Alexej Nawalny  (Archivbild: 29. Februar 2020) | REUTERS

Vergifteter Kreml-Kritiker Russen wollen Nawalny befragen

Stand: 11.09.2020 10:34 Uhr

Die russische Polizei will eine Befragung des vergifteten Kremlkritikers Nawalny in Deutschland beantragen. Man wolle dem Oppositionellen und anderen Zeugen "klärende Fragen" stellen.

Stephan Laack

Von Stephan Laack, WDR

Die russische Polizei möchte ihre deutschen Kollegen bei den Ermittlungen im Fall Nawalny begleiten, beziehungsweise ihnen dabei auf die Finger schauen. Man wolle die Gelegenheit bekommen, klärende und zusätzliche Fragen stellen zu können, teilte die sibirische Polizei mit. Das russische Innenministerium bereite ein entsprechendes Gesuch vor.

Mit Nowitschok vergiftet

Ein Speziallabor der Bundeswehr hatte "zweifelsfrei" festgestellt, dass Nawalny mit einem chemischen Kampfstoff der Nowitschok-Gruppe vergiftet wurde. Russische Ärzte hatten dagegen erklärt, sie hätten keine Hinweise auf eine Vergiftung gefunden.

Der Kreml wirft der Bundesregierung vor, eine Desinformationskampagne gegenüber Russland zu führen und wichtige Beweise zurückzuhalten. Dahinter stecke einzig und allein das Ziel, Russland zu diskreditieren.

Lieber an die OPCW als an Moskau wenden

Die Bundesregierung sieht aber keine Voraussetzungen für eine Übergabe der Beweisführung an Russland. Stattdessen sollen die Untersuchungsergebnisse nur der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) zur Verfügung gestellt werden. Da es sich bei dem Anschlag auf Kremlkritiker Alexej Nawalny um einen Einsatz international geächteter Chemiewaffen handele, sei dies die richtige Adresse. Aus Moskau kam heute der Vorwurf, die OPCW habe noch keine Ergebnisse von der deutschen Seite erhalten.

Laut Kremlsprecher Dimitri Peskow leiteten russische Behörden eine vorläufige Überprüfung ein, was mit Nawalny geschehen ist. Er betonte, dass man einen Beweis für eine Vergiftung benötigte, um eine vollständige strafrechtliche Untersuchung zu eröffnen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 11. September 2020 um 10:45 Uhr sowie Inforadio um 10:02 Uhr.