Manuela Schwesig mit Blumenstrauß bei der Wahlparty der SPD im Brinkamas in Schwerin. | dpa

Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern Klarer Sieg für die Favoritin

Stand: 26.09.2021 19:53 Uhr

In Mecklenburg-Vorpommern hat Ministerpräsidentin Schwesig mit der SPD Prognosen zufolge einen deutlichen Sieg errungen. Die CDU rutscht demnach auf ein historisches Tief, auch AfD und Linke verlieren. Zwei Parteien stehen wohl vor einem Comeback im Landtag.

Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern sagt die ARD-Prognose von Infratest dimap einen klaren Sieg der SPD voraus. Demnach käme die Partei von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig auf 37 Prozent - das wäre ein deutlicher Zugewinn im Vergleich zur Landtagswahl im Jahr 2016 (30,6 Prozent). Damit kann Schwesig für weitere fünf Jahre an der Spitze des Bundeslandes planen.

Zweitstärkste Kraft würde demnach erneut die AfD, die etwas verliert und auf 18,5 Prozent (2016: 20,8 Prozent) kommt. Für die bisherige Regierungspartei CDU reicht es nach neuerlichen Verlusten mit 14 Prozent (2016: 19,0 Prozent) wieder nur für Platz drei - sie steht damit im Nordosten vor ihrem schlechtesten Ergebnis seit der Wiedervereinigung. Auch die Linke kann ihren seit 2011 anhaltenden Abwärtstrend nicht stoppen, sie fährt mit 10 Prozent (2016: 13,2 Prozent) ebenfalls ihr voraussichtlich schlechtestes Wahlergebnis ein.

Zulegen können dagegen Grüne und FDP, für die es der Prognose zufolge für den Einzug in den Landtag reichen dürfte. Die Grünen erreichen demnach 7 Prozent (2016: 4,8 Prozent), die FDP kommt auf 6,5 Prozent (2016: 3,0 Prozent). Beide Parteien waren zuletzt nicht im Landtag vertreten.

Schwesig: "Wunderbarer Abend"

Nach Bekanntwerden der ersten Prognosen sprach Schwesig von einem "wunderbaren Abend für unser Land, für unsere SPD in Mecklenburg-Vorpommern". Sie bedankte sich in Schwerin "bei den Menschen in unserem Land". Sie habe die Unterstützung der Bürger oft gespürt, in der Corona-Pandemie und als sie selbst an Krebs erkrankt war. "Ich freue mich, dass es bei der Wahl ein ganz klares Bürgervotum gibt für die SPD in Mecklenburg-Vorpommern", sagte sie.

Mögliche Koalitionsoptionen hielt sich Schwesig weiterhin offen. Die Parteigremien würden am Montagabend beraten und schauen, "mit wem wir Gespräche führen werden", sagte sie. Zunächst müsse das endgültige Ergebnis abgewartet werden. Wichtig für die künftige Regierungsbildung seien drei Punkte: So müsse es "stabile Mehrheiten" geben, die SPD müsse ihre Themen voranbringen können und es müssten "verlässliche Partner" sein.

Möglich wäre für die SPD etwa eine Fortsetzung der derzeitigen Koalition mit der CDU, aber auch eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei. Denkbar sind zudem Bündnisse, in denen die SPD mit zwei anderen Parteien regiert. Sollten FDP und Grüne tatsächlich ins Parlament einziehen, wäre etwa eine sogenannte Ampel-Koalition möglich.

CDU zu den Zahlen: "Katastrophal"

Trotz leichter Verluste zeigte sich auch AfD-Spitzenkandidat Nikolaus Kramer zufrieden mit dem prognostizierten Ergebnis seiner Partei. "Dennoch haben wir unser Ziel erreicht, das Ziel, stärkste Oppositionskraft zu bleiben", sagte er.

