Kerstin Claus | picture alliance/dpa

Sexualisierte Gewalt Claus wird neue Missbrauchsbeauftragte

Stand: 30.03.2022 14:45 Uhr

Sie engagiert sich seit vielen Jahren im Kampf gegen sexualisierte Gewalt: Nun hat das Bundeskabinett die Journalistin Kerstin Claus für das Amt der unabhängigen Missbrauchsbeauftragten berufen.

Die Journalistin und Politikberaterin Kerstin Claus übernimmt am 1. April das Amt der Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs. Das teilte Bundesfamilienministerin Anne Spiegel nach einer Kabinettssitzung mit.

Claus war bislang Mitglied im Betroffenenrat des Unabhängigen Beauftragten und sitzt im Nationalen Rat gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen. Sie arbeitet in der Politikberatung zum Thema sexualisierte Gewalt. Im vergangenen Jahr kandidierte sie für die Grünen bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz.

Aufarbeitung in der evangelischen Kirche

Die 52-Jährige hat selbst sexualisierte Gewalt erlebt. Der Täter war ein evangelischer Pfarrer, der nicht strafrechtlich verfolgt, sondern lediglich versetzt wurde. Claus engagiert sich für die unabhängige Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt insbesondere in der evangelischen Kirche.

Im neuen Amt wolle sie die "Entschlossenheit zum Handeln entfachen", sagte Claus auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Familienministerin Spiegel. "Wir alle müssen Kinder und Jugendliche besser schützen, um Gefahren zu erkennen oder Missbrauch zumindest schneller aufzudecken." Dafür gebe es "nicht das eine Patentrezept".

"Besonders geeignete Frau"

Eine zielgerichtete Zusammenarbeit auf allen Ebenen sei notwendig, so Claus. Sie wolle die Zusammenarbeit des Bundes mit Ländern und Kommunen verstärken. Betroffene sollen in den Ländern beteiligt werden. Mit ihren Erfahrungen und ihrem Wissen hätten sie in der Vergangenheit Aufarbeitung und Prävention vorangebracht.

Spiegel sagte, sie freue sich, dass die Bundesregierung mit Claus "eine hervorragend qualifizierte und besonders geeignete Frau" für das Amt gewinnen konnte. Mit einem neuen Gesetz wolle sie die Arbeit und die Unabhängigkeit der Beauftragten weiter stärken, so die Grünen-Politikerin.

Bundesweite Kampagne in diesem Jahr

Prävention, Hilfe und Aufklärung sollten gestärkt werden, sagte Spiegel. Sie kündigte eine bundesweite Kampagne zur Sensibilisierung für das Thema an.

Das Amt der Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs ist beim Bundesfamilienministerium angesiedelt. Bislang hatte es Johannes-Wilhelm Rörig inne, der unter anderem eine Aufarbeitungskommission ins Leben rief. Ende Februar hatte Rörig seine Arbeit in dem Amt nach mehr als zehn Jahren beendet.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 30. März 2022 um 13:50 Uhr.