Eine Kanüle ist zur Blutabnahme in einen Arm injiziert. | picture alliance / Matthias Töd

Bluttest für Schwangere Trisomie-Test wird Kassenleistung

Stand: 19.08.2021 18:58 Uhr

Mit einem Bluttest in der Schwangerschaft können werdende Eltern feststellen, ob ihr Kind eine Trisomie hat. Bislang musste der NIPT-Test privat gezahlt werden - ab 2022 wird er Kassenleistung.

Bluttests für Schwangere auf ein Down-Syndrom und andere Trisomien beim Kind werden künftig von den Krankenkassen bezahlt. Der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten, Kliniken und Kassen billigte in Berlin als letzten Schritt eine Patienteninformation. Die Frauen sollen möglichst gut informiert mit ihrem Arzt darüber entscheiden, ob sie einen Test durchführen wollen. Zunächst hat jetzt das Bundesgesundheitsministerium zwei Monate Zeit zu einer weiteren Prüfung, bevor eine Veröffentlichung im Bundesanzeiger möglich ist.

Nur "in begründeten Einzelfällen"

Voraussichtlich ab Frühjahr 2022 kann der Bluttest dann als Kassenleistung angeboten werden. Bereits 2019 hatten der Bundesausschuss und das Ministerium prinzipiell grünes Licht für den Test gegeben. Er soll aber nur "in begründeten Einzelfällen bei Schwangerschaften mit besonderen Risiken" durchgeführt werden, hieß es. Voraussetzung für eine Kostenübernahme ist eine intensive ärztliche Beratung.

Bei den seit 2012 in Deutschland angebotenen, nicht-invasiven Pränataltests werden ab der zehnten Schwangerschaftswoche Erbgutbestandteile des Kindes aus dem Blut der Schwangeren isoliert und auf Gendefekte wie Trisomie 21 untersucht.

Bei dem sogenannten Down-Syndrom haben Menschen in jeder Zelle ein Chromosom mehr als andere. Das Chromosom 21 ist dreifach vorhanden, daher die Bezeichnung Trisomie 21. Folgen sind körperliche Auffälligkeiten und eine verlangsamte motorische, geistige und sprachliche Entwicklung. Ausprägungen sind aber sehr unterschiedlich. Außer einem Down-Syndrom können mit dem Test aber auch die selteneren und schwerwiegenderen Trisomien 13 und 18 festgestellt werden.

Kritiker warnen vor zunehmender Diskriminierung

Befürworter bezeichnen die Tests als zuverlässig und sicher: Bei gesunden Kindern von Schwangeren erreichen sie in 99,91 Prozent der Fälle ein richtig-negatives Testergebnis für das Trisomie-21-Risiko - unabhängig vom Alter. Die Sensitivität für richtig-positive Ergebnisse liegt bei 99,2 Prozent. Bis zur Zulassung des Verfahrens 2012 waren nur invasive Tests möglich, etwa eine Entnahme von Fruchtwasser. Dabei steigt jedoch das Risiko für Fehlgeburten.

Kritiker wie Behindertenverbände und katholische Kirche warnen, eine Ausweitung der Tests führe zu einer zunehmenden Diskriminierung von Menschen mit Behinderung und meist zum Abbruch einer solchen Schwangerschaft.

"Wird nicht auf ungeteilte Zustimmung stoßen"

"Der Gemeinsame Bundesausschuss hat es sich zu keinem Zeitpunkt leicht gemacht", erklärte der Vorsitzende Josef Hecken. "Uns ist bewusst, dass die Entscheidung nicht in allen gesellschaftlichen Gruppen auf ungeteilte Zustimmung stoßen wird." Es gehöre aber zur Realität, dass "dieser Bluttest gegenüber den invasiven Untersuchungen keine Fehlgeburten auslösen kann", fügte Hecken hinzu. "Es ist rational wie medizinisch richtig, jenen Schwangeren, denen das Wissen um eine Trisomie persönlich wichtig ist, eine sichere Alternative anzubieten."

Eltern, die den Test machen wollen, soll neben der ärztlichen Beratung auch eine Broschüre ausgehändigt werden, worin die werdenden Eltern werden gebeten, sich vorher damit zu beschäftigen, was sie bei einem auffälligen Testergebnis tun wollen. Darin wird auch betont, dass er nicht zu den allgemein empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen gehört.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 19. August 2021 um 15:45 Uhr.