CDU-Spitzenkandidat Michael Sack hingegen bezeichnete den Ausgang der Wahl als "katastrophal" für seine Partei. Wie es weitergehen soll, werde am Montagabend bei einer Sitzung des Landesvorstandes geklärt, sagte er. Dann lägen die endgültigen Ergebnisse vor. Er habe ein bisschen Hoffnung, dass die Zahlen noch etwas besser würden.

Bei der Linkspartei sah man das Ergebnis gelassener. Spitzenkandidatin Simone Oldenburg sagte, bei einer so übermächtigen SPD sei es klar, dass alle anderen Parteien unter die Räder kämen. Über mögliche Koalitionsmöglichkeiten wollte sie sich nicht äußern. Sie ging jedoch davon aus, dass die Wähler im Nordosten die CDU abgewählt haben und sich einen Linksruck wünschen.

Grüne und FDP zufrieden

Die Grünen zeigten sich zufrieden mit den prognostizierten Zahlen. "Der Landtagseinzug war unser wichtigstes Ziel", sagte der Landesvorsitzende Ole Krüger. "So wie es aussieht, haben wir das erreicht - und das freut ungemein." Sieben Prozent seien ein starkes Ergebnis für einen engagierten Wahlkampf. "Wir bleiben jetzt erstmal auf dem Boden und gucken, wie die Hochrechnungen sich über den Abend entwickeln." Die Grünen seien sehr zuversichtlich, dass sich die Ergebnisse oberhalb der Fünf-Prozent-Hürde einpegeln werden.

Für die FDP waren die Prognosen ein Grund zum Feiern. "Was für ein wunderschöner Abend", rief ihr Spitzenkandidat René Domke seinen Unterstützern zu. Er betonte die hohe Bedeutung von Wirtschaftsthemen für die Wählerinnen und Wähler. "Ich denke schon, dass die Menschen jetzt tatsächlich nach der Pandemie auch Antworten wollen, wie es mit der Wirtschaft weitergehen soll", sagte er.

Erste Landtagswahl als Spitzenkandidatin

Für Schwesig, die die Regierungsgeschäfte 2017 in der laufenden Wahlperiode von ihrem Vorgänger Erwin Sellering übernommen hatte, war es die erste Landtagswahl als Spitzenkandidatin. Die Nordost-SPD hatte den Wahlkampf ganz auf die Ministerpräsidentin zugeschnitten, die 2017 als Bundesfamilienministerin zurückgetreten war, um in ihrer Heimat vorzeitig das Amt der Ministerpräsidentin zu übernehmen. Dort konnte sie nahtlos an die hohen Popularitätswerte ihres Vorgängers und Förderers Sellering anknüpfen.

Mit dem unangefochtenen Wahlsieg dürfte die SPD-Landesvorsitzende ihre Führungsposition in der Landespartei weiter gefestigt und sich Optionen für eine Rückkehr in die Führungsriege auch der Bundespartei gesichert haben. 2019 hatte sie sich wegen einer Krebserkrankung aus dem damaligen Interims-Führungstrio zurückzogen. Die Krankheit hat sie nach eigenen Angaben mittlerweile überwunden.

Michael Sack | dpa

CDU-Spitzenkandidat Michael Sack war es nicht gelungen, den Abwärtstrend seiner Partei zu stoppen. Bild: dpa

Viele Briefwähler

Zur Abstimmung über Bundestag und Landtag aufgerufen waren in dem Bundesland etwa 1,32 Millionen Wahlberechtigte. Ein beträchtlicher Teil der Wähler hatte den kommunalen Wahlbehörden zufolge schon die Möglichkeit der Briefwahl genutzt.

Um die 71 Mandate im Landtag bewarben sich nach Angaben der Landeswahlleiterin 455 Kandidatinnen und Kandidaten von 24 Parteien sowie neun Einzelbewerber. Es sind 36 Direktmandate zu vergeben, 35 weitere Abgeordnete kommen über die Landeslisten der Parteien ins Parlament.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. September 2021 um 17:00 Uhr.