Notaufnahme eines Krankenhauses

Sachverständigenrat Neue Ideen für Notaufnahmen

Stand: 02.07.2018 19:51 Uhr

Die Notaufnahmen in Deutschland sind überlastet. In Berlin hat der Sachverständigenrat Gesundheit in seinem Gutachten Vorschläge vorgestellt, um das zu ändern.

Von Simon Köppl, ARD-Hauptstadtstudio

Ein stechender Kopfschmerz seit Tagen – Migräne oder Hirntumor? Da es meistens schwierig ist, beim Hausarzt schnell einen Termin zu kommen, wenden sich Patienten in solchen Fällen immer häufiger an die Notaufnahmen. Das soll anders werden. Der Sachverständigenrat Gesundheit berät das Gesundheitsministerium und hat dazu ein Gutachten vorgelegt.

Ferdinand Gerlach | Bildquelle: dpa
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Der Vorsitzende des Sachverständigenrats, Gerlach, erhofft sich von den Reformen eine Entlastung der Notaufnahmen.

"Wir wollen die Patienten schneller zur richtigen Stelle bringen, wo ihnen geholfen wird", sagt der Vorsitzende Ferdinand Gerlach. "Wir wollen die Wartezeiten reduzieren und die Versorgungsqualität verbessern."

Hilfe in zwei Stufen

Das soll in einem Zwei-Stufen-System passieren. Über eine bundesweit einheitliche Notrufnummer können Patienten ihre Symptome schildern und werden von Ärzten mit ersten Tipps versorgt. Damit könnte schon bis zu 30 Prozent der Hilfesuchenden geholfen werden, schätzen die Experten. Alle anderen werden in ein neues integriertes Notfallzentrum am Krankenhaus vermittelt. Dort wird entschieden, wie es mit den Patienten weitergeht.

"Machen das die ambulant tätigen niedergelassenen Ärzte - links rum. Oder muss er in die Klinik in die Notaufnahme möglicherweise auch stationär aufgenommen werden - rechts rum", erklärt Gerlach. "Je besser man das steuert, desto schneller wird der Patient behandelt und umso zielgerichteter."

Und wer nicht mitmacht, der muss zahlen. Wer sich nicht an die Leitstelle wendet, sondern direkt zum Facharzt geht, soll eine Kontaktgebühr bezahlen, schlagen die Gutachter vor.

Bedingungen für teilnehmende Krankenhäuser

Dabei sollen Krankenhäuser bestimmte Behandlungsmethoden anbieten, damit sie noch bei der Notfallversorgung mitmachen dürfen. Neben einem Notfalldienst für Kinder soll es auch Augenärzte für Notfälle und einen psychiatrischen Dienst geben.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft freut sich zwar generell über die Reformvorschläge, aber Hauptgeschäftsführer Georg Baum sieht diesen Punkt kritisch: "Wogegen wir uns wehren, ist, dass Par Ordre du Mufti nur noch Krankenhaus X das machen darf. Das wäre ein Fehler, weil die Patienten eben auch ins Krankenhaus Y und Z gehen. Und wenn sie dort ankommen, müssen sie vom Krankenhaus versorgt werden."

Ideen finden Zustimmung

Auch wenn also über die Details noch diskutiert werden muss, stehen die Zeichen gut für eine Reform der Notfallversorgung. Die grundsätzlichen Ideen finden sich schon im Koalitionsvertrag.

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagt schriftlich: "Das Gutachten zeigt: Gerade die Notfallversorgung müssen wir auf neue Füße stellen. Deshalb wollen wir ambulante und stationäre Versorgung künftig "an einem Tresen" organisieren. Gemeinsame Notfallleitstellen und Integrierte Notfallzentren sind hier der richtige Weg."

Gerlach, der Vorsitzende des Sachverständigenrates, glaubt, dass noch in den nächsten zwei Jahren diese Ideen zum Gesetz werden - damit Patienten von vollen Notfallaufnahmen keine Kopfschmerzen mehr bekommen.

Neue Ideen zur Verbesserung für Notaufnahmenversorgung
S. Köppl, ARD Berlin
02.07.2018 18:21 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 02. Juli 2018 um 17:38 Uhr.

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