Markus H., Mitangeklagter im Mordfall Lübcke | Bildquelle: THOMAS LOHNES/POOL/EPA-EFE/Shutt

Lübcke-Prozess Mitangeklagter H. wird aus U-Haft entlassen

Stand: 01.10.2020 14:58 Uhr

Markus H. war wegen Beihilfe zum Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Lübcke angeklagt. Nun sieht das Gericht keinen hinreichenden, dringenden Tatverdacht mehr - H. kommt aus der U-Haft frei.

Im Prozess um den Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke wird der wegen Beihilfe angeklagte Markus H. aus der Untersuchungshaft entlassen. Es gebe keinen hinreichenden, dringenden Tatverdacht mehr gegen ihn, entschied das Oberlandesgericht Frankfurt. Es folgte damit einem Antrag der beiden Verteidiger von Markus H.

Die Bundesanwaltschaft hatte H. in der Anklage vorgeworfen, den mutmaßlichen Haupttäter Stephan E. ideologisch beeinflusst und unter anderem so Beihilfe zu dem Mord geleistet zu haben. Sie geht von einem rechtsextremistischen Hintergrund für die Tat aus.

Die Familie von Walter Lübcke kritisierte die Entlassung als "kaum zu ertragen". Die Angehörigen seien "fest davon überzeugt, dass die Tat von beiden Angeklagten gemeinschaftlich geplant und gemeinschaftlich verübt worden ist", erklärte ein Sprecher der Familie.

Unterschiedliche Geständnisse

Der Deutsche Stephan E. hatte in unterschiedlichen Versionen gestanden, Lübcke erschossen zu haben. Laut seiner Aussage vor Gericht war H. bei der Tat im Juni vergangenen Jahres in Nordhessen anwesend. In einem vorherigen Geständnis während der Ermittlungen hatte er jedoch auch angegeben, der Schuss habe sich versehentlich gelöst, als H. die Waffe gehalten habe.

Der Sprecher der Familie Lübcke sprach von einem "Geständniswirrwarr". Es sei "sehr bitter", dass es deswegen nun zur Haftentlassung des Mitangeklagten gekommen sei.

E. und H. waren frühere Arbeitskollegen, die sich nach Angaben von E. angefreundet hatten. H. war demnach derjenige, der E. politisch beeinflusst habe, nachdem dieser sich vor Jahren aus der rechten Szene gelöst habe. Er habe ihn auch zu gemeinsamen Schießübungen im Wald mitgenommen, hatte E. in seinen Geständnissen angegeben.

Bei der Durchsuchung der Wohnung von H. hatten die Ermittler nach dem Mord an Lübcke zahlreiche NS-Devotionalien gefunden. Auf der gelöschten Festplatte seines Computers entdeckten sie zahlreiche Texte mit rechtsextremen und antisemitischen Inhalten.

H. muss weiter am Prozess teilnehmen

Weiterhin dringend tatverdächtig sei H. wegen eines Verstoßes gegen das Waffengesetz, erklärte das Gericht. Er soll eine nachträglich unbrauchbar gemachte Waffe besessen haben, ohne eine waffenrechtliche Erlaubnis dafür zu besitzen. H. muss weiterhin an den Verhandlungen im Lübcke-Prozess teilnehmen, wie der Vorsitzende Richter Thomas Sagebiel ankündigte.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 01. Oktober 2020 um 10:05 Uhr.

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