Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßt US-Präsident Barack Obama. | dpa

Obama kommt nach Berlin Abschiedsbesuch bei "Freundin Angela"

Stand: 16.11.2016 11:14 Uhr

"Eine Freundin", seine "engste internationale Verbündete" hat er sie genannt: US-Präsident Obama und Kanzlerin Merkel verstehen sich gut miteinander. Doch nicht immer war ihr Verhältnis so unkompliziert. Heute wird der scheidende US-Präsident in Berlin erwartet.

Der scheidende US-Präsident Barack Obama hat keinen Zweifel daran gelassen, dass er und Bundeskanzlerin Angela Merkel sich gut verstehen. Zum Abschied kommt er nun noch einmal zu einem mehrtägigen Besuch nach Deutschland, am Abend landet er auf dem Flughafen Tegel in Berlin. Vermutlich freuen sich Obama und Merkel auf ihr Treffen: Sie sind in den vergangenen acht Jahren zu einem bewährten Gespann geworden. Sie eint ein unaufgeregter Politikstil und ein ähnlicher Blick auf die Welt.

Kanzlerin Merkel gestikuliert vor dem auf einer Bank sitzenden US-Präsidenten Obama | picture alliance / dpa

Kanzlerin Merkel im Gespräch mit US-Präsident Obama beim G7-Gipfel auf Schloss Elmau in Bayern (Archiv) Bild: picture alliance / dpa

Merkel war für Obama wichtige Ansprechpartnerin

In seiner Amtszeit war Merkel für Obama als Regierungschefin der größten Volkswirtschaft in Europa nicht nur in ökonomischen Fragen eine wichtige Ansprechpartnerin, auch bei der Beilegung internationaler Krisen setzte Washington verstärkt auf die Bundesrepublik. Außenminister Frank-Walter Steinmeier und weitere deutsche Diplomaten spielten eine wichtige Rolle bei den Verhandlungen über das Atomabkommen mit dem Iran, in der Ukraine-Krise übertrug Obama die Verhandlungsbemühungen praktisch der Kanzlerin.

Merkel und Obama setzten sich zudem beide für Freihandel ein und warben für das umstrittene TTIP-Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union. Als Obama der Kanzlerin im Juni 2011 die Freiheitsmedaille verlieh, die höchste zivile Auszeichnung der USA, pries er sie als "eloquente Stimme für Menschenrechte und Würde weltweit". Bestätigt sah sich der US-Präsident in seiner Einschätzung einige Jahre später durch die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin. Bei einem Besuch im vergangenen Frühjahr in Hannover sagte er, Merkel werde mit ihrer Entscheidung zur Aufnahme von Hilfesuchenden aus den Krisengebieten des Nahen Ostens "auf der richtigen Seite der Geschichte" stehen.

Merkel telefoniert | dpa

Mit Empörung reagierte Merkel im Oktober 2013 auf Berichte, dass ihr eigenes Handy von 2002 bis 2013 Ziel von US-Geheimdienst NSA ausgespäht wurde. Sie kritisierte das als Vertrauensbruch. Echte Konsequenzen hatte die Affäre aber nicht, da die Kanzlerin die Beziehungen zu den USA nicht gefährden wollte. Bild: dpa

Doch das Verhältnis war nicht immer einfach

Doch nicht immer war das Verhältnis zwischen dem US-Präsidenten und der Kanzlerin so unkompliziert wie heute. Im Sommer 2008, als Obama noch Präsidentschaftskandidat war, verweigerte Merkel dem als Hoffnungsträger gefeierten Politiker den gewünschten Redeauftritt vor dem Brandenburger Tor. 2013 belasteten die ausufernden Spionageaktivitäten des US-Geheimdienstes NSA in Deutschland die Beziehungen, sogar das Handy von Merkel wurde offenbar abgehört. "Ausspähen unter Freunden, das geht gar nicht", sagte die Kanzlerin damals.

Und kurz zuvor verfolgte Obama mit großer Skepsis die deutschen Rettungsbemühungen in der Euro-Krise. Der Präsident hielt den von der Bundesregierung verfochtenen Sparkurs für falsch. In diesem Punkt vertreten Obama und Merkel bis heute unterschiedliche Auffassungen: So forderte der US-Präsident bei seinem Abschiedsbesuch in Griechenland einen Schuldenschnitt für das Land. Vor seinem Abflug von Athen nach Berlin wird Obama heute zudem eine mit Spannung erwartete Grundsatzrede halten - Beobachter sprachen von einer "Vermächtnisrede".

Und wie geht es weiter?

Die griechischen Sorgen werden vermutlich auch Thema des Treffens zwischen Obama und Merkel sein. Wahrscheinlich reden beide auch über das Verhältnis zu Russland, denn darüber wollen die Kanzlerin und der US-Präsident auch am Freitag mit dem französischen Präsidenten Francois Hollande, dem italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi, dem spanischen Regierungschef Mariano Rajoy und der britischen Premierministerin Theresa May sprechen.

Und ganz sicher geht es um den künftigen US-Präsidenten Donald Trump. Denn zwischen ihm und Merkel gibt es nicht viele Gemeinsamkeiten. Und dass er die Kanzlerin irgendwann einmal seine "engste internationale Verbündete" nennen wird, gilt als mehr als unwahrscheinlich.

Obama im Interview

Der amtierende US-Präsident Barack Obama stellt sich bei seinem Besuch in Berlin den Fragen von "Spiegel"-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer und WDR-Chefredakteurin Sonia Seymour Mikich. In dem Interview soll es unter anderem um die Wahl von Donald Trump, die Bilanz der Regierungszeit Obamas und das deutsch-amerikanische Verhältnis gehen. Das Interview wird nach einer verkürzten Ausgabe der tagesschau am Donnerstag ab 20.11 Uhr im Ersten ausgestrahlt. "Der Spiegel" berichtet ausführlich in seiner Ausgabe am 19. November.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. November 2016 um 09:00 Uhr.