00 Uhr.