Grünenpolitikerin Ricarda Lang nimmt online am Bundesparteitag von Bündnis 90/Die Grünen teil. | dpa

Digitaler Parteitag Lang und Nouripour sind neue Grünen-Doppelspitze

Stand: 29.01.2022 17:59 Uhr

Die neue Grünen-Doppelspitze steht: Neben Ricarda Lang wurde Omid Nouripour zum Parteivorsitzenden gewählt. Die beiden treten die Nachfolge von Annalena Baerbock und Robert Habeck an. Die Wahlen müssen noch per Brief bestätigt werden.

Die Grünen haben zwei neue Vorsitzende gewählt. Beim digitalen Parteitag wurden die linke Sozialpolitikerin Ricarda Lang und der Realo-Außenpolitiker Omid Nouripour zum neuen Führungsduo gekürt.

Der 46-jährige Nouripour erhielt 621 von 752 abgegebenen Stimmen. Er kam damit auf 82,58 Prozent. Auf zwei Mitbewerber entfielen insgesamt 77 Stimmen. Lang erhielt 552 Ja-Stimmen und damit 75,93 Prozent Zustimmung. 137 Delegierte stimmten mit Nein, es gab 38 Enthaltungen. Die digitalen Stimmen müssen nun noch formal per Briefwahl bestätigt werden, was bis zum 14. Februar geschehen soll. Erst danach sind die beiden Neuen auch formell im Amt.

Lang und Nouripour treten die Nachfolge von Annalena Baerbock und Robert Habeck an. Die beiden sind in der neuen Bundesregierung mit SPD und FDP Außenministerin sowie Minister für Wirtschaft und Klimaschutz. Damit konnten sie gemäß der Grünen-Satzung nicht Parteivorsitzende bleiben. Sie hatten die Grünen im Tandem vier Jahre lang geführt.

Die 28-jährige Lang ist die jüngste Parteivorsitzende in der über 40-jährigen Parteigeschichte der Grünen. Lang trat ohne Gegenkandidatin an. Wegen einer Corona-Infektion konnte sie nicht auf der Bühne im Berliner Velodrom sprechen, wo ein überschaubarer Kreis von Spitzen-Grünen versammelt war. Die mehrere Hundert Delegierten waren online zugeschaltet.

Bessere Vereinbarung zwischen Gerechtigkeit und Klimaschutz

In ihrer Bewerbungsrede rief Lang die Grünen auf, die Verbindung von Klimaschutz und sozialer Gerechtigkeit zur Grundlage ihrer Politik zu machen. "Wir müssen den falschen Widerspruch zwischen Klimaschutz und Sozialem auflösen", sagte sie. "Wir müssen jetzt beweisen, dass es geht."

Regieren in der Koalition mit SPD und FDP sei keine Strafe, sondern eine große Chance: "Wir sind nicht nur bereit, sondern wir haben richtig Lust darauf." Die Grünen müssten den Menschen Halt und Zuversicht geben: "Wir stehen für Veränderung, auch in schwierigen Zeiten."

Nouripour ist seit 18 Jahren Mitglied des Bundestages. In seinem Wahlkreis in Frankfurt errang der Außen- und Sicherheitspolitiker zuletzt das Direktmandat. In seiner Bewerbungsrede sagte Nouripour den Regierungsmitgliedern in der Koalition mit SPD und FDP die Unterstützung der Partei zu.

Menschen mit Migrationsgeschichte ermutigen

Gemeinsam mit Lang werde er Lehren aus dem Wahlkampf ziehen und neue Strukturen in der Parteizentrale schaffen, damit die Grünen bei der Bundestagswahl 2025 "wieder in der K-Frage mitspielen" könnten. Nouripour lobte das Ergebnis der Koalitionsverhandlungen: "Eindeutig trägt dieser Koalitionsvertrag eine grüne Handschrift."

Er lobte junge Parteikolleginnen, die sich von dem gegen sie gerichteten Hass politischer Gegner nicht unterkriegen ließen. "Wir sind die Unbeugsamen!", rief Nouripour den größtenteils digital zugeschalteten Delegierten zu. Mit seiner Kandidatur wolle er Menschen mit Migrationsgeschichte motivieren, sich politisch zu engagieren, sagte Nouripour, der im Iran geboren ist.

Lang gehört zum linken Flügel der Partei

Die Parteilinke Lang war bislang Vizechefin und frauenpolitische Sprecherin der Grünen. Seit 2019 gehört sie zum Bundesvorstand. Damit war sie auch an jener umstrittenen Entscheidung im Winter 2020 beteiligt, mit der der Vorstand Corona-Boni von 1500 Euro für alle Mitarbeiter der Bundesgeschäftsstelle genehmigte - und damit auch für sich selbst. Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Anfangsverdachts der Untreue gegen den Vorstand, der das Geld inzwischen zurückgezahlt hat.

Lang kommt aus der Nähe von Stuttgart und zog nach der Wahl im September erstmals als Abgeordnete in den Bundestag ein. Sie engagierte sich bisher insbesondere in der Sozial- und Gesundheitspolitik sowie für Gleichstellung. Von 2017 bis 2019 war sie Chefin der Nachwuchsorganisation Grüne Jugend.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. Januar 2022 um 17:00 Uhr.