Wappen auf dem Ärmel eines Polizisten in Hessen | Bildquelle: dpa

"NSU 2.0"-Drohmails Illegale Waffen bei Ex-Polizisten gefunden

Stand: 29.07.2020 14:36 Uhr

Bei dem in der Affäre um die rechtsextremen "NSU 2.0"-Drohmails beschuldigten Ex-Polizisten haben Ermittler mutmaßlich illegale Waffen gefunden. Nun wird gegen den 63-Jährigen auch wegen Verstößen gegen das Waffengesetz ermittelt.

Bei der Durchsuchung der Wohnung des Ex-Polizisten aus Landshut, der bei den Ermittlungen im Fall "NSU 2.0" unter Verdacht geraten ist, wurden drei illegale Schusswaffen gefunden. Das bestätigte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft München. Zuvor hatten mehrere Medien darüber berichtet.

Konkret handle es sich bei dem Fund um eine Pumpgun und zwei Pistolen. Außerdem seien in seiner Wohnung weitere verbotene Gegenstände wie Pfefferspray und Schlagstöcke gefunden worden. "Damit besteht neben und völlig unabhängig von den Tatvorwürfen im Zusammenhang mit 'NSU 2.0' ein gesonderter Tatverdacht wegen Verstößen gegen das Waffengesetz", sagte ein Polizeisprecher. Die Ermittlungen führt die Bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus (ZET).

Verdächtiger bestreitet Vorwürfe

Der 63 Jahre alte Ex-Polizist und seine Ehefrau waren zuvor vorübergehend festgenommen worden. Der Mann streitet die Vorwürfe ab, etwas mit den Drohschreiben zu tun zu haben. Er sprach von einer Kampagne gegen ihn.

Das Ehepaar werde verdächtigt, die Schreiben mit beleidigenden, volksverhetzenden und drohenden Inhalten an Bundestagsabgeordnete und verschiedene andere Adressaten verschickt zu haben, so die Frankfurter Staatsanwaltschaft. Demnach handelt es sich konkret um sechs E-Mails, die im Juli verschickt wurden.

Persönliche Daten von Polizeicomputern abgerufen

Zuletzt war immer wieder bekannt geworden, dass Politiker und andere Menschen des öffentlichen Lebens mit "NSU 2.0" unterzeichnete Drohschreiben erhalten hatten. In einigen Fällen waren zuvor persönliche Daten der Empfänger von Polizeicomputern in Frankfurt und Wiesbaden abgerufen worden.

Inzwischen schaltete sich auch das Landesamt für Verfassungsschutz ein, wie das Innenministerium in München gestern bestätigte. Es gehe darum, "ein Gesamtbild zu bekommen", sagte ein Sprecher. Innenminister Joachim Herrmann hatte bereits am vergangenen Montag angekündigt, die hessischen Behörden unterstützen zu wollen.

Über dieses Thema berichtete das BR Fernsehen am 28. Juli 2020 um 18:30 Uhr.

Darstellung: