Wohnhäuser stehen am Gründlandgebiet der Feuchtwiesen Conrebbersweg in Emden. | picture alliance/dpa

Kritik an Bodenversiegelung NABU-Negativpreis für Stadt Emden

Stand: 27.12.2021 13:03 Uhr

Die Stadt Emden erhält vom NABU den Negativpreis "Dinosaurier des Jahres". Dort werde artenreiches Feuchtgrünland für ein Baugebiet vernichtet - der Preis stehe stellvertretend für "grassierende Bodenversiegelung" in ganz Deutschland.

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) hat seinen Negativpreis "Dinosaurier des Jahres" an die Stadt Emden in Niedersachsen verliehen. Konkret geht es dabei um das Neubaugebiet Conrebbersweg - dort sollen auf 77 Hektar Feuchtwiesen, die nach Einschätzung des NABU ökologisch besonders wertvoll sind, Wohnhäuser entstehen.

Obwohl Emden eine seit vielen Jahren stagnierende Bevölkerungsentwicklung habe, werde für das Baugebiet dennoch ein artenreiches Feucht- und Nassgrünland mit fast flächendeckendem Schutzstatus vernichtet, wurde die Entscheidung der Jury begründet. Auf der dadurch bedrohten Fläche fänden sich zahlreiche stark gefährdete Pflanzen- und Vogelarten, darunter Wiesenpieper, Feldschwirl und Kiebitz. Zudem sei der Marschboden nicht tragfähig für Gebäude, sondern müsse verdichtet werden. Das Gelände liege teils tiefer als der Meeresspiegel, es müsse also entwässert werden.

NABU: Überflutungen drohen

Angesichts der zunehmenden Starkwetterereignisse drohen nach Auffassung der Naturschützer damit nach der Bebauung Überflutungen. Wer an Emden und die Nordseeküste denke, habe Wind, Natur und flaches Land vor Augen, sagte NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger anlässlich der Preisverleihung. Nun solle in Emden ein landesweit bedeutsames Gebiet für den Biotopschutz zugunsten eines großes Baugebietes unwiederbringlich zerstört werden.

Der "Dinosaurier des Jahres" für das Baugebiet in Emden stehe stellvertretend für "grassierende Bodenversiegelung" in ganz Deutschland. "Fläche ist in Deutschland ein knappes Gut", so Krüger. Er kritisierte, dass immer noch viel Raum für Wohnen, Gewerbe oder Verkehr umgenutzt werde. "Insofern ist Emden überall in Deutschland." Diese Flächen fehlten der Land- und Forstwirtschaft und dem Erhalt der Ökosysteme. Nötig sei eine Nachverdichtung bereits bebauter Flächen.

Die Stadt Emden verteidigte ihre Planung hingegen. "Wir sehen das komplett anders als der NABU", sagte ein Stadtsprecher. Emden brauche Bauland, um junge Familien in der Stadt halten zu können. Gerade das Neubaugebiet Conrebbersweg sei klimaschonend geplant. Geheizt werde ohne fossile Brennstoffe, viele Gebäude sollten Solaranlagen bekommen.

Preisträger 2020: Hamburger Hafenautobahn

Der NABU vergibt den "Dinosaurier des Jahres" seit 1993. Wurde er zunächst an Politiker oder Manager verliehen, geht es seit 2020 um bestimmte Bauprojekte. Im vergangenen Jahr wurde die geplante Hafenautobahn A26 in Hamburg ausgewählt, die aus Sicht des NABU überdimensioniert und nicht mehr zeitgemäß sei.

Der Negativpreis besteht aus einer kleinen, aber 2,6 Kilogramm schweren Zinnstatue eines Dinosauriers. Die Erinnerung an die ausgestorbene Riesenechse soll Fälle von besonders antiquiertem Denken in Natur- und Umweltschutzfragen aufs Korn nehmen.

Über dieses Thema berichteten am 27. Dezember 2021 MDR aktuell um 12:00 Uhr in den Nachrichten und tagesschau24 um 12:30 Uhr.