Ortsschild Nürburg | Bildquelle: SWR

tagesthemen mittendrin Gähnende Leere statt "Rock am Ring"

Stand: 05.06.2020 11:40 Uhr

Kein Festival, keine Autorennen - und bis zu einer Million weniger Besucher: Das Verbot von Großveranstaltungen in der Corona-Krise trifft die Region um den Nürburgring hart.

Von Ute Spangenberger, SWR

Es ist ruhig am Nürburgring, sehr ruhig. Kaum Touristen zu sehen, kaum Autos mit Kennzeichen, die nicht aus der Eifelregion kommen. Auf den Wiesen ist das Gras in die Höhe geschossen.

Eigentlich wäre hier in diesen Tagen die Hölle los. Für das "Rock am Ring"-Wochenende reisen viele Fans in normalen Zeiten schon Tage vorher an.

Beat Schmitz, der mit seiner Mutter hier in Nürburg ein Hotel betreibt, erzählt, dass "Rock am Ring" keine Veranstaltung ist, die man nur an dem Wochenende selbst spürt: "Rock am Ring liegt fast einen ganzen Monat in der Luft. Die Infrastruktur wird schon Wochen vorher aufgebaut. Die Wiesen werden gemäht, die Campingplätze vorbereitet. Das fehlt in diesem Jahr, nicht nur die Gäste, auch das Drumherum. Wie Sie sehen, sehen Sie nichts."

tagesthemen mittendrin: Veranstaltungsverbot am Nürburgring trifft die Eifel-Region hart
tagesthemen , 05.06.2020, Ute Spangenberger, SWR

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Eigentlich wäre bei den Schmitz' jetzt Full House, alle 45 Zimmer belegt. Stattdessen radiert Ursula Schmitz die Buchungen aus dem Reservierungsbuch. Genau ein Gast wohnte Mitte der Woche im Hotel.

"Wir müssen jetzt das Geld zusammenhalten"

Die 75-Jährige trägt die Umrisse des Nürburgrings als Kette um den Hals. Das Wohl einer ganzen Region, erzählt sie resigniert, hänge am Ring: "Im letzten Winter wurden die Reserven aufgebraucht, da haben wir renoviert. Und dann kam plötzlich der Stopp im März. Dieses Jahr kann man erst in fünf, sechs oder acht Jahren aufholen. Da brauchen wir eine lange Zeit. Wir müssen jetzt das Geld zusammenhalten."

Der Lockdown kam im ungünstigsten Monat, erzählt ihr Sohn Beat. Im Winter sei in der Eifel ohnehin traditionell wenig Geld mit Tourismus zu verdienen. Und genau, als es losgehen sollte, kam Corona. "Was uns hilft, ist die Kurzarbeit", sagen sie und möchten ihr Personal unbedingt halten.

"Mitarbeiter sind das wertvollste Gut, was man in der Gastronomie haben kann. Jeder, der sich auskennt, weiß, wie wichtig es ist, ein klasse Team zu haben. Das haben wir, und wir setzen alles daran, das Team zu behalten", beschreibt Beat Schmitz.

Ursula und Beat Schmitz | Bildquelle: SWR
galerie

Ursula und Beat Schmitz hoffen auf bessere Zeiten.

Der Fuhrpark steht

Nachbar Ron Simons betreibt eine Autovermietung ganz in der Nähe von Ursula und Beat Schmitz. Seine Kunden kommen aus Australien, Neuseeland, Asien und Amerika. Das sind die Kunden, die Geld bei ihm lassen, erzählt er: "Wir vermieten Autos an Menschen, die über die Nordschleife fahren. Die Deutschen bringen ihre eigenen Autos mit. Aber wenn du mit dem Flieger anreist, kannst du dein Auto ja nicht mitbringen." Sein Geschäft sei fast auf null zurückgegangen, sagt er und schüttelt resigniert den Kopf, während er durch seinen Fuhrpark auf dem Parkplatz läuft.

Wann genau die Touristen wiederkommen, wann wieder Großveranstaltungen und mit welchen Auflagen erlaubt sein werden, weiß hier niemand. Das Nürburgring-Publikum ist international. Wie viele rennsportverrückte Australier oder Südamerikaner sich wirklich in den kommenden Wochen und Monate in den Flieger setzen werden, um an den Ring zu kommen, bleibt abzuwarten.

Nürburgring | Bildquelle: SWR
galerie

Die Region lebt von den Großveranstaltungen an der Rennstrecke.

Leere Fläche statt "Rock am Ring"

Ein Blick über das Gelände des Nürburgrings zeigt: Überall sind leere Flächen. Ein paar Rennautos ziehen ihre Runden auf der Grand Prix-Strecke, aber das war es auch. Eigentlich wären hier jetzt drei riesige Bühnen, 80.000 Musikfans, und die Gitarrenriffs würden über die Rennstrecke hin zu den Campingplätzen getragen.

"Bei `Rock am Ring´ ist es immer so, als ob hier eine ganze Stadt ein- und wieder auszieht." So bezeichnet Alexander Gerhard von der Betreibergesellschaft des Nürburgrings, was hier normalerweise los ist. Er erzählt, dass in normalen Jahren insgesamt mehr als 900.000 Menschen allein zu den Groß- beziehungsweise Wochenendveranstaltungen an den Ring kommen. Das legendäre 24-Stunden-Rennen, das auf der rund 26 Kilometer langen Nordschleife und dem Grand-Prix-Kurs gefahren wird, musste bereits auf September verschoben werden: 800 Fahrer, 200 Autos, Zehntausende Zuschauer, die viel Geld in der Region lassen.

Wirtschaftsmotor einer ganzen Region

Der Nürburgring ist Wirtschaftsmotor einer ganzen Region. Insgesamt kommen 1,8 Millionen Menschen im Jahr hierher. Die Kombination aus Veranstaltungsverbot, geschlossenen Hotels und dichten Grenzen hat diesen Motor abgewürgt, und nur langsam kommt er wieder auf Touren. Seit Mai dürfen Privatpersonen wieder mit ihren Autos über die Rennstrecken fahren, aber gerade die Großveranstaltungen, die Magnetfunktion haben, sind weiter untersagt.

Für dieses Wochenende sind für die Eifel Temperaturen um die zehn Grad und Regen angesagt. Unwirtliches bis extremes Wetter ist fast schon legendär bei den "Rock am Ring"-Konzerten. Zumindest das Wetter ist im Festivalmodus.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 05. Juni 2020 um 21:45 Uhr.

Korrespondent

Ute Spangenberger Logo SWR

Ute Spangenberger, SWR

Darstellung: