Die deutsche Nationalhymne | Bildquelle: dpa

Thüringens Landeschef Ramelow wirbt für neue Nationalhymne

Stand: 09.05.2019 14:08 Uhr

Thüringens Ministerpräsident Ramelow wünscht sich eine neue Nationalhymne. Mit dem Deutschlandlied könnten sich viele Ostdeutsche nicht identifizieren - er auch nicht, sagt der Linken-Politiker.

Thüringens Landeschef Bodo Ramelow wirbt für eine neue Nationalhymne. Er persönlich singe zwar die dritte Strophe des Deutschlandliedes mit, sagte der Linken-Politiker der "Rheinischen Post". Dennoch könne er die Bilder in seinem Kopf nicht ausblenden: "Naziaufmärsche von 1933 bis 1945" sehe er vor seinem geistigen Auge.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow von der Linken | Bildquelle: dpa
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Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) wünscht sich eine neue Nationalhymne.

Viele Ostdeutsche sängen die Hymne auch 30 Jahre nach dem Mauerfall nicht mit. "Ich würde mir wünschen, dass wir wirklich eine gemeinsame Nationalhymne hätten", so Ramelow. Doch bisher habe dieser Wunsch leider immer nur für empörte Aufregung gesorgt. Das Plädoyer des gebürtigen Niedersachsen: einen neuen Text, "der so eingängig ist, dass sich alle damit identifizieren können und sagen: 'Das ist meins'."

Widerspruch aus Sachsen und Sachsen-Anhalt

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer widersprach Ramelow. Er singe die Hymne sehr gern, bekannte der CDU-Politiker: "Ich finde es interessant, wie unterschiedlich Emotionen bei unserer Nationalhymne sind." Er verbinde damit den "großartigen Teil" der deutschen Geschichte, "die friedliche Revolution Helmut Kohl und die deutsche Einheit."

Auch Kretschmers Parteifreund und Amtskollege aus Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff, wandte sich gegen Ramelows Vorstoß und nannte ihn "völlig überflüssig". "Wir sollten uns den Themen zuwenden, bei denen dringender Handlungsbedarf besteht", erklärte Haseloff und nannte als Beispiele die Energiepreise und die Entwicklung der Mieten.

Forderungen nach geschlechterneutralem Text

Vergangenes Jahr hatte es Forderungen gegeben, die Hymne geschlechterneutral umzutexten. Die Gleichstellungsbeauftragte im Bundesfamilienministerium, Kristin Rose-Möhring, hatte unter anderem vorgeschlagen, künftig statt "Vaterland" "Heimatland" zu singen.

Nur die dritte Strophe ist deutsche Hymne

Nur die dritte Strophe des "Lieds der Deutschen" von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben ("Einigkeit und Recht und Freiheit") ist deutsche Nationalhymne. Die Nationalsozialisten ließen nur die erste Strophe ("Deutschland, Deutschland über alles") singen.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 09. Mai 2019 um 07:00 Uhr.

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